Iryna Koritsa zeigte dem Publikum, was mit Hula-Hoop-Reifen alles möglich ist. Foto: Köncke

Eine Artistin, die auf einem Reifen balanciert, ein Bauchredner, der zaubern kann, ein Akrobat mit Kunststücken an der Decke, ein Moderator als „Stahlorgel“ unter den Studienräten – das Varietè im Simmersfelder Festspielhaus hat die Erwartungen mehr als erfüllt.

Karl Heinz Helmschrot stellte bereits in 2022 auf Einladung der Simmersfelder Kulturwerkstatt ein Programm mit Künstlern zusammen, die ihr Geld wert waren. Diesmal hat sich der Entertainer und Komödiant nochmals übertroffen. Zwei Stunden lang wurde im Festspielhaus mitgefiebert, gestaunt, gelacht, begeistert in die Hände geklatscht und nachgeplappert.

 

Die Entscheidung des Veranstalters, Helmschrot mit anderen Athleten und Magiern noch einmal zu engagieren, hat sich als goldrichtig erwiesen. Und weil beide Vorstellungen am gleichen Tag restlos ausverkauft waren, kam man auch finanziell über die Runden.

2022 hatte sich Helmschrot mit Tischtennisbällen im Mund über die englische Sprache lustig gemacht und auf der Gitarre einen mitreißenden Flamenco gespielt; diesmal schlüpfte er in die Rolle eines strengen, gymnasialen Deutschlehrers und hatte im „Unterricht“ seinen besonderen Blick auf Hagemann, Walddorf-Helmut und das von ihm verehrte, liebreizende Fräulein Hehl in der ersten Reihe geworfen und verteilte, wie es sich für einen Pauker gehört, zum schallenden Gelächter im Saal „Spezialnoten“. Einmal holte er alle drei auf die Bühne und ließ sie als Doktor Faustus, hechelnden Mephisto und bravem Gretchen schauspielern.

Das Reich der Illusionen

Den Reigen der Künstler eröffnete Mr. Wow, alias Adrian Degreef, und entführte das Publikum ins Reich der Illusion. Aus seinem Tablet purzelten ein hartgekochtes Ei und Bälle in unterschiedlichen Farben, die er zur Überprüfung der Echtheit von Zuschauern bestätigen ließ. Wassili Urban aus Berlin tauchte anschließend als Marionette im Scheinwerferlicht auf und stolzierte mit mechanischen Muskelkontraktionen und Muskelentspannungen wie ein Roboter über das Parkett.

Sina Lynn Kiekbusch aus Köln schwebte mit einem Reifen über die Bühne, um im nächsten Augenblick mit schnellen Drehungen Tempo aufzunehmen. Eine Augenweide war dann auch die aus der Ukraine stammende Iryna Koritka. Mit eleganten Schwüngen ließ sie bis zu fünf Hula-Hoop-Ringe über ihre Hüfte und den ganzen Körper kreisen und hangelte sich beim zweiten Auftritt in großer Höhe mit gestreckten Beinen und Armen von einem Eck ins andere eines stählernen Apparates.

Mit Akrobatik in der Höhe zog dann auch Ihor Yakymenko die Gäste in seinen Bann. Foto: Köncke

Nach der Pause präsentierte sich Adrian Degreef als Nachfahre des Gabelverbiegers Uri Geller und brachte danach als Bauchredner seinen kleinen Freund Fluffi und ein sprechendes Gebiss mit, die viel zu erzählen hatten. Gefeiert wurde er auch für seine nächste Nummer, Diabolos mit rasender Geschwindigkeit in die Luft zu werfen, sich dabei zu drehen und die Kugeln wieder mit traumwandlerischer Sicherheit aufzufangen.

In schwindelerregenden Höhen

Ein weiterer Höhepunkt war der muskelbepackte Ihor Yakymenko,der auf einer Stange bis unter das Dach des Festspielhauses kletterte und dort mit nur einem Arm – der zweite und beide Beine hingen waagerecht – in der Luft hing und und riskante Schwünge vollführte, dass den Zuschauern der Atem stockte und der Beifall nach seinem Abgang nicht enden wollte.

Zwischendurch warf Helmschrot gekonnt mit Keulen, deklamierte Goethe, wälzte sich dazu auf den Boden und trieb auch sonst allerlei Schabernack. Das Publikum amüsierte sich königlich und verabschiedete die Künstler nach dem gemeinsamen Erscheinen auf der Bühne mit einem donnernden Schlussapplaus. Schon heute freuen sich nicht wenige auf das nächste Varieté der Kulturwerkstatt zwischen den Jahren.