Die Calwer Stadtverwaltung wird zur Talent-Schmiede: Nach Davide Licht und Jan Hambach geht nun Tobias Volle den nächsten Karriereschritt. Er ist ab 4. Juli Baubürgermeister von Pforzheim.
Erst Davide Licht, zuletzt Jan Hambach und nun Tobias Volle: Offenbar ist die Stadtverwaltung Calw ein guter Ausgangspunkt, um kommunalpolitisch Karriere zu machen.
Am Tag nach der Wahl „Wir sind noch etwas geplättet“, sagt Tobias Volle am Tag nach der Wahl zum Pforzheimer Baubürgermeister.
Einer von 13 zugelassenen Kandidaten
Volle meint, er hätte nicht unbedingt damit gerechnet, das Rennen zu machen. Er war einer von 13 zugelassenen Kandidaten, die die Nachfolge von Amtsinhaberin Sibylle Schüssler antreten wollten. Am Dienstagabend hat ihn der Pforzheimer Gemeinderat an die Spitze des Dezernats II gewählt: Der 51-Jährige setzte sich im zweiten Wahlgang mit 21 Stimmen durch.
Tobias Volle wird seinen neuen Posten am 4. Juli antreten und ist für die kommenden acht Jahre zuständig für die Bereiche Kultur, Bauen und Planen, Stadtentwicklung, Gebäudemanagement, Umwelt sowie Grünflächen. „Das ist eine Riesenchance“, sagt der Immobilienfachmann. Themen zu gestalten und etwas neu aufzubauen, das liege ihm. „Ich liebe auch Herausforderungen.“ Dass der neue Posten in Pforzheim viele solcher mit sich bringt, das ist ihm klar. „Absolut.“
Bei Grundsteuer die Initiative ergriffen
Derzeit steht Tobias Volle an der Spitze des gemeinsamen Gutachterausschusses bei der Stadt Calw. Landesweit hervorgetan hat er sich als solcher in den vergangenen anderthalb Jahren in Sachen Grundsteuer: Auf Volles Initiative können die Bodenrichtwerte – sie dienen als Grundlage für die neue Berechnung der Grundsteuer B – auch nach dem Stichtag des Landes noch korrigiert werden. Das dürfte in Zukunft vielen Eigentümern von bebauten Grundstücken Geld sparen.
An dritter Steller der Stadtverwaltung
Ab Juli wird er sein Büro statt am Calwer Marktplatz im Pforzheimer Rathaus haben. Nach Oberbürgermeister Peter Boch und dem Ersten Bürgermeister Dirk Büscher – dieser stellt sich am 24. Juli zur Wiederwahl – steht er dann gleichberechtigt mit Bürgermeister Frank Fillbrunn, der das Dezernat III leitet, an dritter Steller in der Stadtverwaltung.
Für alles, was Bauen, Planen und Gebäudemanagement betrifft, ist er bereits Experte. Über den Bereich Kultur sagt er: „Da muss ich mich tatsächlich reinarbeiten.“ Und Umwelt? Die spiele im Immobilienbereich ohnehin eine immer größere Rolle: Flächenverbrauch, die Versiegelung, das Mikroklima in der Stadt: Alles Themen, mit denen er es zu tun haben wird, aber deshalb auch bereits zu tun hatte.
Vom fachlichen abgesehen, will Tobias Volle mit den Mitarbeitern seines Dezernats ins Gespräch kommen. „Wenn es zwischenmenschlich passt, funktioniert vieles reibungslos.“
Seiner Heimat Bad Liebenzell-Monakam, wo er mit Frau Beatriz und der Tochter lebt, wird er aber treu bleiben. „Es ist überhaupt nicht geplant, umzuziehen.“ Auch dem Gutachterausschusses bleibt er so lange wie nötig erhalten. Es müsse einen „sauberen Übergang“ gebe. „Wenn es sein muss, schaff’ ich auch bis zum 3. Juli“, meint Volle. „Ich werde hier nicht wie die Sau vom Trog weglaufen.“
Freude trotz Verlust Für Calws OB Florian Kling ist Volles Wahlsieg ein Verlust, weil die Stadt mit ihm „ einen hervorragenden Leiter des neuen Gutachterausschusses“ gefunden habe. Gleichzeitig erklärt Kling: „Ich freue mich riesig für Herrn Volle.“
„Ein super Team um sich aufgebaut“
Dieser habe die Geschäftsstelle des Ausschusses neu aufgestellt, innovative Prozesse eingeführt und sich einen sehr guten Ruf erarbeitet. „Glücklicherweise sind die wichtigsten Projekte im Gutachterausschuss bereits umgesetzt und auch alle Vorbereitungen für die Grundsteuerreform abgeschlossen.“ Dass letzteres in wenigen Jahren so erfolgreich umgesetzt wurde, sei allein das Verdienst von Volle, „ der ein super Team um sich aufgebaut hat“.
