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Horb a. N. Ruhewald-Streit: Stadt greift zu drastischen Mitteln

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Vorne ein vermooster Baumstumpf, dahinter der letzte Moos-Grabschmuck der Familie von Hacht, den der Bauhof am Montag entfernt hat. Foto: Lück

Horb - Nächste Eskalationsstufe im Ruhewald: Die Horber Stadtverwaltung erteilt Sven Markus von Hacht Hausverbot. Doch der sagt: "Die können mich nicht mundtot machen."

Es ist Montagnachmittag. Sven Markus von Hacht ruft in unserer Redaktion an: "Jetzt eskaliert es. Ich rufe die Polizei." Wenige Minuten später im Ruhewald. Aufgeregt redet er auf zwei Polizisten ein. "Ich zeige die Stadtverwaltung an. Nehmen sie bitte meine Anzeige auf." Die Polizei lehnt das ab, verweist auf ein laufendes Verfahren der Staatsanwaltschaft. Der Bericht werde den Akten hinzugefügt.

Die Polizisten versuchen von Hacht zu beruhigen, bitten ihn, mit vor den Ruhewald zu kommen und mit ihnen dort zu sprechen. "Andere Menschen wollen hier in Ruhe trauern", sagt der eine Polizist zu ihm.

Mit Entwicklungen nicht einverstanden

Von Hacht ist der lauteste, aber nicht der einzige Angehörige, der mit den Entwicklungen im Ruhewald nicht einverstanden ist. An diesem Montag ist ein Bauhof-Trupp wieder einmal im Einsatz, um die Blumen, aus Tannenzapfen oder Ästen geformten Herzen und andere Gestaltungen zu entfernen. Deshalb alarmierte von Hacht die Polizei. Doch die verweisen auf die Regelungen der Stadtverwaltung.

Nur noch in den ersten zehn Tagen nach der Beerdigung ist Grabschmuck erlaubt. Das war einmal anders: In einem Flyer und einer Werbebroschüre wurde den Trauernden gestattet, die Stellen, an denen ihre Angehörigen bestattet wurden, mit Waldmaterialien dezent zu schmücken. Doch nach Meinung der Stadt uferte das Ganze aus. Klare Grenzen fehlten, Sätze in dem Info-Blatt wie "einzelne Blumen" wurden unterschiedlich ausgelegt. Handelt es sich um eine oder mehrere Blumen? Niemand wusste das mehr so richtig. Nicht nur von Hacht beklagte, dass die Stadt keine klare Linie hatte. "Das Vorgehen der Stadt ist so willkürlich. Bei den einen wird etwas entfernt, was bei den anderen liegen bleibt", erklärte im Juni eine betroffene Frau im Gespräch mit unserer Zeitung.

Grabstellen werden der Natur überlassen

"Wir haben einen Fehler gemacht. Wir wollten den Menschen mehr Raum für die Trauerarbeit einräumen. Doch das ging leider schief", erklärte Stadtsprecher Christian Volk. Kleiner Finger, ganze Hand. So sieht es die Stadt. Und deshalb entfernte sie alle Flyer und Infoblätter, in denen die Grabschmuck-Details standen. Seitdem gilt nur noch die Satzung. In dieser Friedhofsordnung steht das, was in der Regel für alle Friedwälder in Deutschland gilt: Die Grabstellen werden ganz der Natur überlassen. Nur Schilder an den Bäumen weisen noch auf den Bestattungsort hin.

Doch von Hacht lässt keine Ruhe. Fast täglich ist er zusammen mit seiner Mutter im Ruhewald. "Ich begleite die Mama mittags auf dem Spaziergang. Ihr geht es sehr schlecht mit der Situation. Sie macht das richtig fertig." Auch am Montag ist das zu sehen. Weinend hält sich die Witwe am Baum fest. Sie sagt: "Ich kann nicht mehr." Beide schmücken die Grabstelle seines Stiefvaters und ihres Mannes weiterhin. Zuletzt mit einer rechteckigen Moosfläche, in der einige kleine Blümchen steckten. Deutlich dezenter als früher.

Betroffene nennen Verwaltung "herzlos"

Doch auch diesmal wurde dieser Grabschmuck vom Bauhof entfernt. Das sei illegal, findet von Hacht. "Die Werbung in den Flyern ist rechtsbindend. Das sagt meine Anwältin auch", argumentiert er. Die Stadt sieht das aber anders.

Von Hacht zeigt auch auf weitere, mittlerweile kahle Stellen im Ruhewald. "Auch andere sind ganz betroffen, wie herzlos die Stadtverwaltung ist." Dann läuft er zu einer anderen Ecke des Waldes. Dort sieht man ein aus Ästen geformtes Herz. "Das hat der Bauhof einfach von einem anderen Grab weggenommen und in die Ecke geschmissen. Da darf es dann plötzlich liegen bleiben." Er redet sich in Rage, ist kaum zu beruhigen. Dann zeigt er Knochen, die er entdeckt habe. "Das sind menschliche Knochen. Doch niemand interessiert sich dafür. Im Gegenteil: Man wirft mir noch vor, dass ich die hier selbst hingebracht habe."

Städtische Mitarbeiter beschimpft und bedroht?

Für die Stadtverwaltung geht sein Verhalten zu weit. Nicht nur, dass er ständig neuen Grabschmuck hinlege. "Hinzu kommt, dass Herr von Hacht immer wieder andere Besucher des Ruhewaldes und Trauende stört und belästigt", erklärt der Stadtsprecher. Allein am Montag hätten sich mehrere Personen bei der Stadtverwaltung gemeldet und sich über die Aktionen und Äußerungen von ihm auf dem Ruhewaldgelände und dem Parkplatz "massiv beschwert und von der Stadt Abhilfe verlangt". Der Stadtsprecher erklärt: "Diese Menschen fühlen sich durch sein Verhalten gestört – und was noch schwerer wiegt – auch geängstigt. Des Weiteren werden von ihm städtische Mitarbeiter bei ihrer Arbeit gestört, beschimpft, beleidigt, diffamiert und teilweise sogar bedroht." Auf das Angebot der Stadt, das Grab umzubetten ("da ganz offensichtlich die falsche Bestattungsform gewählt wurde") sei die Familie nicht eingegangen.

Man habe sich bisher sehr geduldig verhalten. Doch damit soll es nun ein Ende haben: "Allein aus Gründen der Gleichbehandlung aller und dem Umstand, die Pietät anderer zu achten, kann das Verhalten von Herrn von Hacht nicht länger hingenommen werden. Daher sehen wir uns nunmehr gezwungen, Herrn von Hacht ein Hausverbot für den Ruhewald und den vorgelagerten Parkplatz zu erteilen, da die ständige weitere Entwicklung zeigt, das sich nichts an seinem Verhalten ändert." Die Stadt droht mit einem Zwangsgeld und einer Strafanzeige, falls sich von Hacht nicht daran hält.

Kehrt damit Ruhe im (Un-)Ruhewald ein? Wohl nicht. Denn von Hacht, dem das Hausverbot per städtischem Boten übergeben wurde,­ kündigt in einem Telefonat an: "Ich werde weiterhin den Ruhewald betreten. Dann muss mich die Polizei halt abführen. Einen von Hacht kann man nicht mundtot machen."

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