Horb - Wie schlecht die Gesundheitsversorgung durch die vorläufige Schließung der Akut-Klinik ist, hat sich diese Woche gezeigt. Peter Olinczuk, Unfallchirurg und Durchgangsarzt (D-Arzt), war auf Fortbildung.

Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger: »Das hat für die vielen Beschäftigten in Horb große Nachteile. Bei jedem Arbeitsunfall müssen sie jetzt lange Wege zum nächsten D-Arzt auf sich nehmen. Entweder mit dem Taxi oder einem Krankenwagen. Das ist ein klarer Standortnachteil für unsere Raumschaft.«

Laut der Suche der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist der nächste D-Arzt in Sulz. Dann folgt Nagold mit zwei D-Ärzten. Doch warum ist der D-Arzt so wichtig?

Stefan Finkbeiner, stellvertretender Leiter des DRK-Rettungsdienstes Freudenstadt, der auch für Horb zuständig ist: »Bei jedem Arbeitsunfall, der eine längere Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen kann, muss laut der Berufsgenossenschaft zunächst ein D-Arzt konsultiert werden. Wenn der jetzt, wie in Horb, zeitweise nicht da ist, hat das Konsequenzen. Wenn man auf dem Land die ärztlichen Strukturen nicht hat, bedeutet das lange Wege.« Der D-Arzt ist auch für die Nach-Therapie zuständig und ist dabei nicht an die normalen Budgetvorgaben der Krankenkassen gebunden, weil seine Aufgabe hauptsächlich darin besteht, die Arbeitsfähigkeit so schnell wie möglich wieder herzustellen.

In Fachkreisen schätzt man die Zahl der D-Arzt-Fälle, die in Horb anfallen, auf 20 bis 30 pro Tag. Finkbeiner stellt allerdings klar, dass bei schweren Arbeitsunfällen, bei denen der Rettungsdienst und Notarzt gerufen wird, der D-Arzt kaum von den DRK-Rettern in Anspruch genommen wird. Der Rettungsdienst-Verantwortliche: »Bei uns in Freudenstadt ist das nur in ganz seltenen Fällen so.« Das liege daran, dass bei lebensbedrohlichen Verletzungen natürlich ein Krankenhaus die beste Option ist. In speziellen Fällen auch die BG-Klinik.

Für Reiner Klinger, Vorsitzenden der Bürgerinitiative für das Krankenhaus Horb, ist dieser Zustand mit nur einem D-Arzt eine »Katastrophe«. Es kann nicht sein, dass sich durch die Schließung der Akut-Klinik die Zeiten für die Patienten dramatisch verlängern. Ich hoffe, dass der Gemeinderat am Dienstag die richtigen Schlüsse daraus zieht.« Dann soll das Gremium entscheiden, ob es gegen den Landkreis wegen der Schließung klagt.

Doppelt fatal für Horb: Jährlich gibt es hier zwischen 700 und 800 Arbeitsunfälle, so zitiert OB Rosenberger Zahlen der KLF.

Immerhin: KLF-Geschäftsführer Peter Mast hatte in der Gemeinderatssitzung angedeutet, dass er sich über die zukünftige Arztversorgung auf Facharztniveau »Gedanken« machen wolle. Und auch das D-Arzt Thema sollte ihm vertraut sein. War er doch jahrelang Geschäftsführer der Berufsgenossenschaftlichen Klinik in Tübingen...