Die Bürgermeister-Riege Volles Karriereschritt ist einer, wie ihn in den vergangenen Jahren etliche Calwer Verantwortungsträger gegangen sind.
Bereits im September 2020 war Davide Licht, zuvor Ortsvorsteher von Hirsau und Altburg sowie zusätzlich Leiter der Abteilung Liegenschaften der Stadt Calw, zum Bürgermeister von Burladingen im Zollernalbkreis gewählt worden. Sein Amt trat er am 1. Dezember 2020 an.
Jan Hambach wird ebenfalls Bürgermeister
Und Mitte März dieses Jahres gewann Jan Hambach, Leiter der Stabstelle Strategie und Projekte in der Calwer Verwaltung, die Wahl zum Bürgermeister von Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg). Die offizielle Amtsübergabe in Freiberg wird am 17. Juni sein.
In Freiberg ist derzeit interessanterweise noch ein weiterer Rathauschef mit Bezug zu Calw im Amt: Dirk Schaible. Der gebürtige Calwer war bis 2003 persönlicher Referent des damaligen Calwer Oberbürgermeisters Werner Spec. Schaible hatte sich in Freiberg nun nicht mehr zur Wahl gestellt.
Talentschmiede Calw Ist die Hesse-Stadt also eine Talentschmiede? „Ja in der Tat“, meint OB Florian Kling. „Wir haben uns einen sehr guten und innovativen Ruf erarbeitet. In Verwaltungskreisen hat sich das herumgesprochen.“ Daher sei er gar nicht traurig, dass Calw immer wieder Bewerber finde, die einen solchen Karriereschritt noch vor sich hätten. „In der Zwischenzeit helfen sie unserer Stadt bei der Entwicklung und sind unglaubliche Motoren innerhalb der Verwaltung.“
Kling kündigt weitere personelle Veränderungen an
Gehen sie den Karriereschritt allerdings, bedeutet das für Calw, wieder Mitarbeiter suchen zu müssen – „das wird im Übrigen noch bei weiteren wichtigen Stellen in Kürze der Fall sein, denn auch hier gibt es noch weitere personelle Veränderungen, weil sich Mitarbeiter weiterentwickeln, nachdem sie bei uns die Erfahrung und Expertise aufgebaut haben“, kündigt Kling an.
Zugleich berichtet er, dass die Bewerberlage derzeit recht gut sei. „Vor allem, weil wir uns als Verwaltung einen modernen und innovativen Ruf erarbeitet haben.“ Das spricht sich offenbar herum.
Auch Nachwuchs im öffentlichen Dienst will flexibel sein
Darüber hinaus müsse man sich von der Idee verabschieden, dass Mitarbeiter jahrzehntelang bleiben. Auch der Nachwuchs im öffentlichen Dienst will flexibel unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Das bringt Fluktuationen mit sich. „Mich freut das“, erklärt Florian Kling. „Ich glaube, dass dies unserer Arbeitskultur gut tut und sich daraus viele neue Chancen entwickeln.“
Der Werdegang von Tobias Volle
Ausbildung
Tobias Volle hat zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse Calw gemacht und anschließend Wirtschaftswissenschaften in Tübingen studiert. Von 2003 bis 2007 studierte er berufsbegleitend noch Immobilienwirtschaft und Sachverständigenwesen an der deutschen Immobilienakademie Universität Freiburg. Seit 2003 ist er außerdem Geschäftsführender Gesellschafter bei der Volle-Immobilien GbR (später: Aqolo GmbH, Bad Liebenzell) und seit 2005 Inhaber des Sachverständigenbüros für Immobilienbewertungen Tobias Volle, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Pforzheim. 2022 wurde er zunächst Leiter der Geschäftsstelle des gemeinsamen Gutachterausschusses der Stadt Calw, seit 2023 ist er auch dessen Vorsitzender. Darüber hinaus hat Tobias Volle bereits kommunalpolitische Erfahrung: Bis 2014 saß er als für die CDU im Bad Liebenzeller Gemeinderat und war zudem Fraktionsvorsitzender.