Quartier am Nordbahnhof Frühling für Stuttgarts Stadtentwicklung
Johannes Koch, 11.04.2012 10:40 UhrStuttgart - Aus einem Labor-Raum im achten Stock eines Hochhauses auf dem Innenstadt-Campus dringt Stimmengewirr. Ob auf Deutsch, Englisch oder Arabisch: Die 22 Studenten des 2010 ins Leben gerufenen gemeinsamen Masterstudiengangs „Nachhaltigkeit in Architektur und Städtebau“ der Universitäten Stuttgart und Kairo suchen und finden auch an diesem Tag viele Wege, um sich über ihre Gedanken auszutauschen.
Der einwöchige Workshop soll zusammenführen, was die Studenten aus Tunesien, Syrien, Ägypten, Jordanien und Deutschland seit letztem Herbst erarbeitet haben. Bis zum Sommer bleiben sie noch in Stuttgart, danach zieht die Karawane für ein Jahr weiter in die ägyptische Partnerstadt Kairo.
Während der zwei Semester in der Landeshauptstadt steht die Stadtplanung für das Gebiet rund um die Wagenhallen und den Nordbahnhof im Mittelpunkt. Die Fragestellung, die die Studenten beschäftigt: Wie lässt sich unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Gesichtspunkte ein Wohnquartier mit hoher Lebensqualität schaffen, das zugleich das vorhandene künstlerische Potenzial zu nutzen weiß?
Vorschläge werden im Sommer präsentiert
Ob „Unique Neighbourhood“ oder „Vision for 2025“: An den Wänden des Labors hängen zahlreiche handgeschriebene Plakate mit schmissigen Slogans. Auch wenn das bisher Erarbeitete noch eher theoretischer Natur ist und seitens der Stadt kein offizieller Auftrag besteht: Die Verantwortlichen stehen in engem Kontakt mit den Stadtplanern und der Rosensteinstiftung. Die konkreten Vorschläge für Gebäude und Grünflächen, die im Sommer präsentiert werden, sollen vor allem ein Angebot sein.
Gerade die Unvoreingenommenheit der ausländischen Studenten sei eine Chance, erklärt Kurskoordinator Bernd Eisenberg. „Die haben natürlich einen ganz anderen Zugang zu dem Thema.“ Gleichzeitig müssten sie sich durch die vielen typisch deutschen Angelegenheiten kämpfen, die gerade rund um das Bahnhofsprojekt Hochkonjunktur haben. Der Juchtenkäfer sei ja schließlich auch bei den Wagenhallen zu finden, sagt Eisenberg und lacht. „Für uns ist es eine Experimentierfläche. Wir wollen Bestehendes weiter nutzen, aber auch vieles verändern“, erklärt er und betont, wie wichtig für eine erfolgreiche Stadtentwicklung die Akzeptanz bei den Bürgern vor Ort sei.





