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Horb a. N. So beurteilt die Schwurgerichtskammer das Geschehen

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Horb/Rottweil - Das Opfer war kein Engel. Mohammed O. war finanziell ausgebrannt, weil er auch noch seine neue Wohnung renovieren musste. Iyad ging es vor allem ums Geld, weil er in der Obdachlosenunterkunft gelebt hatte und sich wieder mit seiner Ehefrau versöhnen wollte. In der Urteilsbegründung sagt die Schwurgerichtskammer, wie sie die vielen Zeugen und Beweise rund um den Mord an Michael Riecher wertet.

Die Vorgeschichte. Richter Münzer: "Irgendwann im September oder Oktober fasste Mohammed O. den Beschluss, Riecher Bargeld und Wertgegenstände wegzunehmen, um seine finanziellen Probleme zu lösen."

Die seien dadurch entstanden, dass O. zwar mietfrei oder für maximal 300 Euro Miete im Elternhaus von Michael Riecher wohnen konnte. Dazu noch die Hochzeit. Münzer: "Er machte das Haus in Eigenarbeit wieder bewohnbar. Die Eltern seiner Frau wollten einen Brautpreis in Höhe von 3000 Euro. Das belastet eine junge Familie. O. war nicht in der Lage, die Kosten zu decken. Auch die Hochzeit kostete mehr, als er verdiente. Im Spätsommer spitzte sich die finanzielle Situation zu: Der Dispo war ausgereizt, selbst Kleinstbeträge konnte O. nicht mehr zahlen. Dazu noch die enormen Inkassogebühren. Im Oktober versuchte er verzweifelt, an Bargeld zu bekommen. Wollte sogar sein Auto verkaufen, an dem er sehr hing."

O. rechnete mit 10.000 Euro Beute

Beim Überfall auf Michael Riecher rechnete Mohammed O. mit 10.000 Euro Beute. Richter Münzer: "Er hoffte auf 10.000 Euro Bargeld oder Gold. Er sollte als Strohmann dienen, um Krügerrandmünzen im Wert von knapp 10.000 Euro bei der Kreissparkasse zu kaufen. Im Laufe des 2. Novembers –­ an dem in Riechers Kalender die Notiz ›O. Gold‹ stand, muss Riecher dem O. mitgeteilt haben, dass er das Gold nicht abholen soll. Der Goldkurs habe sich so entwickelt, dass sich der Kauf für ihn nicht mehr lohnte. In sofern vermutete O., dass das Geld noch in der Wohnung ist."Beim Überfall, davon geht das Gericht aus, haben B. und O. gut 3000 Euro Bargeld aus der Geldkassette von Riecher bekommen.

Und was sagt die Schwurgerichtskammer über die Beziehung zwischen Michael Riecher und dem syrischen Flüchtling? O. galt als "Vorzeigeflüchtling", Riecher hatte sich vor seinem Tod für die Integration eingesetzt.

Richter: "Opfer forderte stets Gegenleistung"

Richter Münzer: "Riecher war nicht nur der väterliche Freund, er forderte stets eine Gegenleistung. Dabei überschritt er – so haben Zeugen bestätigt –­ auch durchaus persönliche Grenzen. Er war ein einsamer Mensch, niemand hat ihn vermisst. Das Verhältnis zu O. hatte eher den Charakter einer Abhängigkeit denn einer Freundschaft. Wir haben von vielen Zeugen gehört, dass das Opfer für ein Handgeld oder Essen einen Freundschaftsdienst von seinen Freunden verlangte. Freundschaften waren von zunehmender Abhängigkeit geprägt –­ das zieht sich wie ein roter Faden durch die Aussagen. Schnell eingegangene Beziehungen gingen schnell auseinander, als sich die Personen ausgenutzt fühlten. O. erkannte, dass Riecher sehr vermögend, aber nicht bereit war, ihm das Geld, welches er dringend brauchte, zu geben!"

Zum Motiv des Komplizen Iyad B. sagt das Schwurgericht: Er brauchte einfach das Geld. Richter Münzer: "Der Asylantrag von B. wurde im Mai 2017 abgelehnt, er erhielt eine Ausreiseaufforderung. Dagegen reichte er Klage ein, bekam eine Aufenthaltsgestattung der Stadt Ludwigsburg. Iyad bekam keine Leistungen mehr, begann in der Asylunterkunft mit Cannabis. Das band finanzielle Mittel, es gab Konflikte mit der Ehefrau, die sich steigerten. Im August 2018 kam die Trennung. Auch der Bund der Muslime bestätigt die Scheidung. Im Sommer zog er in ein Obdachlosenheim, bekam 320 Euro im Monat. Er steigerte seinen Drogenkonsum und schnupfte am Wochenende Kokain. Im Herbst hatte er wieder Kontakt zur Ehefrau, weil er Geld brauchte."

Nach der Tat kaufte er ihr ein teures Samsung Galaxy S9 für über 600 Euro. Und buchte eine Bahnreise nach Berlin. Der staatenlose Palästinenser wurde im Zug in Darmstadt verhaftet.

Ihre Redaktion vor Ort Horb

Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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