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Horb a. N. Dramatische Wende im Fall Riecher?

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Am 8. Januar wurde am Landgericht Rottweil das Urteil im Riecher-Prozess verkündet. Foto: Archiv

Horb-Nordstetten/Rottweil - Neuer Paukenschlag im Fall um den getöteten Nordstetter-Immobilienunternehmer Michael Riecher (57): Jetzt soll sich nach Informationen des Schwarzwälder Bote ein neuer Zeuge beim Gericht gemeldet haben. Er soll behaupten: "Ich weiß, wer das Opfer umgebracht hat und was aus der Beute geworden ist."

Das Urteil im Prozess um den getöteten Michael Riecher wurde am 8. Januar um 16 Uhr vom Vorsitzenden Richter Karlheinz Münzer verkündet. Dieses Urteil löste Unverständnis aus.

Denn Münzer argumentierte, dass die Schwurgerichtskammer keine klaren Beweise dafür hat, ob Mohammed O. oder Iyad B. Michael Riecher getötet hat. Deshalb wurden beide Angeklagten lediglich wegen "räuberischer Erpressung" verurteilt.

Anonymes Schreiben: "Ich weiß, wer Michael Riecher getötet hat"

Der gebürtige Syrer Mohammed O. bekam sechs Jahre, Iyad B. vier Jahre sechs Monate.

Nach Informationen des Schwarzwälder Boten aus gewöhnlich zuverlässiger Quelle kam kurz nach dieser Urteilsverkündung ein Schreiben im Gericht an. Von einem neuen Zeugen. Der Inhalt dieses Schreibens ist hochbrisant. Er soll zusammgengefasst wie folgt lauten: "Ich weiß, wer Michael Riecher getötet hat und was aus der Beute geworden ist." Der Zeuge wolle aussagen, wenn ihm die Justiz in anderen Verfahren entgegenkommt.

Ein Hammer - denn nicht nur die Frage, wer Michael Riecher beim Überfall am 2. November 2018 erwürgt hat, blieb für das Gericht ungeklärt.

Auch die Frage, ob der Syrer und der Palästinenser bei diesem Überfall wirklich nur knapp 3000 Euro erbeutet haben oder ob noch viel mehr Geld und Gold verschwunden sind, konnte nicht geklärt werden.

Fakt ist: Am 4. Januar 2019 beobachtete eine Zeugin fünf verdächtige Männer in Nordstetten. Sie schlichen in der Nähe von O.s Wohnung herum, malten Pläne in den Schnee. Als die Polizei endlich gegen 17 Uhr kommt, nimmt sie nur die Personalien von vier Personen auf. Dann entdeckt ein Polizist: Der Komposthaufen neben dem Haus von O. ist ausgegraben.

Kripo ermittelt erst nach fünf Tagen

Die Kripo fängt erst am Mittwoch - fünf Tage danach -­ an zu ermitteln. Eine Beute konnte nicht ermittelt werden.

Dabei hatte Riecher in seinem Notizbuch am Tag seines gewaltsamen Todes in seinem Notizbuch ein gelbes Post-It: "O. Gold".

In der Wohnung von O. wurde eine Kaufquittung für Krügerrand in Höhe von knapp 10.000 Euro gefunden. O. sollte die Münzen kaufen, wirtschaftlich Begünstigster sei Michael Riecher gewesen.

Beweisaufnahme geschlossen

Der neue Zeuge. Die spannendste Frage ist jetzt natürlich: Kann seine Aussage dazu führen, dass doch noch einer der beiden Täter wegen Mordes veruteilt wird?

Ein Jurist: "Leider nein. In der ersten Sekunde, in wellcher der Vorsitzende Richter das Urteil verkündet, ist die Beweisaufnahme endgültig abgeschlossen. Alle neuen möglichen Fakten, die dann zur Sprache kommen könnten, spielen dann keine Rolle mehr. Wenn das Schreiben nach der Urteilsverkündung gekommen ist, gilt das auch für diesen Zeugen! Dem Gericht ist in diesem Falle nichts vorzuwerfen."

Kann dieser Brief, der neue Zeuge - ein Grund sein, das Verfahren wiederaufzunehmen?

Ein Jurist: "Solch ein neuer Zeuge könnte der Grund für eine Wiederaufnahme des Prozesses sein. Allerdings wurden die Bedingungen für die Wiederaufnahme des Prozesses so verschärft, dass solch ein Schreiben meines Wissens nach in diesem Fall wohl wenig Chancen hat. Da müsste nach meiner Meinung nach etwas gravierendes kommen wie das Geständnis eines der Angeklagten."

Könnte dieser Zeuge bei einer möglichen Revision gehört werden?

Laut Informationen des Schwarzwälder Boten soll es mindestens zwei Einsprüche gegen das Urteil geben.

Ein Jurist: "Im Revisionsverfahren geht es nicht um die Beweisaufnahme. Dort geht es darum, ob die juristische Würdigung in der schriftlichen Urteilsbegründung nach Meinung der Revisionskammer zu recht getroffen wurde oder nicht. Zeugen zur Beweisaufnahme sind hier nicht vorgesehen."

Und jetzt der neue Zeuge. Warum meldet er sich erst so spät?

Darüber kann man nur spekulieren. Fakt ist: Der Schwarzwälder Bote berichtete am 21. Dezember 2019 über den rechtlichen Hinweis der Schwurgerichtskammer - dass eine Verurteilung aufgrund "alternativer Tatsachengrundlagen" in Frage kommt. Alle rätselten, was das bedeuten könnte. Klar war: Wenn keinem der Mord eindeutig zuzuordnen ist, werden zwei mögliche Abläufe zugrundegelegt. Weil in "Dubio Pro Reo" (im Zweifel für den Angeklagten) gilt, werden beide wegen des strafrechtlichen milderen Delikts verurteilt.

Nach diesem rechtlichen Hinweis konnten kundige Leser vermuten, dass wohl beide Angeklagte mit einer relativ milden Strafe davonkommen könnten.

Möglicherweise ist diese Nachricht beim neuen Zeugen über die Weihnachtstage oder danach angekommen.

Damit das Schreiben vor der Urteilsverkündung beim Gericht eingeht, hätte es spätestens an jenem Mittwoch, 8. Januar, eingehen müssen. Am Wochenbeginn am Montag war Heilige Drei Könige - ein Feiertag.

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