Die Gemeinderäte Hechingen, Haigerloch und Rangendingen trafen sich zu einer gemeinsamen Sitzung in der Stadthalle „Museum“ in Hechingen. Foto: Thomas Kost

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für die Reaktivierung der Eyachtalbahn wurden vorgestellt. Bei einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte aus Hechingen, Rangendingen und Haigerloch wurden über das Thema debattiert.

Die Bahnstrecke zwischen Hechingen und Horb sorgte in letzter Zeit immer wieder für Gesprächsstoff. Das Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg hat im Jahr 2020 in einer Analyse zur Reaktivierung verschiedener stillgelegter Bahnstrecken im Land für Personenzüge der Eyachtalbahn ein „mittleres Nachfragepotenzial“ bescheinigt.

 

Daraufhin gab der Regionalverband Neckar-Alb 2021 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, welche als Entscheidungshilfe dient. Die vom Verkehrswissenschaftlichen Institut (VWI) der Universität Stuttgart und dem Freiburger Ingenieurbüro „biechele infra consult“ durchgeführte Studie wurde am Donnerstagabend den Räten in der Stadthalle Museum in Hechingen vorgestellt.

Der Personenverkehr der Eyachtalbahn wurde 1972 eingestellt, allerdings gibt es auf der Strecke noch immer einen regelmäßigen Güter- ,Sonn- und Feiertagsverkehr.

Von Horb nach Hechingen – in 42 statt 63 Minuten

Als beste Variante zur Reaktivierung der Strecke von Horb nach Hechingen würde sich laut der Studie eine erweisen, die nicht mehr den Bahnhof in Eyach ansteuert, sondern ihn mittels einer noch zu bauenden knapp 600 Meter langen „Verbindungskurve“ ausspart und eine direkte Verbindung zwischen Horb und Hechingen schafft.

Das würde die Fahrzeit zwischen den beiden Bahnhöfen deutlich verkürzen, nämlich auf rund 42 Minuten. Zum Vergleich: Der heutige Busverkehr braucht für dieselbe Strecke zwischen den beiden Städten 63 Minuten.

Batteriebetriebene Züge soll es geben

Um zwischen Horb und Hechingen in knapp einer Dreiviertelstunde pendeln zu können, ist eine durchgehende Mindestgeschwindigkeit der Züge von 60 bis 80 Kilometern pro Stunde erforderlich. Um diese zu erreichen, ist nicht nur der Bau einer Verbindungskurve erforderlich, sondern andere Optimierungen an den Gleisen müssten hinzukommen.

Die Studie sieht einen täglichen Verkehr von Personenzügen auf der Eyachtalbahn im Stundentakt vor. Die Züge dazu sollen batteriebetrieben sein und könnten an Schnellladestationen geladen werden.

Neue Haltestellen, etwa in Rangendingen

Zehn Haltestellen würde es auf der 28 Kilometer langen Eyachtalbahn geben, darunter auch einige neue, wie den Haltepunkt Stetten-Ost am Silcherweg, Rangendingen-Nord im Baugebiet Nähe Bahnübergang, Rangendingen-Ost im Gewerbegebiet nahe der Firma Trigema, Hechingen-Stein im Bereich des Friedhofs „Im Gaiern“ und Hechingen-Nord zwischen der K 7107 und der Rottenburgerstraße.

Barrierefrei, mit Unterständen

Alle Bahnhöfe sollen hierbei auf den neusten Stand gebracht werden: behindertenfreundlich ausgebaut, mit Sitzgelegenheiten versehen, mit Beleuchtungen, Informationssystemen und Unterständen. Bei der Haltestation Hechingen Nord sei zudem eine Unterführung vom Bahnhof zum Busbahnhof in Betracht zu ziehen.

Durch die Bahn sollen im Schnitt 420 Personen pro Tag dazugewonnen werden, was rund 13 800 Auto-Kilometer einspare. Da das Schienennetz größtenteils eingleisig ist, ist in Haigerloch eine Zugkreuzung vorgesehen, auf der die Züge aneinander vorbeikommen.

Ein interessantes Detail: Da in Haigerloch der Bahnhof im Tal liegt, das Schulzentrum aber oben auf dem Berg, könnten sich die Planer den Bau zweier turmartiger Aufzüge vorstellen, um den Höhenunterschied in die Oberstadt zu überwinden. Die Kosten dafür würden aber möglicherweise an der Stadt Haigerloch hängen bleiben.

Kosten: etwa 64 Millionen Euro netto

Insgesamt machen die Planungen Mut: Da die gesamte Strecke noch immer in Betrieb und in Schuss ist, müssten lediglich Sanierungsarbeiten an der Schienenstrecke vorgenommen werden. Neben dem Bau neuer Haltestellen wäre außerdem die Zug- und Streckentechnik außerdem an neue Sicherheitsstandards anzupassen. Insgesamt soll das Projekt mit Grunderwerb, Planung und Bau zirka 64 Millionen Euro netto kosten.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wurde mit einem Kostenrisiko von 30 Prozent auf einen Faktor von 1,38 kalkuliert – was aus der Sicht der Experten, Matthias Körner vom VWI Stuttgart und Markus Biechele von „biechele infra consult“, ein stabiler Wert ist.

Das Fazit fällt positiv aus

Fazit der beiden Experten: Eine intensivere Planung der Bahnreaktivierung macht Sinn, da bei einer Umsetzung des Millionenprojektes mit einer Förderung der Kosten von bis 95 Prozent durch das Land zu rechnen ist. Bis zum Beginn des Projekts und der Realisierung seien allerdings noch „dicke Bretter zu bohren“, meinte Dirk Seidemann, Direktor des Regionalverbandes Neckar-Alb.