Von der „Brücke der Wildnis“ aus haben die Besucher im Nationalparkzentrum Ruhestein den Blick auf den Wald von oben. Foto: Sannert

Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit und anschließendem coronabedingtem Lockdown öffnete sich am Samstag die Tür zum Nationalparkzentrum Ruhestein für Besucher zum ersten Mal. Der Andrang war groß und die Parkleitung sichtlich zufrieden. Im Oktober was das Zentrum feierlich in einem Livestream übergeben worden.

Baiersbronn - Wer sich die Ausstellung über die heimische Tier- und Pflanzenwelt anschauen wollte, musste vorab online ein Ticket bestellen. Wegen technischer Mängel war dies erst ab Freitagnachmittag möglich. Viele Tickets blieben deshalb erst einmal liegen. Gut, dass sich viele spontan zu einem Besuch entschieden und auf gut Glück im Nationalparkzentrum Ruhestein vorbeischauten. Am Abend war so die maximale Besucherzahl von 130 erreicht.

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Jede halbe Stunde wurden zehn Personen eingelassen. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist und keinen aktuellen Corona-Test dabei hatte, konnte noch schnell einen vor Ort von Mitgliedern des DRK-Ortsvereins Achern machen lassen. Stärken konnten sich die Besucher im Nationalpark-Café, und gleich nebenan gab es im Shop weitere Informationen zur Nationalpark-Region.

"Die Natur Natur sein lassen"

Danach hieß es für Groß und Klein eintauchen in die geheime Welt des Waldes. Auf drei unterschiedlichen Ebenen dürfen die Besucher einen Blick auf die Natur von der Luft und vom Boden aus werfen, um dann hinabzusteigen ins dunkle Erdreich. Nach einer kurzen filmischen Einstimmung verbringen die Besucher einen ganzen Tag im Wald im Zeitraffer. Auf ihrem Weg begegnen sie Auerhahn, Rehkitz, verschiedenen Vogelarten, Pilzen und Pflanzen und sind eingehüllt in Vogelgezwitscher und eindrucksvolle Waldbilder.

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An vielen Stellen sind Bildschirme und Monitore platziert, die weitere Informationen liefern. Mitarbeiter helfen, diese zu bedienen. Wer wissen will, wie der Ruf des Auerhahns klingt, kann die Vogelstimmenorgel anstimmen. Und zur Erinnerung gibt es ein Foto, auf dem sich das eigene Gesicht in das eines Tieres verwandelt hat. Aber auch zum Nationalpark selbst – über dessen Entwicklung innerhalb der vergangenen 10.000 Jahre, seinem Ist-Zustand und einem visionären Blick in die Zukunft – gibt es in der Dauerausstellung zum Thema "Die Natur Natur sein lassen" reichlich Informationen.

Lob für die Ausstellung

Dann heißt es hinuntersteigen und ins Erdreich abtauchen. Dieser Bereich ist, wie alle anderen auch, über einen Aufzug barrierefrei erreichbar. Alle Ansagen und Informationen sind dreisprachig. Als wäre man geschrumpft, ist plötzlich alles um einen herum riesengroß: der Salamander, dessen Kopf aus der Erde schaut, und die Wurzeln, durch deren Netzwerk man hindurchgeht.

Zurück im Tageslicht bietet sich noch die Möglichkeit, über die "Brücke der Wildnis" zu gehen und von oben einen Blick auf den Wald zu werfen. Den Turm am Ende dürften die Besucher derzeit nicht besteigen und auch das Kino müsse noch geschlossen bleiben, erklärt die Leiterin des Nationalparkzentrums, Ursula Pütz. Mit der Zahl der Besucher am ersten Tag war sie sichtlich zufrieden. "Wir versuchen, die Besucher zu begeistern für unsere wilde, schöne Natur", beschreibt sie im Gespräch mit unserer Zeitung die Zielsetzung. Dass dies schon jetzt gelungen ist, zeigen Kommentare im Besucherbuch wie "das war die beste Ausstellung, die ich je gesehen habe", "wunderschön und faszinierend" oder "Wir kommen gerne wieder". Begeistert waren auch Sofie und Werner Wiese aus Konstanz, die gerade ihren Kurzurlaub in Baiersbronn im Kreis Freudenstadt verbringen. Alles sei sehr eindrucksvoll dargestellt, loben sie die Ausstellung. Und die Tiere so nah zu sehen und gleichzeitig auch deren Stimmen zu hören, sei etwas ganz anderes, als in einem Buch über sie zu lesen.

Wir waren während der Bauphase exklusiv vor Ort am Ruhestein:

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