Das Gesundheitsamt begründet die Spielplatz-Schließungen. Foto: Riesterer

Das Gesundheitsamt nimmt Stellung zum offenen Elternbrief aus Schramberg. Darin waren die corona-bedingten Spielplatz-Sperrung kritisiert worden.

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Schramberg/Rottweil - Das Gesundheitsamt Rottweil hat am Donnerstagnachmittag ausführlich auf den offenen Brief des Gesamtelternbeirats der Schramberger Kindergärten geantwortet.

"Wir haben für Ihre Sorgen und Bedenken großes Verständnis", heißt es zu Beginn. Leider mache die Pandemielage in Schramberg die kritisierten Maßnahmen notwendig. Die britische Virusvariante sei viel aggressiver und somit erheblich ansteckender und führe – nach heutigem Stand – auch zu schwereren Verläufen der Infektion. "Erstmals im Landkreis sind in Schramberg auch Kinder Hauptbelastete der Pandemie. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, sie aber dennoch – letztendlich vor allem auch – im Interesse der Gesundheit der Kinder vor Ort getroffen."

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In der Folge geht die Behörde ins Detail zu den im Brief aufgeführten Fragen: Die britische Variante komme in Schramberg überdurchschnittlich häufig (beispielsweise zu 95 Prozent bei unter-Fünfjährigen) vor, sei höher und länger infektiös und werde schneller übertragen bei kürzeren Kontaktzeiten – besonders eben bei Kindern. Bei infizierten Kindern und Jugendlichen in der Region zeigten sich in kurzer Zeit bei nahezu allen Betroffenen Krankheitszeichen wie Fieber, Husten, Hals- und Kopfschmerzen.

Einhalten von Sicherheitsabständen nicht gewährleistet

Des Weiteren sei der Mindestabstand von 1,5 Metern beim Spielen auf Spielplätzen und Sportanlagen nicht gewährleistet. Eine erhöhte Aerosolbildung beim Sport, Spielen, Schreien und Toben sei bekannt. Dadurch steige das Infektionsrisiko gerade im Fall der britischen Variante laut Studien deutlich. Die Behörde bezeichnet den Schutz mittels Mund-Nasen-Maske als unrealistisch, "weil es sich zum einen um Kleinkinder handelt und bei sportlicher Aktivität ein solcher Schutz keine Alternative darstellt". Das Einhalten der notwendigen Sicherheitsabstände von mindestens 1,5 Metern sei nicht gewährleistet – und zwar unabhängig von der gesamten Personenzahl vor Ort. Deshalb, begründet das Gesundheitsamt, sei auch eine striktere Personenzahl-Beschränkung auf den Spielplätzen als nicht wirksames Mittel angesehen worden.

Was die Grundlage für die Einschätzung einer besonderer Gefahr bei Spielplätzen sei, beantwortet die Behörde mit Erfahrungen aus der Kontaktnachverfolgung. "Einen Nachweis über eine Infektion, welche gesichert auf einem Spielplatz erworben wurde, kann sicherlich nur in den allerseltensten Fällen erbracht werden", räumt das zwar Gesundheitsamt ein, doch die erläuterten Punkte würden auf solche Infektionsmöglichkeiten hinweisen.

"Nicht zielführend"

Die Eltern hatten zudem nach Ausgleichsmöglichkeiten, die nicht zulasten der Kinder gehen, gefragt, um den Verlust der Spielplätze auszugleichen – etwa das Sperren anderer Plätze für Erwachsene, sodass die Kinder dort "risikoarm" ins Freie könnten. "Die Beantwortung dieser Frage wäre Sache der Stadt", so die Behörde, die jedoch darauf hinweist, "dass die Schließung vor allem auch auf die Kontaktminimierung abzielt und eine ›Verlagerung von Spielräumen auf andere Plätze‹ nicht zielführend ist". Weitere Infektionsübertragungen seien vor allem unter Kindern zu erwarten. Aus diesem Grund befürworte das Gesundheitsamt, den Fokus von Maßnahmen auf Spiel- und Sportplätzen zu legen.

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Zur Frage, weshalb kein verstärktes Testkonzept in Tennenbronn ermöglicht worden sei, entgegnet das Amt, die Stadt Schramberg habe zum einen ein weiteres Angebot mit dem örtlichen DRK in der Festhalle geschaffen. Dies und die Möglichkeiten im Testzentrum in der Berneckstraße "werden vom Gesundheitsamt als ausreichend erachtet".

Aus diesen Gründen "stehen aus infektionsepidemiologischer Sicht keine milderen Mittel zur Verfügung, um das Infektionsgeschehen zeitlich und räumlich zu entzerren beziehungsweise die Infektionsketten zu unterbrechen", schließt das Gesundheitsamt.

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