Der Gemeinderat Horb beschließt eine Katzenschutzverordnung. Der Tierschutzverein ist unzufrieden und sagt: „So bringt das nicht viel.“ OB Peter Rosenberger: „Das könnte der Einstieg in die Thematik sein.“
Das war eine der längsten, aber auch emotionalsten Debatten im Gemeinderat: Braucht Horb eine Katzenschutzverordnung? Falls ja, welche?
Die BiM-Fraktion hatte den Antrag gestellt. Christina Nuss: „Die Dunkelziffer von freilebenden Katzen ist sehr hoch. Die Tierheime sind übervoll, die Ehrenamtlichen sind erschöpft. Das Ministerium hat ein Förderprogramm eingerichtet, welches 80 Prozent der notwendigen Kosten bis 45 000 Euro jährlich ersetzt. Die Einführung würde unsere Wertschätzung für den Tierschutzverein unterstreichen.“
Katzen-Kastration die Lösung?
Dann bekommt Beatrice Buchmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Horb, Rederecht.
Buchmann: „Immer noch werden Katzenwelpen getötet oder ausgesetzt. Nach Corona hat sich das verstärkt. Überleben die das, vermehren sie sich sehr stark. Die einzige sinnvolle Methode, dem entgegenzutreten, ist die flächendeckende Kastration nicht nur der freilebenden Katzen, sondern auch aller Halterkatzen. Damit sind aber ausdrücklich keine Wohnungskatzen gemeint, die einen abgeschlossenen Garten oder Balkon haben.“
Für die Katzenschutzverordnung gibt es zwei Vorschläge: Kennzeichnungspflicht für alle Katzen, Kastration nur für freilebende Katzen. Oder die schärfere Variante.
Verschiedene Meinungen
CDU-Fraktionschef Michael Keßler: „Wir sehen in der Fraktion keine generelle Kastrationspflicht für alle Katzen.“
Margarethe Rebholz (FD/FW): „Ich bin viel in der Natur. Ich kann kein Problem erkennen. Ich sehe nicht die Notwendigkeit, dass die Kommune eine neue freiwillige Aufgabe beschließt.“
Thomas Mattes (SPD): „Der Vortrag des Tierschutzvereins hat mich überzeugt. Ich bin für die Kastration aller freilaufenden Katzen – auch aller Halterkatzen.“
Wolf Hoffmann (OGL): „Unsere Meinungen sind breit gestreut.“ Wie bei CDU, SPD und FD/FW.
Wenig Problembewusstsein?
Karin Fluhrer (BiM): „Das Schwergewicht des Themas ist nicht ganz im Gremium angekommen. Die Problematik hat im Frühjahr Tierheime, Katzenhelfer und Ehrenamtliche förmlich hinweggefegt. Die privaten Halterkatzen tragen dazu bei, dass die Population bei den Streunerkatzen aufgefüllt wird. Die Kastration der Streunerkatzen reduziert das Problem, löst es aber nicht.“
Kristina Sauter (OGL): „Es muss dem Katzenhalter überlassen bleiben, ob sie ihr Tier kastrieren oder es ihm Mutterglück gönnen wollen.“
Karin Fluhrer: „Katzenwelpen sind etwas unheimlich Schönes. Ich habe aber auch viele Welpen gesehen, die völlig abgemagert mit parasitären Problemen und Infektionskrankheiten aufgefunden wurden. Um dem Tierleid etwas entgegenzusetzen, hat das Bedürfnis des Halters hinter dem Mutterglück der Tiere zurückzustehen. Dazu hat er die Möglichkeit, durch geeignete Netze das Freilaufen seiner Katze zu verhindern.“
„Vielleicht ein Einstieg“
Anton Ade (FD/FW) will wissen, welche Kosten auf die Stadt zukommen. OB Rosenberger: „Außer beim Thema Kastration gibt es keine Kosten. Alle Katzen, die kastriert werden müssen, laufen über unsere Kasse. Wir haben dazu keine Schätzung durchgeführt.“
Dann wird abgestimmt. Für die weitestgehende Katzenschutzverordnung mit Kastration von freilaufenden Halterkatzen gibt es sieben Ja-Stimmen. Abgelehnt.
Für die „kastrierte“ Fassung stimmen 16 Gemeinderäte – auch OB Rosenberger.
Eine Zuhörerin verlässt den Saal und lässt die Tür richtig ins Schloss knallen.
Rosenberger: „Damit gehen wir mit einer Verordnung ins Rennen, die der Antragstellung nicht in Gänze erfüllt. Das ist vielleicht ein Einstieg in die Thematik. Das sagt nicht, dass wir in ein bis zwei Jahren noch einmal neu nachdenken.“
Beatrice Buchmann vom Tierschutzverein sagt draußen: „Das könnte schon früher kommen. In Mannheim hat man in diesem Jahr eine Katzenschutzverordnung wie in Horb eingeführt. Jetzt meldet die Zeitung: Das bringt die Lage nicht in den Griff. Donzdorf (Kreis Göppingen, d. Red.) hat verschärft. Seitdem sind dort die Zahlen der Streuerkatzen um 30 Prozent zurückgegangen.“
Wie weit dürfen Tierschützer gehen?
Grundstück betreten
Ein Streitpunkt in der Diskussion befasste sich mit der Frage: Dürfen die Tierschützer zum Katzenfangen aufs Grundstück?