Wolfgang Grupp junior erzählt von der Trigema-Familienkonstellation und Automation im Textilbereich. Und er verrät, was er anders machen würde als Harry und Meghan.
Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat angekündigt, in diesem Jahr seine Firmenanteile an seine Frau Elisabeth zu überschreiben, die dann binnen Jahresfrist über die Nachfolge zwischen ihren Kindern Bonita und Wolfgang Grupp junior entscheiden soll.
Unserer Redaktion erzählt Wolfgang Grupp junior, wie Aufgaben schon jetzt aufgeteilt werden – und wann das „Junior“ in seinem Namen zu Verwechslungen führt.
Herr Grupp junior, bei den Interviews der beiden möglichen Trigema-Erben haben wir nach dem Motto „Ladies first“ zuerst Ihre Schwester befragt. Heute sind Sie dran, ich hoffe, das ist okay für Sie.
Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn nur einer von beiden zu einem Interview gefragt wird. Meine Schwester und ich haben sehr ähnliche Ansichten. Bei manchen Verpflichtungen für Trigema reicht es völlig, wenn einer von uns teilnimmt. Bonita vertritt uns sehr gut, was man ja auch bei der Podiumsdiskussion beim Neujahrsempfang des Landratsamtes gesehen hat. Wir teilen uns solche Aufgaben in der Familie gerne auf, das ist doch das Schöne.
Wolfgang Grupp junior, Sie haben den gleichen Vornamen wir Ihr berühmter Vater. Kommt es da manchmal zu lustigen Verwechslungen? Wenn ja, zu welchen? Erinnern Sie sich spontan an eine?
Direkte Verwechslungen im persönlichen Kontakt gibt es nicht. Aber am Telefon schon manchmal. Dann sage ich: Freuen Sie sich nicht zu früh, ich bin der Falsche. Aber das ist dann gleich ein netter Aufhänger am Gesprächsanfang. Allerdings ist mein Vater in letzter Zeit, ob bewusst oder unbewusst, in den sozialen Medien wie Instagram oder LinkedIn sehr stark vertreten. Da werde ich dann manchmal aus Versehen getaggt.
Geht einem dann das „Junior“ auch ein bisschen in Fleisch und Blut über, um Verwechslungen zu vermeiden?
Ich schreibe das „Junior“ ganz bewusst dazu, damit man weiß, es kommt von mir. Nicht, dass mein Vater dann seinen Kopf hinhalten muss, wenn ich etwas anstelle (lacht).
Sie haben eine eigene große Wohnung, aber im Haus der Eltern – das habe ich gelesen, stimmt das noch?
Nicht ganz, ich habe eine eigene Wohnung, die nicht weit von meinem Elternhaus entfernt ist.
Aber Sie sind eng mit Ihren Eltern verwoben, arbeiten im gleichen Betrieb, treffen sich zu gemeinsamen Essen in der Familienvilla und sicher auch manchmal, um gemeinsam über geschäftliche Entscheidungen zu diskutieren. Wie lebt es sich, wenn man im Alter von 31 Jahren noch so nah bei Mama und Papa ist?
Ich lebe ja nicht mehr bei meinen Eltern, aber klar, ich bin automatisch viel dort. Das ist schön, da können wir immer wieder geschäftliche, aber auch private Dinge besprechen. Aber man muss auch seine eigene Basis finden und sein eigenes Leben aufbauen. Ich glaube, da ist eine gesunde Mischung wichtig. Dass wir alle vier zusammenarbeiten, so etwas gibt es ja in der Konstellation bei anderen Familien sehr selten. Wir sehen uns oft, aber jeder macht auch seine eigenen Dinge.
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Ist Beziehung schwierig, wenn man so nah an der eigenen Familie, so intensiv mit der berühmten Firma Trigema und dann noch im ländlichen Burladingen lebt?
Meine Freundin wohnt in München. Ist es schwierig? Ich glaube, es ist für sie schon herausfordernd. Es ist eben nicht ganz die Norm. Wenn man hier nach Burladingen kommt, ist der volle Bezug zu Trigema und zu meiner Familie schon ziemlich präsent. Aber da haben wir uns mittlerweile sehr gut arrangiert.
