Mit Pfefferspray bewaffnet oder doch lieber mit einem Wurstbrot in der Hand – wie sollten sich Menschen im Bärengebiet verhalten? Pressesprecher Christopher Schmidt von der Stiftung für Bären gibt hilfreiche Tipps für den Fall der Fälle.
Bärenweibchen Gaia griff in Italien Anfang April einen Jogger im Wald an und tötete ihn. Könnte sich ein solch tragischer Unfall auch im Schwarzwald ereignen? Pressesprecher Christopher Schmidt von der Stiftung für Bären, zu der auch der Alternative Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach beantwortet die Fragen unserer Redaktion.
Vor allem gibt er aber Entwarnung: „Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit bei Null.“ Seit rund 200 Jahren gelten Bären hierzulande als ausgerottet.
Doch in den Nachbarländern der Bundesrepublik sieht es da ganz anders aus. Schmidt bestätigt: „In Italien, Frankreich, der Schweiz, Spanien, Slowenien und in der Slowakei gibt es gesunde Bärenpopulationen. Auch in Skandinavien.“ Die Wahrscheinlichkeit für ein Aufeinandertreffen mit einem Bären im Urlaub sei dennoch recht gering. Schmidt rät: „Man sollte ein Treffen tunlichst vermeiden.“
Bär und Urlauber haben Herzklopfen
Sollte es aber dazu kommen, heißt es: „Ruhe bewahren! Herzklopfen hat man sowieso, ob man will oder nicht. Aber“, sagt Schmidt, „dem Bären geht es genauso. Der Bär will keine Verletzung. Er würde nicht aus Jux und Tollerei sein Leben riskieren.“ Daher solle man dem Tier die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen. Auf gar keinen Fall sollte man mit einem Stock oder ähnlichem auf das Wildtier losgehen. Richtig sei: „Augenkontakt vermeiden und leise entfernen.“ Neutrales Verhalten sei in einer solchen Situation angebracht.
„Der Bär ist kein aktiver Jäger“, erklärt Schmidt. Sollte man sich in seiner Gegenwart aber falsch verhalten, „ist das ein Duell, das man nicht gewinnen kann“.
Gulaschsüppchen und Wurstbrot locken Bären an
Sinnvoll sei es, sagt der Experte, im Bärengebiet ein Pfefferspray mitzuführen. „Anlocken sollte man Bären nicht.“ Das passiere auch, wenn man „mit Wurstbrot in der Hand durchs Bärengebiet spaziert oder sich ein Gulaschsüppchen im Wald kocht“, warnt Schmidt.
„Bären sind super individuell. Man weiß nicht, welche Geschichte ein Bär hinter sich hat.“ So sei der Grund für das Verhalten von Jurkas Familie beispielsweise der, dass die Bärenmama angefüttert wurde. Sie habe dadurch die Scheu vor Menschen verloren. Das ziehe sich nun durch Jurkas ganze Nachkommenschaft, darunter „Problembär“ Bruno und Gaia.
Es sei zwar auch unwahrscheinlich, während eines Waldspaziergangs auf einen Wolf oder einen Luchs zu treffen, sagt Schmidt, doch wem das passiere, der solle „sich freuen und ein Foto machen. Dann ist das Tier meist schon wieder verschwunden.“ Er gibt den Ratschlag: „Wenn man im Wolfsgebiet unterwegs ist, sollte man auf jeden Fall seinen Hund anleinen.“ Schmidt wünscht sich, dass die Menschen wieder ein realistischeres Bild von Wildtieren bekommen. Durch die Haltung der Tiere beispielsweise in Zirkussen, sei ein völlig falscher Eindruck von Bären entstanden.