Feuersalamander sind passiv giftig und warnen davor mit ihrer Farbe. Foto: Boris Roessler/dpa

Auf Bäumen, im Unterholz und im hohen Gras verstecken sie sich: die gefährlichen Tiere im Südwesten. Auch wenn die wenigsten von ihnen bedrohlich erscheinen, geht von so manchen doch eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. Wir geben einen Überblick.

Der Wolf gilt bis heute als eine grausame und kaltblütige Bestie. In der Realität ist der Rückkehrer ein intelligentes, wenn auch scheues Tier, das den Menschen eher meidet und grundsätzlich keine Gefahr für uns darstellt. Von anderen Tieren geht da eine deutlich größere Bedrohung aus.

 

Was ein gefährliches Tier ausmacht, so eine Sprecherin vom Naturschutzbund (Nabu) Baden Württemberg, ist weniger die tatsächliche Gefahr, die von ihm ausgeht. Stattdessen "geht es oftmals um unseren Umgang mit den Tieren oder um fehlende Kenntnisse über Gefahren und wie man sich bei Kontakt verhält." 

Um einen kleinen Überblick zu schaffen, hat unsere Redaktion eine kleine Auswahl gefährlicher Tiere zusammengestellt, die sich in Baden-Württemberg tummeln. Gefährlich sind diese für uns oft als Krankheitsüberträger, weil sie Allergien auslösen können oder für Haustire oder Kleinkinder. Letztlich ist jedoch das gefährlichste Tier immer noch der Mensch. 

Die Zecke

Die Zecke ist besonders gefährlich, weil sie schwere Krankheiten übertragen kann. Foto:  Erik_Karits/Pixabay

Wer einen Spaziergang im Sommer macht, tut gut daran, sich zu Hause auf Zecken zu untersuchen. Die kleinen Blutsauger leben überall, in Wäldern, Wiesen und mittlerweile auch in Gärten und Parks. Anders als oft vermutet, lassen sich Zecken nicht auf ihr Opfer fallen und bespringen dieses auch nicht. Stattdessen lassen sie sich von vorbeigehenden Säugetieren, auch von uns Menschen mithilfe ihrer Klauen mitnehmen.

Der Biss einer Zecke ist zunächst nicht schmerzhaft und wird oft erst bemerkt, wenn es bereits zu spät ist. Gefährlich wird die Zecke vor allem durch die Krankheiten, die sie übertragen. Zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten gehören die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Beide können beim Menschen zu schweren Krankheitsverläufen führen. Gegen FSME kann man sich impfen lassen.

Die Kreuzotter

Die Kreuzotter ist eine von nur zwei Giftschlangen in Deutschland - und auch in den höheren Lagen des Schwarzwalds zu Hause. Foto:  Matteo photos /Shutterstock

In den höher gelegenen, kühleren Lagen des Schwarzwaldes und in der Schwäbischen Alb kann man schon mal auf eine Kreuzotter treffen. Die bis zu 75 Zentimeter lange Giftschlange, neben der Aspisviper die einzige in Deutschland, ernährt sich hauptsächlich von Mäusen, Fröschen und Eidechse. Erkennen kann man sie an der winkelförmigen Kopfzeichnung und dem Zickzackband, das ihren grauen oder braunen Körper verziert.

Lebensgefährlich ist der Biss der Kreuzotter bei gesunden Menschen gewöhnlich nicht, da ihre Giftvorräte sehr klein sind und erst deutlich größere Mengen eine Gefahr darstellen. Für Kinder und ältere Menschen ist besteht allerdings ein geringes Risiko. Ihr Gift kann zu Atemnoten, Herzbeschwerden und Übelkeit führen und ist in jedem Fall nicht angenehm.

Im Jahr 2021 musste ein dreijähriges Kind in Albstadt-Onstmettingen wegen des Bisses einer Kreuzotter auf der Intensivstation behandelt werden. 

Das Wildschwein

Auch wenn Wildschweine gewöhnlich scheu sind, gefährlich können sie in Ausnahmesituationen doch werden. Foto:  Noah Meinzer/Pixabay

Das zottelige Rüsseltier ist grundsätzlich ein friedfertiger und scheuer Geselle. Vor dem Menschen nehmen Wildschweine eher Reißaus. Lediglich ein verletztes Tier, beispielsweise im Straßenverkehr, ein paarungswilliger Eber oder eine Mutter mit Frischlingen stellen eine erstzunehmende Gefahr dar.

