Die 26-jährige Wanderin war bei ihrem Verschwinden auf dem Schluchtensteig unterwegs. Nun gilt sie zwei Jahre als vermisst. (Archivbild) Foto: Limberger-Andris

Scarlett S. verschwand vor zwei Jahren spurlos auf dem Fernwanderweg Schluchtensteig im Südschwarzwald. Unfall oder Verbrechen? Was steckt hinter dem Vermisstenfall? Was bekannt ist - und was nicht.

Trotz großangelegter Suchaktionen, zahlreichen Hinweisen und Zeugenbefragungen fehlt nach wie vor jede Spur der Vermissten aus Nordrhein-Westfalen. Vor zwei Jahren erhielt die Familie das letzte Lebenszeichen von Scarlett. Was seitdem passiert ist. 

Das letzte Lebenszeichen an die Familie

Vor zwei Jahren, am 9. September 2020, schickt Scarlett die letzten Fotos aus St. Blasien an ihre Familie.

Der Tag des Verschwindens

Die 26-Jährige gilt seit dem 10. September 2020 vermisst. An diesem Tag will sie von Todtmoos zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig aufbrechen. Aufnahmen einer Supermarkt-Überwachungskamera zeigen sie an dem Morgen noch beim Einkaufen. Ihr Handy wird letztmalig an diesem Tag beim Kurpark in Todtmoos geortet.

Die Suche beginnt

Am 13. September leitet die Polizei die Fahndung nach der Vermissten ein. Beamte durchkämmen das abfallende, teils schwer zugängliche Gelände. Mantrailer-Hunde, Hubschrauber und Drohnen sind im Einsatz.

Wie in solchen Fällen üblich, gehen die Ermittlungen kurz nach dem Verschwinden von Scarlett an die Polizei in Bad Lippspringe im Kreis Paderborn, dem Heimatort der Verschwundenen, über.

Die Ermittlungen werden ohne Ergebnis eingestellt

Eine Woche nach dem Verschwinden der 26-Jährigen stellt die Polizei die Ermittlungen ein. Die Beamten gehen von einem Unglück aus. Die großangelegte Suche in dem teils unwegsamen Gelände nahe der Schweizer Grenze endet ohne greifbares Ergebnis.

Die Familie will Gewissheit

Familie und Freunde der Vermissten gründen im November 2020 die Facebook-Seite "Bitte findet Scarlett". Dort werden regelmäßige Updates zum Vermissenstatus, zu polizeilichen Ermittlungen und diverse Suchaufrufe geteilt. 

Freiwillige setzen die Suche fort

Auf ihrer Facebook-Seite berichtet die Familie der jungen Frau über die Suche aus der Luft. Ein Pilot bietet seine Hilfe an, überfliegt das Wehratal mit einem Flugzeug. Parallel durchkämmen immer wieder ganze Gruppen von Freiwilligen zu Fuß das Gelände. Ohne Ergebnis.

Liegt doch ein Verbrechen vor?

Anfang September 2021 wird Strafanzeige erstattet. Darin heißt es, Scarlett S. sei Opfer einer Straftat geworden. Aufgrund dessen fällt die Zuständigkeit zurück an die Staatsanwaltschaft Waldshut. Ein Todesermittlungsverfahren wird eingeleitet. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen finden die Ermittler nicht.

Suchhunde spüren Fährte auf

Über Wochen unterstüzen Suchhunde-Teams die Familie. Sie finden eine Spur. Das Ergebnis teilt Scarletts Familie auf Facebook: Scarlett hat die Wanderung wie geplant angetreten. "Ihre Spur geht eindeutig Richtung Park/Reha Klinik/Einstieg Schluchtensteig", heißt es in einem Beitrag vom 21. September. Am Parkplatz Wehratalbrücke verliert sich ihre Spur. Im selben Post räumt die Familie mit einem beunruhigenden Gerücht auf: Könnte es sich bei einer im Wald nahe Freudenstadt gefundenen Frauenleiche um die vermisste Scarlett handeln? Immer wieder war diese Möglichkeit in den Sozialen Medien aufgegriffen worden. Doch es ist genau das: ein Gerücht. Die Leiche wird später als die einer 36-Jährigen identifiziert. Die Frau stammte aus Polen, als tatverdächtig gilt ihr Partner.

Der Fall kommt ins Fernsehen

Die Moderatorin und ehemalige Oberkommissarin Alexandra Rietz hat mit ihrem Team über den Sommer einen Teil der Freiwliigen bei der Suche begleitet. Die Sendung “Wenn Menschen verschwinden” wird am 22. November auf "Sat1 Gold" ausgestrahlt

Aktenzeichen XY rückt Scarlett erneut in den Fokus der Öffentlichkeit

Die Vermisstensuche wird in einer Spezialausgabe der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY …vermisst" behandelt. Seit Ausstrahlung der ZDF-Fernsehsendung am 29. Juni 2022 verzeichnet die Behörde dadurch über 140 Hinweise.

Der zweite Jahrestag

Der Tag des Verschwindens von Scarlett jährt sich am 10. September 2022 zum zweiten Mal. Scarletts Familie sucht verzweifelt weiter. Die meisten Hinweise hat die Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen inzwischen abgeklärt. Eine heiße Spur gebe es derzeit nicht, sagt die zuständige Staatsanwältin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).