Gefährliche Nähe: Künftig soll der Abstand zwischen Sbh-Gida-Unterstützern und Gegnern größer werden. Foto: Eich

Jetzt geht es nur noch auf Distanz: Polizei sieht "gefährliche Nähe" von Pegida-Unterstützern und Gegnern. Auch die Stadt reagiert.

Villingen-Schwenningen - VS als weltoffene Stadt im Engagement gegen rassistisches Gedankengut: Dieses Bild ist das eine. Das andere: Am Tag nach Kundgebung und Gegendemo wird Kritik an der Stadt laut. Wieso wurde eine solch gefährliche Nähe von Sbh-Gida-Anhängern und Gegnern zugelassen?

Zunächst gab es nach dem Abzug der Sbh-Gida-Anhänger und der offenen Antifa in VS beim Polizeipräsidium Tuttlingen Erleichterung: Bis auf ein paar kleinere Scharmützel sei alles ruhig verlaufen. Dieter Popp, einer der Pressespreche des Polizeipräsidiums, sah jedoch am Montagabend die Gefahr einer Eskalation gegeben. Die räumliche Nähe zwischen dem Pegida-Ableger der Sbh-Gida, und der offenen Antifa, sei sehr "unglücklich" gewesen, fasst Popp das Ergebnis einer internen Aufbereitung des Montags-Einsatzes zusammen.

"Es ist mehr als problematisch, wenn sich zwei gegensätzliche Konstellationen so dicht gegenüberstehen", führte er aus. Und damit so viel Nähe gegeben sei, dass "sich die Leute verbal provozieren oder Gegenstände werfen können". Raum genug für Eskalation, erläuterte Popp. Am Abend selbst waren auf dem Villinger Münsterplatz zwar vereinzelt Wasserbomben in Richtung Sbh-Gida-Anhänger geworfen und die rund 100 Unterstützer des Pegida-Blocks niedergebrüllt worden. Trotzdem endeten Kundgebung und Gegen-Demo friedlich, ein großes Polizei-Aufgebot sorgte nicht zuletzt dafür, dass "sich die Gruppierung auf dem Münster­platz beim Kundtun der konträren Meinungen nicht zu nahe kamen".

Diese räumliche Nähe, gerade mal fünf Meter, waren bereits im Vorfeld über soziales Netzwerke wie Facebook teils drastisch kommentiert worden. "Wer kommt auf solche Ideen", war noch die harmlose Kritik-Variante. Auch Nicola Schurr, mit Pascal Pestre Initiator der breit aufgestellten Initiative gegen Rassismus, sieht Änderungsbedarf. "Die beiden Gruppierungen sollten sicherlich nicht wieder in dieser Weise aufeinander treffen."

Immerhin hat die Sbh-Gida bereits weitere Demonstrationen angekündigt. Was für Schurr und Pestre bedeutet, dass "wir als Initiative auch weiterhin nicht zulassen, dass sich Pegida-Unterstützer breitmachen und auf Menschenfang gehen."

Beim nächsten Mal, sicherte Stefan Assfalg, persönlicher Referent von Oberbürgermeister Rupert Kubon, am Dienstag zu, werde es diese Nähe sicherlich nicht mehr geben. Dann werden die Abstände so gehalten sein, dass es nicht mehr möglich sein sollte, sich gegenseitig zu bewerfen, führte er aus. Zur Kritik am "zu geringen Abstand" meinte er: "Wir hatten das Problem, dass sowohl Antifa als auch Sbh-Gida weitaus weniger Teilnehmer angemeldet hatten als dann letztendlich vor Ort waren." Anhand der Zahlen im Vorfeld der Demo wären die im Nachhinein bemängelten fünf Meter durchaus üblich gewesen

Nächster Kritik-Punkt: Was am Montagabend ungeheure Symbolkraft hatte, sieht die Polizei durchaus skeptisch. Am Villinger Münster gingen wie auch am Kölner Dom die Lichter aus, die Sbh-Gida-Unterstützer standen im Dunkeln. "Symbolisch, aber für uns als Polizei eher problematisch", führte Popp aus. Assfalg sieht das anders: "Immerhin war ja eine Grundbeleuchtung noch gegeben, lediglich eines unserer Wahrzeichen war nicht mehr angestrahlt."

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