Bei einem Angriff versucht das Wildschwein, den Menschen umzuwerfen und zu beißen. Seine Zähne sind messerscharf, der Biss kräftig und selbst dicke Hosen stellen kein Hindernis dar. So können ernste Verletzungen entstehen. Wenn man mit einem aggressiven Wildschwein konfrontiert ist, sollte man Ruhe bewahren, Lärm verursachen und sich möglichst groß machen. Im Notfall sollte man versuchen, auf einen Baum zu klettern. In ganz Baden-Württemberg ist das Wildschwein weit verbreitet, in Wäldern, auf Wiesen oder sogar in Städten zu finden und in seiner Population weiter steigend.

Die Spitzmaus

Spitzmäuse sind giftig, allerdings können sie zudem noch Krankheiten übertragen die für uns weit gefährlicher sein können. Foto:  dpa

Spitzmäuse sind im Südwesten weit verbreitet und gelten sogar als nützliche Schädlingsbekämpfer, wenngleich viele mittlerweile vom Aussterben bedroht sind. Sie fressen mit Vorliebe Insekten, Larven und Würmer, die sie mit ihrem giftigen Biss zur Strecke bringen. Für Menschen und selbst für Katzen und Hunde ist das Gift selten gefährlich, dennoch können lokale Symptome, etwa Schmerzen und Rötungen, an der Bissstelle auftreten.

Gefährlicher wird die Spitzmaus - wie auch die Zecke - als Krankheitsüberträger. Die kleinen Säugetiere können das Hanta- und das Borna-Virus übertragen. Beide Krankheiten sind auch für Menschen gefährlich und können sogar zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Deswegen sollte man auch eine tote Spitzmaus nie direkt anfassen.

Die Tigermücke

Ursprünglich in Südostasien heimisch hat die Tigermücke sich auch hierzulande angesiedelt. Besonders die wärmeren Regionen in Baden-Württemberg sind aufgrund ihrer klimatischen Verhältnisse bevorzugte Räume der Tigermücke. Die aggressiven und tagaktiven Tiere sind inzwischen nicht nur entlang der Rheinebene zu finden, sondern wurden in den letzten Jahren auch in Stuttgart, in der Stadt Heilbronn, in den Landkreisen Heilbronn, Esslingen, Ludwigsburg sowie im Rems-Murr-Kreis nachgewiesen.

Erneut sind es die Krankheiten, die die Tigermücke übertragen kann, die sie zu einer Gefahr machen. Das kleine, fünf bis maximal zehn Millimeter große Insekt kann tropische Krankheitserreger, wie das Dengue-Virus, übertragen. Tiefschwarz, mit seiner weißen Musterung gut erkennbar, ist die Tigermücke auch sehr anpassungsfähig und verbreitet sich, vor allem in dicht besiedelten Gebieten, sehr schnell.

Der Buchsbaumzünsler

So sieht ein vom Buchsbaumzünsler hinterlassener Buchsbaum aus. Foto:  Fabian Sommer/dpa

Der Buchsbaumzünsler mutet wie ein harmloser Schmetterling an, kann jedoch große Schäden verursachen. Die grün-schwarzen Raupen dieses unscheinbaren weißen Falters fressen den Buxus sempervirens, wie der Buchsbaum im Lateinischen heißt, kahl. Und das in Höchstgeschwindigkeit. Wer seinen Buchs retten will, muss bekämpfen, bekämpfen, bekämpfen – und das von März bis November. Für viele Gartenfreunde ein Grund, keinen Buchs mehr zu pflanzen.

Mit günstigen Buchspflänzchen aus Asien wurde der Buchsbaumzünsler vermutlich in den Nullerjahren bei uns eingeschleppt. Fressfeinde hat er hier kaum und breitet sich deshalb munter aus. Und weil die Winter bei uns immer wärmer werden, ist er auch nicht mehr auszurotten. Der Buchsbaumzünsler an sich ist nicht giftig. Da sich die Raupen allerdings vom giftigen Buchs ernähren, kann es bei Berührung zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Der Ammen-Dornfinger

Laut Claudia Wild vom Nabu gibt es in Deutschland keine Spinnenart, deren Biss für Menschen lebensgefährlich ist. Der Ammen-Dornfinger ist als einzige Spinnenart in der Lage, die menschliche Haut mit ihren Kieferklauen zu durchdringen. Glücklicherweise sei die Spinne sehr scheu und selten anzutreffen, denn der Ammen-Dornfinger lebt im hohen Gras und ist zudem nachtaktiv.

Der Schmerz wird oft mit dem eines Wespenstichs verglichen. An der Bissstelle tritt kurze Zeit später ein stechender Schmerz auf. Da die betroffenen Gliedmaßen anschwellen können, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Nach etwa drei Tagen sind die Symptome meist vollständig verschwunden. Im Fall eines Bisses sollte man die Ruhe bewahren und nicht beginnen, die Wunde zu kühlen oder an der Bissstelle zu kratzen. Wenn möglich, sollte man die Spinne zur genauen Identifikation einfangen und mit zum Arzt nehmen.

