Jetzt ist Schluss: Nach unzähligen Ausstellungen, Aktionen und kulturellen Angeboten löst sich der Königsfelder Verein Kunstkultur zum Jahresende auf. Vorsitzender Manfred Molicki blickt zurück.
Zehn Jahre lang hat der Königsfelder Verein Kunstkultur die regionale Kunst- und Kulturszene aufgemischt, im und um den Kunstraum in der Gartenstraße Aktionen und Ausstellungen ins Leben gerufen und Schwellen abgebaut. Zum 31. Dezember ist damit Schluss: Ein Jahrzehnt nach seiner Gründung löst sich der Königsfelder Verein auf.
Die Ursprünge
Die Geschichte des Vereins Kunstkultur beginnt nicht erst mit der Gründung, sondern eigentlich schon früher, wie Vorsitzender Manfred Molicki berichtet: „Angefangen hat alles 2009 mit einem Spaziergang.“ Der nämlich führte Molicki zur Nonnenmühle, einem ehemaligen Gasthaus, das sich mittlerweile im Privateigentum von Ute Schwarz befand. „Wir kamen ins Gespräch“, erinnert sich Molicki – unter anderem über die damals ungenutzte Gaststube.
Und so kam es, dass 2010 die erste Ausstellung in der Nonnenmühle stattfand. Molicki selbst präsentierte Werke zum Thema Zeit im neuen Ausstellungsraum, der den Namen „Auszeit“ erhielt. Bei einer Schau sollte es nicht bleiben: In den darauffolgenden Jahren kamen 14 Ausstellungen in der Nonnenmühle dazu.
Die Vereinsgründung
2013 erfolgte für den Verein die „Initialzündung“, wie Molicki sagt. Im Frühjahr organisierten Arnulf Struck und Molicki zusammen mit vielen Helfern die erste kreative Bürgeraktion in Königsfeld: 300 Holzpfosten wurden an Interessierte ausgegeben – mit dem Auftrag, damit etwas Künstlerisches anzustellen. Und die Teilnehmer lieferten: 252 Kunststelen konnten die Organisatoren im Sommer desselben Jahres auf dem Zinzendorfplatz aufstellen, wo sie über mehrere Wochen hinweg das Bild der Königsfelder Ortsmitte mitprägten.
Die Königsfelder Kunst- und Kulturszene war im Aufschwung – und so taten sich im Oktober kunstinteressierte Königsfelder zusammen, um den Verein Kukuk Kunstkultur Königsfeld zu gründen.
Der Kunstraum
Bis 2014 fanden Ausstellungen in der Nonnenmühle statt, dann wurden die Räume privat genutzt – und der Verein musste sich eine neue Bleibe suchen. Die Wahl fiel auf den ehemaligen Schlecker-Markt in der Königsfelder Gartenstraße, der schließlich im Juli angemietet wurde. Etwa ein Vierteljahr brachten die Vereinsmitglieder damit zu, aus dem ehemaligen Drogerie-Geschäft den heutigen Kunstraum zu machen, erzählt Molicki. Zunächst mussten etwa fünf Tonnen Schrott entsorgt werden, dann die Räume verputzt, gestrichen und nutzbar gemacht werden. Im September 2014 konnte der neue Ausstellungsraum schließlich eröffnet werden.
Die Aktivitäten
Etwa sechs Ausstellungen jährlich organisierte der Verein seither im Kunstraum, wie Molicki sagt – immer mit der Maßgabe, Werke renommierter Künstler zu zeigen. Einige Künstler haben einen Bezug zu Königsfeld und der Region, leben oder lebten hier. Doch das war keine Notwendigkeit, sagt Molicki. Im Vordergrund stand der künstlerische Anspruch. „Eigentlich“, sagt der Kunstkultur-Vorsitzende deshalb, „war jede Ausstellung ein Highlight“.
Doch nicht nur im Kunstraum war der Verein aktiv: Ausstellungen in Cafés, Kliniken und Arztpraxen sowie in der Fenstergalerie des Kunstraums ergänzten über Jahre hinweg das Programm. Hinzu kamen weitere kulturelle Veranstaltungen wie Poetry-Slams, Filmabende, Konzerte, Lesungen, und, und, und. Einen Schwerpunkt bildeten stets auch Aktionen, welche – dem Vorbild der Kunststelen-Aktion folgend – die Bevölkerung aktiv einbeziehen und zum Mitmachen animieren sollten.
Die Intention
Das passt gut zum Grundgedanken von Kunstkultur. Dem Verein sei es immer ein Anliegen gewesen, sagt Molicki, dass Kunst nicht als elitär gesehen werde. „Wir wollten immer die Bürger ansprechen und in unsere Projekte einbeziehen“, betont der Vorsitzende.
Das Ende
Doch nun sind die Tage der zahlreichen Vereinsaktivitäten gezählt. Den Grund bringt Molicki auf den Punkt: „Ich habe noch ein paar andere Ideen“, begründet er seinen Rückzug von der Vereinsspitze. Bereits seit Langem ist Molicki daher auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden, hat bereits Aufrufe unter den Mitgliedern gestartet. Doch es fand sich keiner, der die ehrenamtliche Verantwortung übernehmen will.
Zwar hätte der Verein auch noch weiter bestehen können, sagt Molicki – aber eben nicht mehr, so wie bislang, mit ganzer Energie. Und das Risiko, dass die Aktivitäten des Vereins immer weiter einschlafen, wollten die Verantwortlichen nicht eingehen. „Das wäre einfach schade“, findet Molicki. Dann doch lieber ein Glanzlicht zum Schluss. Das hat der Verein nun mit seiner letzten und bislang größten Jahresausstellung gesetzt. „Man muss es nicht nur anfangen, sondern auch beenden können“, bilanziert der Vereinsvorsitzende.
Die Zukunft
Auch mit der Vereinsauflösung ist es mit Kunst in der Gartenstraße noch nicht vorbei: Alexander Höllwarth wird das kulturelle Erbe des Vereins antreten und aus dem Kunstraum eine Kunstgalerie machen. Was hier geplant sei, „hört sich sehr positiv an“, findet Molicki. Er freut sich, dass Kunst und Kultur nach wie vor in Königsfeld vertreten sein werden.
Letzte Gelegenheit
Geöffnet
Die Jahresausstellung unter dem Titel „Die Letzte“ ist noch an diesem Wochenende zu sehen – am Samstag, 16., und Sonntag, 17. Dezember, jeweils von 15 bis 17 Uhr. Zu sehen sind Werke von etwa 70 Künstlern.
Abschiedsfeier
Am dritten Advent, Sonntag, 17. Dezember, feiert der Verein eine kleine Abschiedsfeier im Kunstraum. Ab 14 Uhr ist neben kurzen musikalischen und literarischen Einlagen auch Raum für weitere Beiträge. Zudem wird sich Alexander Höllwarth, der fortan als Galerist in den Räumen in der Gartenstraße wirken wird, vorstellen.