Kreis Rottweil - "Ich hoffe und glaube, dass wir noch nicht ganz raus sind", sagt Aichhaldens Schulleiter Josef Rack hinsichtlich des Deutschen Schulpreises. Wegen der Vergewaltigung im Nachbarort platzte nämlich der geplante Schulbesuch der Juroren.

Bereits am Freitag hatte Josef Rack eine Gesamtlehrerkonferenz einberufen, an der zwei Fachleute vom Schulpsychologischen Dienst teilnahmen, um die Pädagogen "in der schwierigen Situation" zu unterstützen. Der 17-Jährige, der am Fasnetsmontag in Fluorn-Winzeln ein neunjähriges Mädchen sexuell missbraucht, vergewaltigt und dabei verletzt haben soll, besuchte nämlich seit diesem Schuljahr die zehnte Klasse in Aichhalden. Dabei, so betont Rack, sei der junge Mann allerdings nie negativ aufgefallen, ganz im Gegenteil. Er sei bislang ein "Top-Schüler" in jeglicher Hinsicht gewesen, so Rack. Auch von daher beurteilt der Schulleiter die Tat, für die der 17-Jährige beschuldigt wird, als "für uns völlig unfassbar".

Auf den Rat der Schulpsychologen hin habe die Schule dann gleich für den ersten Schultag einen Elternbrief verfasst, "um die notwendige Transparenz zu schaffen". Gleichzeitig seien die Schulpsychologen zur Aufarbeitung mit Schülern und Lehrern vor Ort gewesen. Diese "exzellente Arbeit" in der Frage, wie man "mit solchen Extremsituationen umgehen soll", so Rack, sei "eine unglaublich große Hilfe" gewesen, empfindet der Schulleiter nicht nur für das Lehrerkollegium.

Wie es jetzt allerdings mit dem Schulpreis weiter geht, sei offen. Vorgesehen war für Montag und Dienstag dieser Woche ein Besuch der Jury, auf den sich die Schule vorbereitet hatte.

Doch aufgrund der jetzigen Umstände sei klar gewesen, dass "in dieser Situation", eine "faire Bewertung" nicht möglich sei, wie auch Simone Walz, Projektmanagerin der für die auslobenden Robert-Bosch- und Heidehof-Stiftung zuständigen Kommunikationsagentur rcc, die kurzfristige Absage begründete. Gegenüber der Schule hatten die Juroren zwar Optionen genannt, wie die Schule möglicherweise doch noch weiter im Wettbewerb bleiben könne, die Entscheidung über das weitere Vorgehen so Rack, also ob überhaupt – und dann wie, werde indes von der insgesamt vierköpfigen Jury getroffen. Deswegen könne und wolle er zu diesen Möglichkeiten – noch – nichts sagen. Bis in zwei Wochen, so rechnet er, könnte die Antwort der Bosch-Stiftung vorliegen. Allzu viel Zeit für einen erneuten Besuch der Juroren vor Ort gibt es allerdings nicht mehr, denn bereits am 22. März soll über den Schulpreis entschieden sein. Auf Anfrage meinte gestern eine Sprecherin der Robert-Bosch-Stiftung, dass diese sich bemühe, "einen Weg zu finden, der der Schule eine faire Chance im Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis gibt". Das käme Rektor Rack, seinem Kollegium und den Schülern entgegen. Denn die Schule hatte sich schon einmal vor drei Jahren um den Preis beworben, war damals aber, im Gegensatz zu jetzt, unter "ferner liefen" gelandet. Mit der diesjährigen Bewertung könnte sich die Schule eine Stufe weiter nach vorbringen: Von den 20 besuchten Schulen werden nämlich bis zu 15 für den Schulpreis nominiert.

Ob die Tatsache, dass der 17-jährige mutmaßliche Täter die Schule in Aichhalden besuchte, negative Auswirkungen hinsichtlich der künftigen Schülerzahlen im weiterführenden Bereich der GWRS haben könnte, hofft Rack nicht. In Aichhalden hätten sich derzeit rund 50 Prozent der Viertklässler-Eltern für einen Verbleib ihrer Kinder an der wohnortnahen Schule ausgesprochen. Um diesen angestrebten Wert zu erreichen, müsse man allerdings im Ortsteil Rötenberg und auch in Fluorn-Winzeln noch etwas tun. Gerade von Rötenberg, so Rack, habe er sich "mehr erhofft". Dort allerdings lockt neben dem Progymnasium in Alpirsbach auch die dortige Haupt- und Realschule die Schüler aus der nicht einmal zehn Kilometer entfernt gelegenen Nachbargemeinde an.