Bei einem Vortragsabend am Klinikum Freudenstadt wurden niedergelassene Ärzte über das breite Spektrum sowie moderne Operationsverfahren und Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Viszeralchirurgie informiert.
Anfang Dezember vergangenen Jahres wurde das neue Klinikum in Freudenstadt eröffnet und der Bevölkerung vorgestellt. Chefarzt René Hennig und sein Ärzteteam nutzten jetzt die Gelegenheit, auch über die professionelle Arbeit, die dort im Bereich der Viszeralchirurgie geleistet wird, zu informieren. Ein zweiter Vortragsabend folgt.
Nach wie vor würden Patienten aus dem Landkreis von ihren Haus- und Fachärzten teilweise an Kliniken außerhalb des Landkreises überwiesen, obwohl das aufgrund der Möglichkeiten vor Ort häufig gar nicht nötig sei, betont Hennig. Die Einladung war deshalb bewusst an die Ärzteschaft gerichtet, die in erfreulich großer Zahl gekommen war.
Beleuchtet wurden fünf Themen der Viszeralchirurgie. Den Auftakt machte die leitende Oberärztin Dorothee Kirschenmann, die in die Tiefen der Hernienchirurgie (Leisten-und Narbenbrüche) einführte. Alle Patienten werden zum Zweck der Qualitätssicherung in einem internationalen Register erfasst.
Voraussetzungen für eine Zertifizierung erfüllt
Kirschenmann informierte sowohl über Kosten als auch über Fallzahlen – 2023 wurden allein 256 Leistenbrüche operiert. Bei der Hernienchirurgie erfüllt das Klinikum inzwischen sämtliche Voraussetzungen für eine Zertifizierung. Diese wird noch in diesem Jahr beantragt.
Oberarzt Sunil Aryal widmete sich der Adipositas-Chirurge, die Hennig vor zwei Jahren mit Kollegen am Klinikum etabliert hat. Patienten mit Adipositas (Fettleibigkeit) haben ein mehrfach erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus oder Bluthochdruck zu erkranken und dadurch mehrere Jahre früher zu sterben.
Im Adipositaszentrum werden Betroffene schon im Vorfeld einer möglichen Operation umfassend betreut und mit konservativen oder operativen Verfahren auf dem Weg in einen schlankeren Körper unterstützt. Sowohl die Magenverkleinerung als auch der Bypass sind möglich. 171 Patenten wurden zum Zweck der Qualitätssicherung bereits registriert, 66 wurden seit 2022 bereits operiert. Aufgrund der steigenden Tendenzen rechnet Aryal 2024 mit 60 weiteren Operationen. Allen bereits operierten Patienten gehe es gut.
Ein Viertel der Bevölkerung hat Reflux
Chefarzt René Hennig widmete sich der Therapie der Refluxkrankheit, von der ungefähr ein Viertel der Bevölkerung betroffen ist. Ziel der sowohl operativen als auch nicht-operativen Maßnahmen sei es, die von Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Völlegefühl oder auch Reizhusten beeinträchtigte Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Hennig stellte Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten vor. Operative Eingriffe, wenn nötig, erfolgen immer minimalinvasiv. Nur etwa ein Drittel der Patienten aus der Refluxsprechstunde lande am Ende auf dem OP-Tisch. „Ich kann Sie nur ermutigen, die Patienten zu schicken, weil sehr viele hinterher sagen, dass sie viel früher gekommen wären, wenn sie gewusst hätten, wie gut es ihnen jetzt geht.“
Letztes Thema vor der Zukunftsvision war Kolorektale Chirurgie, die operative Eingriffe am Dick- und Enddarm umfasst. Mit seinen technischen Behandlungsmöglichkeiten und der fachlichen Kompetenz vor Ort erfülle das Freudenstädter Klinikum sämtliche Voraussetzungen für eine Zertifizierung als Darmkrebszentrum, betonte Facharzt Alexander Zabelyshenskiy. „Es fehlen uns aber die Fallzahlen.“
Das Fazit
Patienten überweisen
Chefarzt René Hennig appellierte am Ende der medizinischen Vorträge noch einmal dringend an die niedergelassenen Ärzte, Patienten mit den vorgestellten Krankheitsfeldern auch nach Freudenstadt zu überweisen. Sie seien da sehr gut aufgehoben. Jeder Patient im Bereich der kolorektalen Chirurgie bekomme innerhalb von 48 Stunden einen Termin. Gelinge die Zertifizierung aufgrund zu geringer Fallzahlen nicht, bestehe die Gefahr, dass es dieses Angebot vor Ort in Zukunft gar nicht mehr geben wird, weil die Fachärzte dann abwanderten. Auch das Traumazentrum sei dann gefährdet.