Christina Coskun protestierte in 2019 vor dem türkischen Konsulat in Stuttgart. Foto: Lück

Die Mutter: " Entscheidung wird hin- und hergeschoben". Niemand fühle sich verantwortlich.

Horben/Horb-Nordstetten - Wie schwer muss das Christina Coskun gefallen sein...

In den letzten sieben Tagen waren zwei wichtige Gerichtstermine in der Türkei. Die Entscheidung, ob und wann sie ihren Sohn Sami endlich wieder in die Arme schließen kann?

Die Mutter, die jetzt in Horben bei Freiburg lebt, sagt bitter: "Gut, dass ich nicht in die Türkei geflogen bin!"

Der erste Gerichtstermin: Ein Berufungstermin in Izmir. Das hatte entschieden, dass Christinas Ex-Mann Yusuf den kleinen Sami an die Mutter herausgibt, damit das Kind endlich wieder nach Deutschland zu seiner Mutter darf.

Niemand fühle sich dafür verantwortlich

Allerdings: Vater Yusuf hat gleich wieder Berufung eingelegt.

Mutter Christina Coskun sagt gestern zum Schwarzwälder Boten: "Heute war der nächste Gerichtstermin angesagt, bei dem es um das Umgangsrecht vom Vater und von mir ging. Dieser Termin wurde allerdings vertagt auf den 13. April!"

Christina ist nicht in die Türkei geflogen - auch wegen Corona. Jetzt sagt sie: "Es war wohl richtig so. Leider hat sich mein Gefühl bestätigt, dass sich offenbar niemand dafür verantwortlich fühlt – egal ob auf deutscher oder türkischer Seite -, dass Sami wieder seine Mutter in die Arme schließen kann. Man hat das Gefühl, die Entscheidung wird von Gericht zu Gericht immer hin- und hergeschoben!"

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Und auch die zuletzt vom türkischen Gericht verhänge Ordnungshaft von sechs Monaten gegen Vater Yusuf ist kein scharfes Schwert, so Mutter Christina: "Das bedeutet konkret, so erläutert meine Anwältin in der Türkei, das nicht aktiv nach Yusuf gefahndet wird. Nur, wenn er zufällig auffällt - wie beispielsweise in einer Verkehrskontrolle - dann wird er festgesetzt. Aber nur so lange, bis ich einmal Umgang mit dem Kind hatte."

Diese Ordnungshaft wurde verhängt, so Christinas Schwester Alexander Gunne aus Horb-Nordstetten, weil der Ex-Mann mit dem kleinen Sami untergetaucht ist.

Yusuf hatte den kleinen Sami, der bis zum Sommer 2019 mit Christina in Nordstetten gewohnt hatte, nach einem Urteil des Familiengerichts auf eine Urlaubsreise in die Türkei mitnehmen dürfen. Behielt den damals dreijährigen Sami einfach in der Türkei. Mutter Christina und ihre Schwester Alexander Gunne hatten unter anderem vor dem türkischen Generalkonsulat in Stuttgart für eine schnelle Rückführung demonstriert.

Mutter Christina war letztes Jahr monatelang in der Türkei. In der Hoffnung, dass die Gerichte ihr endlich ihren Sami zurückgeben würden. Kam dann – kurz vor dem Lockdown – wieder zurück nach Deutschland. Weil ihr Kampf bis dahin vergeblich war. Jetzt sagt sie: "Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Gerichte endlich abschließend entschieden haben und ich meinen Sami wieder habe!"

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