Cresbachs Ortschaftsrat Mathias Haag sprach für die Bürgerinitiative, die den Gemeinderat mit dem Beschluss konfrontierte, dass dem Bau der Pferdepension letztlich entgegen der Empfehlung des Ortschaftsrates Cresbach zugestimmt wurde. Foto: Wagner

Mehrmals musste sich der Gemeinderat seit Dezember 2019 mit dem Bau der Pferdepension in Cresbach auseinandersetzen und auch jüngst wurde im Rahmen der Bürgerfragestunde die Pferdepension erneut thematisiert. In der Gemeinderatssitzung trat nun eine Bürgerinitiative (BI) vor und konfrontierte das Gremium mit dem Beschluss, dass dem Bauvorhaben entgegen der Empfehlung des Ortschaftsrates Cresbach zugestimmt wurde.

Waldachtal - Bereits im August 2020 stimmte der Gemeinderat ebenfalls entgegen der Empfehlung der Cresbacher Ortschaftsräte dem Bauvorhaben zu, wofür die Gemeinderäte im Folgemonat von Seiten der Bürger Kritik ernteten. Heuer sprach die BI mit Stefan Hayer und Mathias Haag ihre Enttäuschung über die vom Gemeinderat getroffene Entscheidung aus. Die Empfehlung des Ortschaftsrates sei sorgfältig ausgearbeitet worden und habe in keinster Weise einer Willkür oder persönlichen Empfindung unterlegen, trug Haag den Standpunkt vor. Dass dem Bauvorhaben letztlich zugestimmt wurde, ist für die Cresbacher Räte nicht nachvollziehbar. "Ohne Nennungen, welche die Bedenken und die Vielzahl der Einwände entschärfen oder egalisieren, ist für uns Bürger der Ortschaft Cresbach nicht nachvollziehbar und lässt leider Raum für Spekulationen", monierte Haag. Daher sei die Initiative gestartet worden, um dem Gemeinderat das Interesse der Wähler vor Augen zu führen.

Allein in Cresbach hätten sich 150 Einwohner gegen das Bauvorhaben ausgesprochen. Mit den Teilorten Unter- und Oberwaldach sowie Vesperweiler seien circa 300 Stimmen zusammengekommen, welche den "Läng­enhart" in seiner bisherigen Nutzungsform erhalten wollen. Bei einer Einwohnerzahl von 924 Personen macht dies jedoch nur knapp ein Drittel der Bürger von Cresbach und seinen Ortsteilen aus. "Mit der Rückmeldung, die wir durch die Einwohner im Gespräch erhalten haben, stellt sich uns erneut die Frage, wessen Interesse das Gremium in der vergangenen Sitzung vertreten hat", richtete Haag an den Gemeinderat. Die gesammelten Unterschriften wurden postwendend an Sophia Stockburger (GVV Dornstetten) übergeben, welche der öffentlichen Sitzung beiwohnte.

Empfehlung nicht bindend

Abschließend stellte Haag die Frage an das Gremium, weshalb erneut gegen die Empfehlung des Ortschaftsrates, als Sprachrohr der Bürger von Cresbach, gestimmt wurde. Bürgermeisterin Annick Grassi zitierte daraufhin aus Paragraf 32 der Gemeindeordnung: "Die Gemeinderäte entscheiden im Rahmen der Gesetze nach ihrer freien, nur durch das öffentliche Wohl bestimmten Überzeugung."

Außerdem, so Grassi, seien die Gemeinderäte nicht an die Empfehlung des Ortschaftsrates gebunden. Aus den Reihen des Gremiums stellte sich Ludwig Blum, welcher das Bauvorhaben letztlich befürwortete, der Frage der BI. Er habe sich intensiv mit dem Bauvorhaben auseinandergesetzt. Anfangs versuchte der Bauherr, sein Bauvorhaben in der Ortsmitte sowie am Ortsrand umzusetzen, was unter anderem aufgrund der Baulast scheiterte. Als Alternative sei ihm eine Fläche im Längenhart angeboten worden. "Wenn ich so etwas vorschlage, dann muss ich auch damit rechnen, dass sich der Bauherr damit auseinandersetzt", verdeutlichte Blum. Man könne nicht eine Alternative vorschlagen und diese wiederum letztlich ablehnen, so Blum sinngemäß. Friedrich Gerhard, der das Vorhaben ablehnte, äußerte sich zu der Thematik folgend: "Man hätte mir einfach mal zuhören sollen." Eine anschließende Diskussion wollte Grassi vermeiden. "Der Sachverhalt ist nicht einfach, aber der Diskussionsbedarf hat sich für uns erledigt", verdeutlichte Grassi den Bürgern. "Es wird trotzdem weiterhin Diskussionen geben", vermutete Gerhard.

Antragsteller kommt sich allmählich verschaukelt vor

Der Antragsteller kommt sich jedenfalls allmählich verschaukelt vor, wie sich in einem persönlichen Gespräch mit unserer Zeitung herausstellte. Er vermutete, dass sein Bauvorhaben von Anfang an nicht in Cresbach erwünscht war. Der Ortschaftsrat Cresbach habe zuvor dem Bau einer Stallung für sechs Pferde zugestimmt, woraufhin der Landschaftsschutz und das Landwirtschaftsamt ein Veto einlegten, behauptet Ortsvorsteher Gebhard Weißgerber. Anschließend wurde eine Privilegierung vorausgesetzt, um das Bauvorhaben im Außenbereich zu realisieren. Dies hätte das Gremium vorher wissen können, da mindestens fünf Personen mit landwirtschaftlichem Hintergrundwissen in den Reihen des Ortschaftsrates sitzen würden, monierte der Antragsteller. Er habe jedenfalls mittlerweile alle geforderten Auflagen und Voraussetzungen erfüllt und hofft nun auf einen positiven Bescheid vom GVV Dornstetten.

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