Hunderte von Teilnehmern kamen am Mittwoch zur Protestkundgebung auf den Freudenstädter Marktplatz. Hoteliers, Gastronomen, Zulieferer und Kommunalpolitiker fordern eine Öffnungsperspektive für diesen Wirtschaftszweig. Foto: Rath

Mit einer Großdemonstration forderten am Mittwoch Hunderte von Gastronomen und Hoteliers im Landkreis Freudenstadt eine Öffnungsperspektive für ihre Branche.

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Kreis Freudenstadt - Dem Aufruf des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis waren schätzungsweise 300 Teilnehmer gefolgt. An der Kundgebung auf dem Freudenstädter Marktplatz nahmen auch Vertreter der Zulieferbetriebe, Einzelhändler aus der Stadt und Kommunalpolitiker teil. Auch die Führung des Dehoga-Landesverbands war dazu in den Nordschwarzwald gekommen.

Die Meinung auf dem Platz war einhellig: Nach mehr als zehn Monaten, in denen Hotels und Gasthäuser im Tourismus-Landkreis seit Ausbruch der Corona-Krise zwangsweise geschlossen sind, braucht dieser Wirtschaftszweig einen klaren Weg von der Politik, um neu starten zu können. "Wir wollen und wir müssen wieder arbeiten", so Beate Gaiser, Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle. Nerven und Finanzen sowohl von den Betrieben als auch ihren Mitarbeitern seien aufgezehrt. "Das geht so nicht weiter."

Österreich und Südtirol werben Fachkräfte ab

Die Branche sei dankbar für die Hilfe, die sie bislang vom Staat erhalten habe, vor allem die Landeshilfen seien schnell und hilfreich gewesen. Aber das reiche auf Dauer nicht aus. Die Politik müsse jetzt Mut zeigen und Öffnungen ermöglichen. Aus Österreich und Südtirol gebe es mittlerweile "aggressive Versuche", das Fachpersonal abzuwerben. "Wir brauchen unsere Mitarbeiter, um wieder öffnen zu können", so Gaiser.

Dehoga-Landespräsident Fritz Engelhardt sagte, es sei eigentlich nicht die Art der Branche, auf die Straße zu gehen. "Aber es kann nicht sein, dass unsere Stammgäste am Schwarzwald vorbei zum Urlaub nach Österreich oder in die Schweiz fahren", so Engelhardt. Die Branche brauche verlässliche Richtlinien, um arbeiten zu können. "Salamitaktik" sei zu wenig. Es könne nicht sein, dass die gesamte Branche wieder zwangsweise schließen müsse, nur weil nach einem Corona-Ausbruch in einem Kindergarten die Inzidenzzahl über die Marke von 100 steige. Das sei keine Arbeits- und Planungsgrundlage.

Schäden durch "Lockdown" größer als durch Corona

Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) sagte, er mahne Bund und Land seit April, "endlich wegzukommen von der reinen Inzidenzgläubigkeit". Aber es sei nichts passiert. Gastronomie und Hotellerie seien nachweislich keine Corona-Treiber im Landkreis. Dem Kreisgesundheitsamt sei kein einziger Fall bekannt, der auf die Branche zurückzuführen sei. Mittlerweile seien die Schäden durch den "Lockdown" größer als die durch Corona.

Auch Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald (CDU) forderte "klare Regeln und Ansagen". Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sei es, der sich gegen Öffnungen sträube. "Hotellerie und Gastronomie machen unseren Landkreis aus", so Osswald. Er wolle nicht hinnehmen, dass eine ganze Branche kaputt gemacht werde.

Unter den Teilnehmern brandete nach jeder Rede Applaus auf. Die Organisatoren hatten auf dem Marktplatz 100 leere Tafeln mit 200 leeren Stühlen aufgebaut, um auf ihre Misere aufmerksam zu machen. Zahlreiche Teilnehmer der Kundgebung hatten Transparente und Schilder dabei.

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