Bis tatsächlich wieder regelmäßig Personenzüge von Horb über Haigerloch nach Hechingen fahren, sind noch viele Schritte zu machen. Aber der erste ist getan: Kommunalpolitiker und Bürgermeister sind von der am Dienstag im Regionalverband vorgestellten Machbarkeitsstudie äußerst angetan.
In Zeiten der Verkehrswende stellt sich die Frage, ob die Bahnstrecke von Eyach über Haigerloch nach Hechingen wiederbelebt werden soll. Dort wurde der Personenverkehr bekanntlich 1972 stillgelegt, heute verkehren auf der Linie lediglich noch Güterzüge und seit 2008 an Sonn- und Feiertagen Freizeitzüge der Eisenbahngesellschaft SWEG/HzL.
Ja, die knapp 30 Kilometer lange Strecke hat das Potenzial zu einer Reaktivierung – zu diesem Schluss kommt eine vom Verkehrswissenschaftlichen Institut (VWI) der Universität Stuttgart und „biechele infra consult“ erstellte Machbarkeitsstudie. Am Dienstag stellten Matthias Körner (VWI) und Markus Biechele („biechele infra consult“) die wichtigsten Auszüge daraus dem Planungsausschuss des Regionalverbandes Neckar-Alb (RVNA) bei dessen Sitzung in der der Dußlinger Kultur- und Sporthalle vor.
Deutlich kürzere Fahrzeiten mit der Variante 8
Ein entscheidendes Kriterium ist der so genannte Kosten-Nutzen-Index, damit Land und Bund sich nachher mit bis zu 90 Prozent an den Investitions- und Betriebskosten beteiligen. Das Verkehrsministerium des Landes fordert aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus mindestens einen Index-Wert von 1,0; die Eyachtalbahn übertrifft diese Vorgabe – je nach Lesart – mit Werten zwischen 1,38 und 1,86 stabil. Und zwar dann, wenn laut Körner und Biechele die so genannte Variante 8 realisiert wird. Sie steuert den Bahnhof in Eyach gar nicht mehr an, sondern, macht vor ihm eine (zu bauende) Kurve, so dass die Linie im Horber Bahnhof mündet. Das würde die Fahrzeiten dennoch deutlich reduzieren und zwar auf 44 Minuten. Zum Vergleich: die Buslinie 310 braucht von Horb nach Hechingen 63 Minuten.
Studie ein Fingerzeig für weitere Gedanken
Auch wenn noch viel zu tun ist, bis ein Personenverkehr im Einstundentakt zwischen Horb, Haigerloch und Hechingen tatsächlich Realität wird, so zeigten sich verschiedene Mitglieder des Planungsausschusses äußerst angetan von den Ergebnissen der Studie. „Ich bin erstaunt, welche positive Resonanz die Machbarkeitsstudie schon jetzt in der Öffentlichkeit hervorgerufen hat“, meinte der Regionalverbands- und Planungsausschussvorsitzende Eugen Höschele.
„Die Studie ist ein Fingerzeig dafür, dass es sich lohnt, sich weitere Gedanken zu machen“, ist RVNA-Direktor Dirk Seidemann überzeugt. Die Bahn könnte aus seiner Sicht dazu beitragen, den Personenverkehr auf der Straße um 20 Prozent und den Busverkehr um ein Drittel zu reduzieren.
Philipp Hahn und Heinrich Götz beeindruckt
Beeindruckt war auch Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn. „Bei einem ersten Treffen zu diesem Thema auf Schloss Weitenburg war der Gedanke an eine Eyachtalbahn-Reaktivierung noch weit weg“, meinte er. Würde sie realisiert, wäre das aus seiner Sicht ein „großer Schub“ für den öffentlichen Personennahverkehr. Er forderte dazu auf, die Planungen parallel zur Regionalstadtbahn Neckar-Alb voranzutreiben.
„Alle haben am Anfang gedacht, das wird nix. Und auch ich war hin- und hergerissen. Umso mehr freut es mich, dass sich so viele Bürgermeister für das Projekt begeistern“, erklärte der ehemalige Haigerlocher Bürgermeister Heinrich Götz. „Machen sie in diese Richtung weiter, so dass die Strecke 2035 realisiert werden kann“, appellierte er an den Regionalverband.
Das wird auch getan. Bei lediglich zwei Enthaltungen wurde die RVNA-Verwaltung beauftragt, unter Einbeziehung des Zweckverbands
Regional-Stadtbahn Neckar-Alb die Anliegerkommunen der Eyachtalbahn und den Zollernalbkreis darin zu unterstützen, mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg und dem Infrastruktureigentümer SWEG Schienenwege GmbH weitere Schritte hin zu einer Umsetzung zu entwickeln.
Info
Kosten:
Geschätzt 64 Millionen Euro, davon 17 Millionen Euro für Leit- und Sicherungstechnik sowie elektronische Stellwerke. 13 Millionen für die Sanierung und den Neubau von Gleisen und Weichen.
Tempo:
Damit sich die Geschwindigkeit der Züge auf der Strecke auf durchschnittlich 60 Stundenkilometer erhöht, sind punktuell bauliche Maßnahmen wie die Vergrößerung der Gleisüberhöhungen nötig. Auch eine Trassenoptimierung nach der Brücke über die L 410 bei Rangendingen scheint erforderlich.
Bahnstationen:
Angedacht ist der Neubau von fünf neuen beziehungsweise vier zusätzlichen Haltepunkten Stetten-Ost, Rangendingen-Nord und -Ost, Hechingen-Stein und Hechingen-Nord mit 60 Meter Nutzlänge. Der Halt im Bahnhof Eyach entfällt.