Florian Denning (von links), David Conde und Waldemar Schmidt von Framelocker Studio aus Freiburg Foto: Kapitel-Stietzel

Wieder strömen Zehntausende nach Köln, um bis Sonntag bei der Gamescom eine der größten Videospielmessen der Welt zu erleben. Unter den Ausstellern zeigen auch Entwickler und Einrichtungen aus der Region, woran sie derzeit arbeiten.

Alljährlich verwandelt sich die Kölner Messe zu einer der wichtigsten Pilgerstätten der Videospiel-Welt, die Gamescom: Allein im letzten Jahr strömten laut den Veranstaltern 265 000 Besucher zur Spielemesse. Wer es schafft, sich durch den Besucherstrom zu kämpfen, den erwarten auch dieses Jahr wieder aufwendig gestaltete Stände, an dem man die Spiele-Highlights der nahen Zukunft nicht nur in exklusiven Präsentationen erleben, sondern auch oft selbst zur Probe daddeln kann.

 

Die Hallen, in denen sich die großen Firmen der Branche – wie Nintendo oder Microsoft – den Besuchern präsentieren, sind merklich leerer als noch im vergangenen Jahr. Das könnte damit zusammenhängen, dass – trotz der Rekordgewinne der Videospiel-Branche während der Corona-Pandemie – bei der letzten Gamescom deutlich weniger Besucher zur Messe kamen als noch vor der Pandemie: 2019 waren es noch 373 000 Besucher. Deutlich präsenter sind dafür nicht nur Neuankömmlinge im Videospiel-Geschäft, wie der Streaminggigant Netflix, sondern vor allem kleinere Spieleverleger. Auch der Bereich für Indie-Entwickler ist gut gefüllt. Gerade unter diesen kleineren Firmen sind in diesem Jahr mehrere Schwarzwälder zu finden.

Framelocker Studio aus Freiburg arbeitet an Lernspiel

Das kleine Entwicklerstudio aus Freiburg arbeitet derzeit an „Guido!“ – einem Lernspiel für Kinder ab vier Jahren. Beim Projekt, das in Kooperation mit dem Freiburger Jazzhaus entsteht, soll der Nachwuchs spielend das Erkennen vom Melodien erlernen. Neben Lernspielen erstellt das dreiköpfige Team auch „3-D-Visualisierungen jeder Art“ für Unternehmen und entwickelt reine Videospiele wie der Virtual-Reality-Onlinetitel „VR-Tribes“ sowie das Jump ’n’ Run „Pape’s Unfolding“, erklärt uns Firmenmitbegründer Waldemar Schmidt. „Freiburg ist eine super schöne Stadt und eine coole Ecke für Start-ups“, betont Mitbegründer David Conde. Auch komme man durch die Lage im Drei-Länder-Eck besser mit Kunden in Kontakt. Bei der Gamescom sei man deshalb präsent, weil sie „gut zum Vernetzen“ sei, fügt Mitbegründer Florian Denning hinzu.

Die Hochschule Furtwangen wirbt für neuen Studiengang

Die Hochschule im Schwarzwald-Baar-Kreis hat ebenfalls einen Stand auf der Messe. Dort wirbt man für den neuen Bachelor-Studiengang Games & Immersive Media, der im kommenden Jahr an den Start gehen soll. Bei diesem läge der Fokus auch auf „Immersion durch digitale Elemente im echten Leben“ – beispielsweise durch digitale Museumstouren, erklärt Studiengangskoordinator Jonas Schneider. Man wolle mit dem Angebot die Games-Branche stärken. „Auch wenn es böse klingt, wir haben einen Standortnachteil“, erklärt Schneider. Auch wenn der Schwarzwald Sport und Natur biete, seien beispielsweise die langen Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr ein Problem. Deshalb sei man auch bei der Messe, um so viele Interessierte wie möglich anzusprechen: „Hier erhoffen wir uns den größtmöglichen Erfolg.“

Maurice Huchler (von links), Riem Yasin und Jonas Schneider stellen am Stand der Hochschule Furtwangen einen neuen Studiengang mit starkem Fokus auf Videospiel-Entwicklung vor. Foto: Kapitel-Stietzel

Sticky Stone Studio aus Freiburg präsentiert Shooter

Das 2020 gegründete Freiburger Entwicklerstudio mit seinen acht Mitarbeitern präsentiert im Indie-Bereich den Shooter „Moods“, in dem sich emotionale Roboter bekriegen. Sowohl der leitende Game-Artist Josias König und der leitende Game-Designer David del Rio Hecklau freuen sich, dass sie in der Stadt, in der sie Game-Design studiert haben, auch eine Stelle gefunden haben. Doch König erhofft sich mehr Förderung für die Branche im Schwarzwald, denn mangels Arbeitsplätzen in der Spieleentwicklung herrsche vor Ort „einfach nur Wüste“: Angehende Entwickler müssten oftmals aus der Region abwandern. Man stütze sich finanziell mit Kundenprojekten wie einer interaktiven App für das Freiburger Barockorchester, aber „im Herzen wollen wir uns in die Spieleentwicklung reinknien“, erklärt Hecklau. Die Entwickler freuen sich, auf der Messe zu sein, denn dort könne man nicht nur Kontakte knüpfen, sondern auch Feedback direkt von Spielern bekommen.