Bei einem Info-Abend in der Festhalle Rangendingen hat der Regionalverband Neckar-Alb über die Reaktivierung der Eyachtalbahn informiert. Welche Fragen die Bürger dabei gestellt – und welche Antworten sie darauf erhalten haben.
Die Eyachtalbahn soll reaktiviert werden. Das zumindest ist die Absicht, die eine Machbarkeitsstudie weckt. Diese hat Matthias Körner, Verkehrsingenieur beim Verkehrswissenschaftlichen Institut in der Rangendinger Festhalle bei einem Info-Abend vorgestellt. An diesem Abend sollten es die Bürger sein, die ihre Fragen zu diesem Großprojekt stellen können. Was sie gefragt haben und was die Antworten sind:
Die Machbarkeitsstudie nimmt künftige Fahrgastzahlen von 2035 ins Visier. Wie realistisch sind diese Zahlen?
Es handle sich um ein Modell, bei dem gewisse Bedingungen angenommen werden, berichtete Körner. So geht der Verkehrsingenieur von deutlich steigenden Fahrgastzahlen aus, zumal bis Mitte der 2030er-Jahre die Regionalstadtbahn ausgebaut wird und die Busverbindungen – auch zu Bahnhöfen – verbessert sein würden. Von den 1000 Angenommenen pro Tag zwischen Hechingen und Rangendingen würden 140 vom Auto auf die Bahn umsteigen. Alle anderen stiegen vom Bus in die Bahn um oder seien sonst auf anderen Relationen unterwegs.
Die meisten Fahrgäste würden mit dem Auto kommen und Parkplätze gibt es zu wenige.
Parkplätze seien „noch nicht geplant“, berichtet Körner. Dirk Seidemann, Direktor des Regionalverbands Neckar-Alb machte deutlich, dass sich die Planungen noch ganz am Anfang befinden, „wir zeigen heute nur einen Strauß an Möglichkeiten“, aber der Regionalverband werde das Thema Parkplätze aufnehmen ins weitere Vorgehen.
Wie viel wird das Projekt kosten? Die Kosten könnten sich unmöglich halten lassen. Preissteigerungen wie bei Stuttgart 21 befürchtete ein Besucher.
Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auf die massive Förderung der Reaktivierung: Mehr als 90 Prozent dieser Kosten werden von Land und Bund übernommen. Den Rest teilen sich die Anrainerkommunen und der Landkreis.
„Für ein Projekt, das die nächsten 100 Jahre seine Wirkung entfaltet, kostet es wenig Geld“, entgegnete ein anderer Besucher. Eine Aussage, für die Applaus in der Halle tönte. Bisherige Planungen gehen von Gesamtkosten in Höhe von 64 Millionen Euro netto aus.
Angenommen wird im Modell, dass viele künftige Fahrgäste Schüler sein werden. „Ich habe mein Kind lieber im Bus“, meinte eine Mutter.
Die Mutter befürchtet, dass sich der Elterntaxi-Verkehr von der Schule an den Bahnhof verlagert, wo es wiederum wenig Parkraum gibt. Außerdem sei der Weg vom Haigerlocher Bahnhof zur Schule weit und steil. Körner antwortete: Der Bus fällt durch die Reaktivierung nicht weg. Ein Teil der Schüler werde künftig mit dem Bus fahren wie bisher, ein anderer Teil mit dem Zug. Körner: „Es gibt Varianten, die mit dem Bus günstiger sind.“ Für den Haigerlocher Bahnhof, so ist es bei der ersten Vorstellung der Studie im Oktober vor Fachpublikum bekanntgeworden, könnten sich die Planer den Bau zweier turmartiger Aufzüge vorstellen.
Der Übergang vom Landesbahnhof Hechingen zum Bahnhof an der Zollernalb-Bahn ist nicht behindertengerecht und für Rollstuhlfahrer zu steil.
Die Idee ist: Am Landesbahnhof soll ein neuer Mittelbahnsteig entstehen, links und rechts davon verlaufen jeweils die Gleise. Den Bahnsteig erreichen Fahrgäste durch eine Unterführung.
Diese Unterführung, so Körner, könnte erweitert werden unter der Bahnhofstraße durch bis auf die Höhe des Bahnhofs – Fahrgäste erreichen die Oberfläche dann direkt am Bahnsteig. Was nicht möglich ist: Die Gleise so zu legen, dass sie nicht zum Landesbahnhof, sondern zum anderen Bahnhof führen. Das sei technisch quasi nicht umsetzbar.
Ein Besucher meint zum Schallschutz: „Ich kann mir vorstellen, dass ich keine ruhige Nacht mehr haben werde.“
Körner verwies auf die lediglich zwei Personenzüge, die pro Stunde fahren. Weil es sich um eine Bestandsstrecke handelt, gebe es keinen gesetzlichen Anspruch auf Lärmschutz für Anwohner. Mit Rücksicht auf die Kosten sind solche freiwilligen Baumaßnahmen bislang nicht in den Planungen enthalten. Ein weiterer Besucher meinte, die Züge seien doch batteriebetrieben und machten schon deshalb weniger Lärm. Daher, berichtete Körner, sei die Reaktivierung der Eyachtalbahn mit dem Ausbau der Regional-Stadtbahn zu koodinieren, die elektrifiziert werden soll.
„Sie können es ja machen wie viele Helikoptereltern“
Organisatoren
Der Info-Abend in Rangendingen fand auf Initiative von Regionalverband Neckar-Alb und der Anrainerkommunen Haigerloch, Hechingen und Rangendingen statt.
Kleingeistig
Ein Besucher meinte, dass man sich nun nicht mit „kleingeistigen Fragen“ aufhalten und das Projekt als „Chance“ erkennen solle.
Schulweg
„Zu meiner Zeit sind wir viel weiter gelaufen. In Haigerloch müssen die Kinder nur 700 Meter laufen, dann sind sie am Schulzentrum“, schmettert ein Besucher. In Hechingen liefen die Schüler an den Schlossberg. An eine Vorrednerin gerichtet: „Sie können es ja machen wie viele Helikoptereltern: Das Kind morgens bringen und abends abholen“ – Applaus tönt in der Festhalle.