Grundsätzlich ist es möglich, einen Hund mit zur Arbeit zu nehmen. Es kommt aber auf den jeweiligen Arbeitsplatz an. Vier Hundebesitzer erzählen über ihren Alltag im Büro.
Er bezeichnet sich selbst als „Hundefan“: Bernd Haasis, Geschäftsführer der Gebrüder Haasis GmbH & Co.KG in Albstadt. „Ich brenne für die Sache“, weshalb in seinem Betrieb seit 20 Jahren erlaubt und „sehr, sehr gerne gesehen“ ist, einen Hund mitzubringen. Seine Schwester, er selbst sowie eine Beschäftigte bringen ihre Hunde mit ins Büro.
„Wir haben nur gute Erfahrungen damit gemacht“, sagt Haasis. „Am Anfang gab es große Skepsis, was hat denn ein Hund im Büro verloren, aber nach zwei Tagen hatte jeder Leckerlis in der Schublade.“ Der Geschäftsführer räumt allerdings ein, dass sich nicht jeder Job dafür eignet.
Langsam an die Umgebung gewöhnen
Im Büro sorgen die Hunde für ein gutes Klima. „Die haben schon manche Situation aufgelockert, einfach durch das Auflegen der Pfote.“ Sogar Menschen, die Angst vor Hunden hatten, überwanden diese, und einige haben sich mittlerweile selbst einen Hund zugelegt.
Wichtig sei, den Hund langsam an die Umgebung zu gewöhnen. Dann stellt auch der Publikumsverkehr kein Problem dar. „ Ich kann das nur befürworten. Das ist auch ein Anreiz für die Mitarbeitenden.“
Ein Hund als Bedingung für den Job
Nathaly Mattmann von der Solarics GmbH in Hechingen hat sich bei ihrer Firma beworben mit der Bedingung, dass ihr Hund, ein Appenzeller, mit darf ins Büro. Sie hatte ihren Vierbeiner auch beim Vorstellungsgespräch mit der Firmenleitung mit dabei. Ihr Hund darf im Büro frei herumlaufen. Ihr achtjähriger Hund breche das Eis und baue Stress ab.
Mattmann hatte bisher keine Probleme bei Bewerbungen: „Sie waren immer aufgeschlossen.“ Ihr Appenzeller hat sein Hundebett unter dem Schreibtisch und bleibt auch bei Publikumsverkehr liegen. Wenn er seine Runde im Büro macht bei jedem und sich streicheln lässt, „dann sind alle wieder entspannter“.
Entscheidend sei, so Nathaly Mattmann, die auch als Hundetrainerin tätig ist, dass der Hund ausgelastet sei, damit er ruhig bleibe. Es müsse also gewährleistet sein, dass tagsüber ausreichend mit ihm spazieren gegangen werde. Eine weitere Voraussetzung sei, dass die Firmenleitung mitspiele: „Ich habe da eine megatolle Chefin, wenn der Hund etwas hat, darf ich zum Tierarzt, wenn er rausmuss, darf ich jederzeit mit dem Hund rausgehen.“
Ein Tier als fester Bestandteil der Firma
Auch die viereinhalbjährige Sally, eine Golden Retriever-Hündin, „ist fester Bestandteil der Firma“, wie Franziska Dobner von Fiedler Gewerbeimmobilien in Reutlingen sagt. „Das funktioniert, weil Sally gut erzogen und brav ist und sich ruhig auf ihren Platz legt.“ Alle fragten nach Sally, erzählt Hundebesitzerin Simone Walz, „und wenn sie nicht dabei ist, wird sie vermisst“.
Die Hündin hat ihren festen Platz mit Decke und Wassernapf im Büro, wo sie schläft. Zwischendurch geht sie die Beschäftigten besuchen, heimst Leckerlis ein und legt sich wieder hin. Die Mitarbeitenden streicheln sie und holen sich gute Laune ab. „Sally ist ein Hund für die Seele“, ein „Eisbecher“, für den Publikumsverkehr kein Problem ist.
Und selbst, wenn ihre Besitzerin unterwegs ist auf Außendienst, bleibt sie brav im Büro liegen und stromert nicht herum, auch wenn die Bürotür offen ist. „Sie ist noch nie aufgefallen mit Bellen und belästigt niemanden“, bestätigt Franziska Dobner. In der Firma hatte man zuvor herumgefragt, ob jemand mit einem Bürohund Probleme habe: Alle waren einverstanden.
Die Kollegen sollten einbezogen werden
Dass sie ihren Hund Sofia, einen rund sieben Jahre alten Schnauzer-Mischling, mitnehmen darf zur Arbeit, war auch bei Johanna Klug Voraussetzung, die Stelle als City-Managerin in Calw anzutreten. „Uns gibt es nur im Doppelpack“, hatte sie bei ihrer Bewerbung deutlich gemacht. Und so ist Sofia, die aus einem Tierheim in Ungarn stammt, Begleiterin von Johanna Klug – unter klaren Regeln: „Der Hund muss ruhig sein, seinen Platz kennen und sich mit anderen Hunden vertragen. Außerdem darf niemand im Büro allergisch in Sachen Hundehaare sein und keiner darf Angst vor Hunden haben.“
Sollten Mitarbeiter Einwände haben, dann geht es nicht, eventuell sei dann ein Einzelbüro die Lösung. „Der Hund ist auf den Arbeitsplatz vorzubereiten“, betont Klug. Über den Zeitraum von zwei Wochen hat sie Sofia eingewöhnt, ist immer mal wieder mit dem Hund ins leere Büro gegangen, hat die Autobox unter den Tisch gestellt und gezeigt, dass dort ihr Platz ist und hat die Hündin an einem Nachmittag mal den Kollegen vorgestellt. „Die müssen schon alle dafür sein.“
Klug hat gute Erfahrungen gemacht und verweist auf eine Studie, nach der Bürohunde „sehr positiv zum Betriebsklima beitragen, was zu weniger Burn-outs führt“. Das habe einen Mehrwert für die Firma.