Horb - "Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge." Genauso geht es Rainer Fromm.

Er nimmt einen Zollstock und misst: 2,65 mal 3,50 Meter. Sein Zimmer, an der gelblichen Wand hängen Fotos. Ein Zugticket nach Monza vom 12. September 1999, daneben eine Eintrittskarte zum 70. "Gran Premio d’Italia" in der Tribuna Laterale. Er tippt auf ein Foto und lacht: "Das war ich damals."

Ein Leben auf engem Raum

Jetzt ist er in der städtischen Notunterkunft der Stadt. Früher hieß das mal Obdachlosenasyl. Ein Leben auf engem Raum, Gemeinschaftstoilette und -Bad, mit günstigen LM-Filter-Cigarillos, Umzugskisten und einem langen Schreibtisch mit einem sichtlich alten Rechner und Steckdosenleisten: "Das konnte ich aus meiner letzten Wohnung in Nordstetten retten. Es passt genau rein hier. Leider gibt es hier kein Internet." Sozialarbeiter Andreas Hauser: "Das Geld ist das größte Problem." Nach der Räumungsklage am 10. Oktober hilft er Rainer Fromm wieder, ins Leben zu kommen.

Hauser: "Es ist derzeit gar nicht so leicht, in Horb eine geeignete Wohnung zu finden, die das Amt bezahlt. Da ist die Konkurrenz durch die Studenten extrem groß."

Wie landet man im Obdachlosen-Asyl der Stadt? Fromm lernte bei Holzäpfel: "Dort war ich der jüngste Lehrling, deshalb ist mein Spitzname bis heute Moses." Tippt auf seine Ferrari-Kappe, wo der Name über der Automarke steht.

Dann Bundeswehr: "Ich habe Deutschland im Odenwald verteidigt." Dann ging Holzäpfel bankrott. "Moses" wurde Möbelverkäufer, holte im zweiten Bildungsweg die Fachhochschulreife und wurde Bezirksleiter bei Lidl: "Das war nicht so ganz mein Fall, wegen der Menschen." Dann kam der Führerscheinentzug, Fromm verdingte sich auf dem Bau als Zimmermann. Bis der Bandscheibenvorfall kam. Egal, Hudson im Heiligenfeld bot einen Job. 14 Jahre arbeitete er dort, bis der Betrieb zu Kunert nach Immenstadt ausgelagert wurde.

Hauser: "Als der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, habe ich das mitbekommen." Er verschaffte Rainer Fromm einen Job in der Kommode bei der Erlacher Höhe, doch er verhob sich dort im wahrsten Sinne des Wortes.

Und jetzt will Rainer Fromm wieder durchstarten. Er sagt: "Heute habe ich nichts zum schaffen gehabt. Ich habe einen Text von den Toten Hosen ›Zeiten wie diese‹ abgetippt, weil mir so langweilig war."

Und was macht "Moses" an Heiligabend? "›Seit 1976 habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Familie. Als mein Bruder vor 17 Jahres gestorben ist, war der Kontakt aus."

Das Fernsehprogramm? Rainer Fromm winkt ab: "Da gibt es nur Wiederholungen. Ich lasse mich überraschen, ob sich irgend was ergibt."

2,65 mal 3,50 Meter. Auf der Ferrari-Bettwäsche liegt die neueste Stones-CD "GRRR". Rainer Fromm: "Es ist so eng hier. Ich wünsche mir eine Wohnung in Horb. Dort fühle ich mich wohl."

Wer Rainer Fromm helfen will, kann sich mit Andreas Hauser von der Erlacher Höhe in Verbindung setzen unter Telefon 07451/6 25 03 53 oder E-Mail andreas-hauser@erlacher-hoehe.de.