Das Mahnfeuer ist am Abend des Montags, 15. Januar, schon weit entfernt sichtbar: An der L391 in Grosselfingen Richtung Weilheim haben nicht nur Landwirte gegen die Ampel-Koalition protestiert, „weil es so nicht weitergehen kann“. Einige Eindrücke.
Ein loderndes Mahnfeuer, Dutzende Traktoren, zahlreiche Besucher: Hätte Daniel Beck aus Hechingen-Weilheim, der die Veranstaltung in Grosselfingen mit seinem Team organisiert hatte, mit so viel Zuspruch gerechnet? „Ich hab’s erwartet“, sagt er wie aus der Pistole geschossen, und er ist sich sicher: „Wenn das Wetter besser gewesen wäre, wären viel mehr gekommen.“ Er beobachtet im Hinblick auf den Protest: „Wir werden immer mehr“, inzwischen mache ein immer größerer Teil der Bevölkerung mit, der gemeinsam mit den Landwirten ein Zeichen gegen die Politik der Bundesregierung setzt.
Einmal mehr hat sich in Grosselfingen an der Grenze zu Weilheim einmal mehr die Mitte der Gesellschaft versammelt, um ihrem Unmut auf friedliche Art Ausdruck zu verleihen. Teils haben sie Landwirtschaft, teils aber auch nicht.
Frank Uhl ist vor Ort, „weil es so nicht mehr weitergeht mit der Regierung“. Überall auf der Welt würde Geld verteilt, aber dagegen gelte es, aufzustehen. Bernd Stifel sagt, dass „wir die Rechnung zahlen müssen, für die Politik der letzten Jahre“. Er nennt etwa die Inflationsrate, das Heizungsgesetz, Politiker, die nicht mehr in der Realität lebten.
Von weiter her gekommen ist eine Gruppe aus dem Bereich Horb, die eigens nach Grosselfingen gekommen ist, um ihre Solidarität zu zeigen. Ihnen geht es bei dem Protest, wie augenscheinlich der Mehrheit, auch um die Landwirte, aber nicht nur. Wie Gespräche mit der Horber Gruppe und vielen anderen Besuchern zeigten, geht es den meisten auch um eine verfehlte Politik zum Schaden der Bevölkerung. Stichworte wie die Gastro-Mehrwertsteuer-Erhöhung, CO2-Steuer, die generell hohe Steuerbelastung des Otto-Normal-Verdieners und die Sorge um den Erhalt des Mittelstands sind vor Ort immer wieder zu hören. Insbesondere den Landwirten geht es natürlich auch um die KfZ-Steuer und die Steuererleichterungen beim Agrardiesel.
Die Besucher sind zwar gekommen, um ihre Meinung gegen die Politik kund zu tun, doch die Veranstaltung hatte auch einen sozialen Aspekt. Die Jägen aus Rangendingen und die Metzgerei Haid aus Bad Imnau haben Würstchen für den guten Zweck verkauft. Gespendet hat auch die Metzgerei Heck aus Haigerloch-Stetten, eine Kameradschaft aus Weilheim verkaufte Getränke, ebenfalls auf Spendenbasis. Das Geld geht an krebskranke Kinder und an den Verein Mukoviszidose.
Während die einen Würstchen verkaufen, wummern aus den Lautsprechern Schlager-Lieder, Rammstein, aktuelle Pop-Songs. Kinder bauen am Rand des Geländes einen Schneemann, während andere die Wärme des Mahnfeuers genießen. So hat der Protest auch ein bisschen Volksfestcharakter mitten im Winter erhalten.