Herr Grupp, Ihr Vater feierte seinen 75. und 80. Geburtstag in Dubai. Sie hatten Ihre Freundin bei der Geburtstagsfeier 2022 in Dubai dabei und Ihre Schwester hat betont, Sie alle kommen gut miteinander aus?
Sie war dabei und ja, wir kommen alle gut miteinander aus. Meine Freundin kennt das ja mittlerweile. Man muss sich auf das Leben mit Trigema und Grupp einstellen. Aber es ist auch schön. Es klappt bei uns aber sehr gut.
Zu Burladingen. Ein gescheiter Mensch hat mal gesagt: „Provinz gibt es nur im Kopf.“ Würden Sie diese Ansicht teilen?
Ja, denn ich glaube, Burladingen und die Region haben große Vorteile, man ist nicht so anonym wie in einer großen Stadt, man kennt sich, fühlt sich zu Hause. Nur als Beispiel: Beim Pizzaholen hatte ich unlängst mein Bargeld in der Eile komplett vergessen. Da hieß es: Kein Thema, bringen Sie es morgen mit. Das habe ich natürlich dann auch gemacht. Das wäre in einer Stadt schon viel schwieriger.
Das ist hier in Burladingen das Persönliche, man hat den Stress nicht. Man macht doch die sogenannte Provinz auch so, wie man selbst ist. Denn eigentlich ist man von hier ja auch überall schnell. Ich bin jemand, der gern auch mal die Mischung mit einer großen Stadt hat, in München, in Stuttgart. Ich habe ja auch in London studiert. Aber ich fühle mich sehr wohl in Burladingen.
Stichwort London. Sie und Ihre Schwester waren teilweise zeitgleich zur Ausbildung in London. Wie war Ihr Studium?
Ich habe zuerst BWL und dann Politikwissenschaften studiert. Rein aus Interesse und das gefiel mir auch sehr gut. So ein Fach gibt dir das „big picture“, das große Bild.
Interessieren Sie sich für die britischen Royals? Das Thema Harry und Meghan kochte ja ziemlich hoch?
Jaaaa (zögerlich). Ich bin schon so leicht eine Gossip-Person (schmunzelt). Es interessiert mich? Nein, aber ich muss sagen, ich finde die Royals als Institution faszinierend. Weil, klar, sie kosten sehr viel Geld, aber sie geben England auch viel zurück.
In London durfte ich die Hochzeit von Meghan und Harry und noch einige Jubiläumsfeierlichkeiten der Queen miterleben. Da feiert die ganze Stadt. Es ist ein Riesending. Die Leute campen dort, um das erste Mal ein Royal Baby zu sehen. Die Royals geben dem Land eine gewisse Eleganz. Und in Deutschland gibt es ja Zeitschriften, die sich nur damit beschäftigen. Ich glaube, Deutschland würde es auch feiern, wenn wir noch ein Königshaus hätten. Und ja, Meghan und Harry… (zieht die Augenbraue hoch).
Angenommen, nur mal angenommen, auch Sie würden das alles hier hinter sich lassen, Ihre Freundin schnappen und gehen. Würden Sie dann nachträglich so viele Interviews geben und Privates ausplaudern?
Sicherlich nicht. Was Meghan und Harry machen, finde ich schwierig. Aber es muss hinter den Kulissen viel vorgefallen sein. Ich würde so was nicht machen, weil mein Verhältnis zu meiner Familie, meinen Eltern und meiner Schwester ein ganz anderes ist. So was muss man intern klären und nicht an die große Glocke hängen.
Die Royals werden wohl trotz des Weggangs von Meghan und Harry nicht an Fachkräftemangel leiden. In Deutschland ist das in vielen Branchen, auch bei Trigema, ein drängendes Problem. Sie sind verantwortlich für die Bereiche Automation und Geschäftskunden. Wie schwierig ist Automation in der Textilbranche?
(atmet tief). Die Automation ist extrem schwierig. Aber wir hören es auch von anderen Branchen. Alle sehen das große Problem vom Fachkräftemangel in der Zukunft. Wir können in Deutschland nur weiterhin produzieren, wenn wir auch die Personen haben, die bereit sind, in der Textilbranche zu arbeiten.
