Die Blockadeaktion bei Heckler & Koch steht kurz bevor. Am Freitag wollen Demonstranten von "Rheinmetall entwaffnen" die Produktion lahmlegen. Mit wie vielen Teilnehmern und vor allem mit wie viel Chaos und Krawall ist zu rechnen? Wir haben mit einem Vertreter der Gruppe gesprochen.
Kreis Rottweil - "Die Idylle trügt" steht auf dem Flyer, mit dem – vor allem im Netz –deutschlandweit für die Aktion geworben wird. Darauf zu sehen: Die Oberndorfer Stadtkulisse, eingerahmt von Maschinengewehren. Der Aufruf ist eindeutig: Heckler & Koch blockieren" lautet die Mission für den 8. Oktober. Doch was genau ist geplant? Ein Sprecher äußert sich im Gespräch mit unserer Redaktion zu den Details.
Detaillierte Planung
Dass die Rüstungsgegner einen eigenen Pressesprecher haben, zeugt von deren strukturiertem Vorgehen. Die Aktion gegen den Waffenhersteller Heckler & Koch in Oberndorf wird im Netz seit Wochen genaustens geplant.
Wie viele Teilnehmer allerdings tatsächlich anreisen werden, lasse sich nur schwer abschätzen. "Wir rechnen mit mehreren Hundert", sagt der Sprecher. Es komme unter anderem darauf an, wie viele Menschen aus dem Süden des Landes sich der Aktion anschießen. Die Aktion sei zwar in dieser Form für das Bündnis "Rheinmetall entwaffnen" nicht neu – im Süden Deutschlands sei man bislang aber wenig in Erscheinung getreten. "Wir haben uns deshalb diesmal für Heckler & Koch in Oberndorf entschieden, auch deshalb, weil wir das Thema Kleinwaffen bislang noch nicht so auf der Agenda hatten", sagt er.
Inzwischen ist auch klar, dass es ein "Tribunal von unten und links" geben wird. Ab 10 Uhr soll direkt vor dem Unternehmen auf dem Oberndorfer Lindenhof "die Geschichte Oberndorfs als Rüstungsstandort" sowie "das dunkle Kapitel der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus bei Mauser und die Nazivergangenheit der Firmengründer von Heckler und Koch" thematisiert werden. Dazu ist auch Lothar Eberhardt, ursprünglich aus Horb und jetzt in Berlin lebend, geladen, der sich durch Veröffentlichungen und Aktionen zur NS-Zwangsarbeit einen Namen gemacht hat. Schwerpunkt des Tribunals sei "die Rolle der sogenannten Kleinwaffen bei der Befeuerung der weltweiten Konflikte".
Vertreter aus Mexiko
Mit Blick der laut Organisatoren "illegalen Waffenlieferungen in Unruheregionen Mexikos" werden auch Vertreter einer aus Chiapas/Mexiko angereisten Delegation der Zapatistas und Vertreter der Nationalen Koordination der Indignen aus Mexiko (CNI) anwesend sein. "Es ist uns wichtig, unsere Inhalte zu vermitteln", sagt der Sprecher.
Also alles ganz friedlich? Natürlich, so erklärt er auf Nachfrage, sei das Ziel, an diesem Tag die Produktion bei Heckler zu "stören" – was aber nicht bedeute, dass man das Gelände stürmen wolle. "Wir legen es nicht auf Krawall an", meint er. Mittel des "zivilen Ungehorsams" seien aber dennoch angebracht, um öffentliches Interesse für die Sache zu schaffen.
Ob sich tatsächlich alle Teilnehmer aufs "Stören" und das Transportieren von Inhalten beschränken oder doch eher auf Krawall aus sind, wird sich am Freitag zeigen. Wie bereits berichtet, nimmt die Polizei die Sache ernst und ist auf unterschiedliche Einsatzlagen vorbereitet.
Auch Heckler & Koch ist in Alarmbereitschaft. Unter anderem wurde zusätzlicher Stacheldraht ausgerollt. Dem Vernehmen nach soll die Belegschaft am Freitag in reduzierter Zahl anwesend sein.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es am Freitag rund um den Lindenhof zu einigen Verkehrsbehinderungen kommen. Wir werden aktuell berichten.