Katrin Öfinger-Hellwich (Dritte von links) bietet jeden Mittwoch im Neuhengstter "Rössle" beim Jobcafé ihre Hilfe bei der Arbeitssuche an – für Geflüchtete, aber auch Einheimische. Foto: Biermayer

Das Kapitel Integrationsmanagement ist in Althengstett eine Erfolgsgeschichte. Seit 2018, also seit Einführung dieses Unterstützungsangebots, bis heute wurden haupt- und ehrenamtlich 250 Personen in die Selbstständigkeit begleitet. Das ist dem Jahresbericht der beiden Integrationsmanagerinnen, Loreto Aravena und Mahak Khan, zu entnehmen.

Althengstett - Demnach wurden der Gemeinde Althengstett zwischen 2018 und 2022 insgesamt 360 Personen zugewiesen. 92 von ihnen sind noch in der Anschlussunterbringung und werden jetzt erst einmal nur von Aravena betreut, weil ihre Kollegin bis Ende 2023 in Mutterschutz ist. Beide Stellen wurden auf weitere zwölf Monate verlängert, wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats berichtet wurde. Khans 100-Prozent-Stelle wurde mittlerweile ausgeschrieben und soll so schnell wie möglich wieder besetzt werden, während Aravena weiterhin in einem Umfang von 75 Prozent beschäftigt sein wird.

Mehrere Bausteine

Bildung, soziale Integration, Sprache und der Zugang zum Arbeitsmarkt sind die Bausteine für eine erfolgreiche Integration. Darum wird sich das Integrationsmanagement gemeinsam mit den Mitgliedern des Arbeitskreises Integration und kulturelle Vielfalt (ehemals AK Asyl) kümmern – inzwischen tun Aravena und der Arbeitskreis dies auch für rund 18 Geflüchtete aus der Ukraine. Es sei eine große Einsatzbereitschaft da bei den Kollegen in der Verwaltung, aber auch innerhalb des Arbeitskreises, auch wenn oft improvisiert werden müsse, sagte Aravena. Und weiter: "Ohne Ehrenamt können wir das als Behörde nicht bewältigen".

110 Personen aus unterschiedlichsten Nationen

Nach den Worten Aravenas sind in den insgesamt zehn gemeindeeigenen Obdach- und Flüchtlingsunterkünften derzeit 110 Personen aus unterschiedlichsten Nationen untergebracht und werden vom Integrationsmanagement der Kommune betreut. 41 Personen stammen aus Syrien, ein Dutzend aus Palästina und neun aus Afghanistan, außerdem aus Gambia, Indien, Irak, Somalia, Eritrea, Pakistan, Iran, Nigeria und Georgien, außerdem wurden Kosovo-Albaner und Albaner aus Albanien sowie die genannten 18 Personen aus der Ukraine in den drei Ortsteilen aufgenommen. Von 2018 bis 2022 seien 360 Personen betreut worden, 250 habe man in die Selbstständigkeit begleitet.

Breiteres inhaltliches Spektrum

Dem Arbeitskreis Integration und kulturelle Vielfalt misst man innerhalb der Gemeindeverwaltung eine immense Bedeutung zu. Darauf weist nicht zuletzt die Umbenennung des ehemaligen AK Asyl hin. Man hat sich inhaltlich geöffnet und deshalb einen neuen Namen gegeben. Durch die Übernahme von Patenschaften, den interkulturellen Frauentreff, das Bewerbungstraining, Job-Café oder den Treff für muslimische Jugendliche tragen die ehrenamtlichen Helfer entscheidend zur gelingenden Integration bei. Bürgermeister Clemens Götz bedankte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung bei den Mitgliedern des Arbeitskreises für deren unermüdlichen Einsatz durch die vielen unterschiedlichen Angebote und Arbeitseinsätze sowie ihre Einzelfallhilfe. Gemeinderat Lothar Kante (SPD) ist froh um die beiden Integrationsmanagerinnen sowie die Ehrenamtlichen: "Es ist klar erkennbar, dass sich deren Arbeit lohnt".

Viele Dolmetscher stehen bereit

Begeistert ist man unterdessen in der Verwaltung, dass sich viele Personen gemeldet haben, die ihre Dienste als Russisch- beziehungsweise Ukrainisch-Dolmetscher angeboten haben; außerdem von der Tatsache, dass in nur kurzer Zeit ein Treff für Ukrainer im ehemaligen "Rössle" in Neuhengstett eingerichtet wurde. Dort sollen die Geflüchteten vor allem menschliche Zuwendung und Unterstützung bekommen, einfach reden und sich austauschen können.

Ein weiterer Eckpfeiler, auf dem das "Erfolgsmodell Althengstett" in Sachen Integration steht, ist laut Aravena die enge Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen, dem Familienzentrum und der Handwerkskammer sowie kleinen und mittelständischen Betrieben im Landkreis Calw. Wichtig seien auch die Trauma-Arbeit und die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialen Dienst des Landratsamts.

Große Herausforderung

Nach wie vor eine große Herausforderung stelle die Betreuung von Menschen mit "besonderen Bedarfen" dar. "Traumata, psychische Erkrankungen und geistige Behinderungen spielen dabei eine Rolle", sage Aravena. Hier müssten neue Netzwerke geknüpft und bestehende wie mit Jugend- und Familienhilfe des Landratsamts, gepflegt werden –­ eine mitunter zeitintensive Angelegenheit. Das trifft auch auf die administrative Dokumentation, also Integrationspläne, deren Auswertung und die Berichterstattung an das Regierungspräsidium Stuttgart zu.

Info: Integrationsmanagement

Zentrale Aufgabe von Integrationsmanagern ist die individuelle und niedrigschwellige Sozialberatung und -begleitung für Geflüchtete in der Anschlussunterbringung. Am Beginn jeder Beratung steht die Erstellung des Integrationsplans. In diesem werden die persönlichen Daten (zum Beispiel Qualifikationen und Kompetenzen, Schulbildung und Berufsabschluss, individuelle Entwicklungen) und die zu erreichenden Ziele schriftlich fixiert. Dabei geht es unter anderem um Fragen des Spracherwerbs, der Arbeitsmarktintegration, der Anerkennung ausländischer Qualifikationen sowie um Wohnen, Schule und Bildung. Der Integrationsplan wird kontinuierlich fortgeschrieben. Mit Hilfe des Integrationsmanagements sollen Geflüchtete in die Lage versetzt werden, vorhandene Strukturen und Angebote selbstständig nutzen zu können (Quelle: Staatsministerium Baden-Württemberg).