Deswegen versuchen wir, mehr Mitarbeiter zu bekommen, auch aus dem Ausland. Wir würden, vor allem in der Konfektion, sofort einstellen.
Was ist denn keine Handarbeit bei Textil?
Genau, was ist keine Handarbeit? Wir arbeiten in puncto Automation mit einer Firma zusammen, sie machen Fortschritte bei der Entwicklung, aber doch deutlich langsamer als erhofft. Aber wir müssen es versuchen, denn wir sehen langfristig keine Alternative.
Welche Prozesse können denn überhaupt automatisiert werden bei Textil?
Es gibt immer wieder neue Automaten und damit auch Qualitätsverbesserungen. Aber wo man etwas mehr verbessern kann, ist im Ablauf. Da können durch Automation und Optimierung Stellen wegfallen, die nur Administratives, Organisatorisches machen – und diese Mitarbeiter könnten wir dann zum Beispiel in der Konfektion einsetzen. Wir haben viele Frauen mit Familie. Da kann man manches in Zukunft vielleicht flexibler gestalten. Wenn es reinpasst, auch bei Arbeitszeiten flexible Modelle anbieten.
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Welche Kontakte brauchen Sie, um die Automation für die Zukunft von Trigema voranzutreiben?
Unsere Automatisierungspartner sind absolute Experten, allerdings ohne viel textiles Know-how. Aber sie gehen mit einer offenen Sichtweise heran. Man muss das gesund zusammenbringen. Wenn wir die Vollautomatisierung anpeilen und dann eine Teilautomatisierung hinkriegen, dann sind wir schon einen Schritt weitergekommen. Ich glaube, wir müssen ein bisschen in Visionen denken.
Vieles wird nicht funktionieren, das sage ich ganz ehrlich. Aber nur mit mehr Automation können wir den Standort Deutschland halten. In der Textilbranche gibt es einige, die zur Automation sagen: Geht nicht, das ist Wunschdenken. Aber ich sage: Wenn man es nicht versucht, weiß man es auch nicht.
Geschäftskunden, auch das ist Ihre Domäne. Was unterscheidet diese vom Otto-Normal-Jogginghosen-Käufer oder der über 60-jährigen Emma Musterfrau, die in Ihrem Testgeschäft ein buntes T-Shirt sucht?
Der eigentliche Geschäftskunden-Einkäufer unterscheidet sich von den Privatkäufern fast nicht. Die Leute, die wir als B2B-Kunden (B2B bedeutet Business to Business, ein Unternehmen geht Geschäftsbeziehungen mit anderen Unternehmen ein, Anm. der Redaktion) bekommen, sind sicherlich viele, die sagen: Im Privatbereich habe ich einen Artikel von Trigema an, der einfach gut ist, und jetzt wollen wir diese Qualität auch für unsere Firma haben.
Wir haben natürlich auch diejenigen, die sagen, wir finden die Geschäftsphilosophie gut oder die, die sagen, sie finden die Geschäftsführung meines Vaters sehr gut. Aus Überzeugung von der Qualität und weil wohl viele auch die Werte meines Vaters irgendwie mit kaufen. Das wird eine Herausforderung für die Zukunft.
Stichwort: Ihr Vater. Karl Lagerfeld hat mal gesagt: Wer eine Jogginghose trägt, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Ihr Vater, überzeugter Anzugträger, hat sich dem mit ähnlichen Worten fast angeschlossen. Tragen Sie manchmal Jogginghosen?
Ich trage auch mal eine Jogginghose, so ganz privat. Aber eigentlich teile ich die Ansicht von Karl Lagerfeld weitgehend, wenn es um Kleidung in der Öffentlichkeit geht. Es ist oft noch so: Kleider machen Leute.
Es geht darum, dass man sich die Mühe macht, gepflegt zu erscheinen, wenn man jemandem begegnet. Das kann heutzutage für manche auch das edle T-Shirt oder die Designer-Jogginghose sein. Aber im privaten Rahmen, klar, da trage ich auch manchmal eine Jogginghose. Ich möchte ja unser eigenes Produkt auch ausprobieren (lacht).