Der Radweg zwischen Althengstett und Ostelsheim ist aller Voraussicht nach bis August gesperrt, weil am "Forst"-Tunnel ein Ersatzquartier für Fledermäuse gebaut wird. Foto: Fritsch

Nicht nur Sanierungs- und Ausbauarbeiten an der Strecke stehen an, bis 2023 die Hermann-Hesse-Bahn fahren kann. Auch Ausweichquartiere für streng geschützte Fledermausarten müssen geschaffen werden. Ein solches entsteht in den kommenden Monaten am Bahntunnel "Forst" zwischen Ostelsheim und Althengstett, weshalb der dortige Radweg gesperrt wurde.

Althengstett/Ostelsheim - Im Winter suchen die Flattertiere Zuflucht in den Tunneln "Hirsau" zwischen Hirsau und Calw sowie "Forst" zwischen Ostelsheim und Althengstett. Durch diese beiden Röhrenbauwerke fährt künftig auch die Hermann-Hesse-Bahn, und die immer seltener werdenden Tiere könnten dadurch in ihrem Winterschlaf gestört werden.

 

Warum müssen die Ausweichquartiere gebaut werden?

Ohne Ausweichdomizile keine Hesse-Bahn – die Schaffung neuer Winterquartiere nach strengen Artenschutzrichtlinien ist unabdingbar für das Gelingen des Infrastrukturprojekts. Das gilt nicht nur für seltene Fledermausarten, sondern auch für weitere geschützte Tunnelbewohner, nämlich Steinkrebse. Insbesondere das Thema Fledermäuse kostete die verantwortlichen Planer der Hesse-Bahn über Jahre hinweg viel Zeit, Geduld und Nerven, bis im Einvernehmen mit dem Naturschutzbund Deutschland, wie mehrfach berichtet, einvernehmliche Lösungen gefunden wurden.

Eine der Schutzmaßnahmen ist ein Ersatzquartier für Fledermäuse im Erdreich, angrenzend an den Radweg zwischen Althengstett und Ostelsheim, das der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn derzeit bauen lässt. Da die Konstruktion in offener Bauweise den Radweg kreuzt, war dessen Sperrung notwendig geworden, heißt es vonseiten des Zweckverbands. Außerdem werde Baumaterial über den Radweg an- und abtransportiert, was Radverkehr dort viel zu gefährlich macht.

Was wird genau gebaut? Und wie viel kostet das?

"Das Fledermausersatzquartier am Tunnel ›Forst‹ wird parallel zum Radweg im Erdreich entstehen. Auf die zu fertigenden Stahlbetonfundamente werden Fertigteile in Form von Halbschalen aus Ziegelsteinen zum späteren Gewölbe eingesetzt und anschließend überschüttet. Außerdem wird das Quartier den Radweg in offener Bauweise kreuzen und eine Eingangs- und Einflugsöffnung in der Einschittsböschung der Hermann-Hesse-Bahn geschaffen. Die Baumaßnahme, die von der Firma Reif Bauunternehmung GmbH & Co. KG ausgeführt wird, hat Mitte März begonnen und wird voraussichtlich bis Ende August abgeschlossen sein", teilte Janina Dinkelaker, Pressesprecherin des Calwer Landratsamts, auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit. Die Kosten beliefen sich auf rund 750.000 Euro netto, das Bauwerk hat eine Länge von mehr als 60 Metern.

Wie lange dauern die Bauarbeiten?

Im Althengstetter Bauamt war man zunächst davon ausgegangen, dass die Maßnahme nach sechs bis acht Wochen beendet sein könnte. Tatsächlich wird es nun aber wohl Spätsommer werden, bis das Bauprojekt beendet ist. Man werde versuchen, die Sperrung außerhalb der Arbeitszeiten und vor allem an den Wochenenden aufheben zu lassen, teilte der Althengstetter Bauamtsleiter Hans Wurster gegenüber dem Schwarzwälder Boten mit.

Wie funktioniert das Ersatzquartier? Beziehungsweise wie soll erreicht werden, dass die Fledermäuse die neuen "Höhlen" auch annehmen, statt weiter den Tunnel zu nutzen?

"Grundsätzlich ist, durch die in den Bestandstunneln geplante Kammerlösung (also gewissermaßen eine Art Tunnel im Tunnel, Anm. der Red.), eine Nutzung des Tunnels für Fledermäuse auch während des laufenden Bahnbetriebs weiterhin möglich", führt Dinkelaker aus. "Falls die parallele Nutzung trotzdem nicht gelingen sollte, stehen die Ersatzquartiere zur Verfügung."

Die Einflugsöffnung des derzeit im Bau befindlichen Ersatzquartiers liege innerhalb des Schwärmbereichs der Tiere. Daher sei auch davon auszugehen, dass die Fledermäuse das Ersatzquartier automatisch im Zuge ihres Schwärmverhaltens erkunden würden, falls der Tunnel nicht mehr genutzt wird.

Ist neben den Kosten für den Bau des Quartiers auch mit laufenden Kosten zu rechnen?

"Mit laufenden Kosten ist derzeit nicht zu rechnen", berichtet Dinkelaker. Für die Pflege der Gittertore oder für die Reinigung des Inneren seien gegebenenfalls rund 500 Euro pro Jahr zu veranschlagen.