Rund 60 Meter lang und etwa vier Meter tief ist diese Baustelle am Bahntunnel "Forst" zwischen Ostelsheim und Althengstett. Dort sind inzwischen die Stahlbetonfundamente für das Fledermaus-Ausweichquartier gegossen worden. Foto: Gorath

Rund 60 Meter lang und etwa vier Meter tief – die Baustelle des Ausweichquartiers für Fledermäuse am Bahntunnel "Forst" zwischen Ostelsheim und Althengstett, durch den künftig die Hermann-Hesse-Bahn fährt, ist recht imposant. Die Stahlbetonfundamente sind gegossen, das Projekt liegt im Zeitplan. Derweil erlebte der Bautrupp die ein oder andere böse Überraschung.

Althengstett/Ostelsheim - Im Winter suchen die Tierchen Zuflucht in den Tunneln "Hirsau" zwischen Hirsau und Calw sowie "Forst" zwischen Ostelsheim und Althengstett. Durch diese beiden Röhrenbauwerke fährt künftig aber auch die Hermann-Hesse-Bahn, und die immer seltener werdenden Tiere könnten dadurch in ihrem Winterschlaf gestört werden.

 

Ausmaße inzwischen gut erkennbar

Ohne Schutzmaßnahmen keine Hesse-Bahn – das ist das Ergebnis nach jahrelangen, zum Teil heftig geführten Diskussionen zwischen den Planern der Hesse-Bahn, also dem Landkreis Calw beziehungsweise dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn, und dem Naturschutzbund Deutschland. Eine der zahlreichen Schutzmaßnahmen ist ein Ersatzquartier für Fledermäuse im Erdreich, angrenzend an den Radweg zwischen Althengstett und Ostelsheim – ein mehr als 60 Meter langes Bauwerk, dessen Ausmaße inzwischen gut erkennbar sind. Die Kosten für das Projekt liegen bei rund 750.000 Euro.

Mitte März hatte die beauftragte Firma Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG die Arbeiten aufgenommen. Zunächst mussten rund 3000 Kubikmeter Erde ausgehoben werden, die am Ende auch wieder dort verfüllt werden. Die Baugrube ist etwa vier Meter tief. Bis diese ausgehoben war, gab es einige unliebsame Überraschungen. Zuerst den Schneefall im späten Frühjahr. Und als es dann mit einem geänderten Bauablauf weitergehen konnte, sei man auf drei Mal so große Felsbrocken als sonst üblich und erwartet gestoßen, berichtete Shannah Paepcke, Bauleiterin der Firma Reif, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. "Es waren Felsklötze so groß wie ein VW Golf darunter", sagte sie zu den sprichwörtlich schwerwiegenden Hindernissen, die erst einmal aufwendig entfernt werden mussten. "Dafür sind wir aber doch recht weit gekommen." Bis Anfang September soll das Bauwerk laut Paepcke fertiggestellt sein. So lange wird demnach der Radweg Richtung Ostelsheim gesperrt bleiben.

Drei Einbruchsversuche

Die beeindruckende Baustelle lockt nach wie vor ungebetene Besucher an. Wie berichtet, war gleich zum Start eine Videoüberwachung eingerichtet worden, nachdem bislang unbekannte Täter Container aufgebrochen und kurz nach Einrichtung der Baustelle einen rund 500 Kilogramm schweren Rüttler im Wert von 5000 Euro gestohlen hatten.

"In der Zwischenzeit hatten wir drei Einbruchsversuche", erzählte die Bauleiterin. Die Überwachungskameras seien auf die Container und die verschiedenen Baugeräte gerichtet, nicht aber auf den Zaun, der rund um die gesamte Baustelle aufgestellt wurde und der mit Türen und Vorhängeschlössern gesichert ist. Es sei an drei Stellen versucht worden, die Sicherheitsvorrichtung zu durchbrechen oder über den Zaun zu klettern.

Eindeutig zu neugierig waren unlängst drei Jungs, die es laut Paepcke fertig gebracht hatten, auf das Baustellengelände zu gelangen. Sie seien vom Bautrupp höflich aber bestimmt des Geländes verwiesen worden.

Nicht zuletzt die starken Regenfälle der vergangenen Tage hätten der Bauleiterin und den Arbeitern Kopfschmerzen bereiten können, wäre nicht mit dem Verlegen einer Dränage vorgesorgt worden: "Wir hatten schon zuvor einen Versickerungsversuch mit geologischer Baubegleitung gemacht", gab Paepcke an. Die Baustelle könne nicht überflutet werden, das Wasser laufe gut ab. An den Betonage-Tagen für die Stahlbetonfundamente habe man ohnedies Glück mit dem Wetter gehabt und habe diese planmäßig gießen können.

Eine Art Tunnel im Tunnel

Auf die Fundamente werden nun Fertigteile in Form von Halbschalen aus Ziegelsteinen zum späteren Gewölbe eingesetzt und dann überschüttet. Das Quartier kreuzt den Radweg in offener Bauweise und es wird eine Eingangs- sowie Einflugsöffnung in der Einschnittsböschung der Hermann-Hesse-Bahn geschaffen.

Durch die in den bestehenden Tunneln geplante Kammerlösung, also gewissermaßen eine Art Tunnel im Tunnel, können die Fledermäuse die Röhren künftig auch während des laufenden Bahnbetriebs nutzen. Falls das nicht gelingen und die Flattertiere dies nicht annehmen sollten, stehen die Ersatzquartiere zur Verfügung.

Unterdessen gilt für den Reif-Bautrupp weiter die Einhaltung des Bauzeitenplans und schon jetzt, rund elf bis zwölf Wochen vor der Fertigstellung des Bauwerks, die Erkenntnis: Es gibt nichts was es nicht gibt.