Bienen, Wespen und Hornissen

Durch die Stiche von Bienen und Wespen sterben jedes Jahr mehrere Menschen - wegen allergischen Reaktionen. Foto:  ©viperagp-stock.adobe.com

Imker gibt es hierzulande genug und damit auch Honigbienen. Die eifrigen Honigproduzenten, ebenso wie ihre Verwandten - etwa Wespen oder Hornissen - sind auch für den Menschen giftig. Laut Nabu sind etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland allergisch auf Insektenstiche. In dem Fall besteht bei einem Bienen- oder Wespenstich sogar Lebensgefahr. Deutschlandweit sterben pro Jahr etwa 20 Menschen an einem anaphylaktischen Schock aufgrund einer Insektengift-Allergie.

Die Dunkelziffer könnte aber deutlich höher sein. Insbesondere wenn man die Tiere in ihrem Nest stört, besteht extreme Gefahr, gestochen zu werden. Bienenstiche sind dabei deutlich unangenehmer als Hornissen- oder Wespenstiche, da die Bienen nur einmal zustechen, ihr gesamtes Gift verspritzen und dabei verenden.

Die Aspisviper

Eine besondere Selten- und Schönheit ist die Aspisviper, neben der Kreuzotter die einzige Giftschlange in Deutschland. Lediglich in zwei tief eingeschnittenen Tälern mit ausgedehnten Felsgebieten und Geröllhalden im Südschwarzwald ist diese Schlange bislang zu finden.

Mit bis zu 60 Zentimetern Länge ist die Viper etwas kleiner als die Kreuzotter, ihr Körper ist gedrungen und ihr Kopf deutlich vom Hals abgesetzt, breit und kantig. Ihre Rückenzeichnung ähnelt der der Kreuzotter, allerdings ist sie etwas kleiner. Das Gift der Aspisviper ist stärker als das der Kreuzotter und kann, bei mehreren Bissen, im schlimmsten Fall auch tödlich wirken. In jedem Fall ist eine Behandlung im Krankenhaus meistens angebracht. Symptome sind umfassende Schwellungen, Herzbeschwerden und Atemnot und sollten in keinem Fall auf die leichte Schulter genommen werden.

Der Eichenprozessionsspinner

Von den Raupen des Eichenprozessionsspinners sollte man die Finger lassen: ihre Haare enthalten ein brennendes Gift. Foto:  Soeren Stache/dpa

Ein unangenehmer Zeitgenosse lebt bevorzugt in den Eichenwäldern Süd- und Mitteleuropas, aber auch in Gärten oder Parks: der Eichenprozessionsspinner. Gefürchtet wird der unauffällige Nachtfalter wegen seiner Raupen. Deren Haare sind innen hohl und enthalten ein Brenngift.

Beim Kontakt mit der Haut kann es zu einer Immunreaktion kommen, die sich in Juckreiz, Entzündungen und im schlimmsten Fall in Nesselsucht äußern kann. Vor allem, wenn man die Haare in die Augen oder die Nase bekommt, kann es zu stärkeren Reaktionen kommen. Mit einigen Tipps kann man sich aber gut vor den Raupen schützen.

Der Feuersalamander

Der Feuersalamander ist hierzulande vom Aussterben bedroht. Foto:  Boris Roessler

Mit 14 bis 20 Zentimetern ist der Feuersalamander einer der größten heimischen Schwanzlurche. Er lebt bevorzugt in feuchten Mischwäldern in der Nähe sauberer Quellen. Da seine natürlichen Lebensräume immer weiter zurückgehen, sind die Salamander vom Aussterben bedroht. Erkennbar ist das Tier sehr gut an seiner auffälligen Färbung in Schwarz und Gelb. Aber Vorsicht: Die Farbe dient als klare Warnung.

Der Feuersalamander ist passiv giftig. Das Hautsekret führt beim Menschen gewöhnlich nur zu einem unangenehmen Brennen. In Einzelfällen, bei empfindlichen Menschen oder Kindern, können auch Übelkeit oder Atemnot eintreten. In extremen Situationen kann der Feuersalamander sein Gift auch bis zu einem Meter weit spritzen.

Gefahr geht vor allem für Hunde oder Katzen aus. Wenn diese den Lurch fressen, kann dies bis zum Tode führen. Daher sollte man auf seinen Vierbeiner hier besonders achtgeben.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 28. Juni 2022 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.