Die Parkplätze oberhalb des Stadtgartens sollen wegfallen, die Straße entsiegelt werden. Eine Durchfahrt ist indes ohnehin meist nicht möglich – weil der Weg von einer Schranke versperrt wird. Foto: Klormann

Die Schulgemeinschaft des Hermann-Hesse-Gymnasiums wehrt sich dagegen, dass beim Umbau des Areals Stellflächen verloren gehen. Und es bestehen Sorgen, ob die Straße ganzjährig befahrbar bleibt. Die Stadtverwaltung verteidigt das Vorhaben indes – und findet dafür klare Worte.

Der Stadtgarten soll sein Gesicht verändern. 1,5 Millionen Euro stehen dafür bereit. Die geplanten Maßnahmen können sich sehen lassen: neue Wege, Sitzmauern und Treppen, ein Erlebnissteg, Rutschen und einiges mehr.

 

Wie sich zeigt, wird nicht jedes Vorhaben begrüßt. Denn unter „einiges mehr“ fallen auch die im Volksmund „Lehrerparkplatz“ genannten Stellflächen, die ersatzlos gestrichen werden sollen. Dagegen spricht sich die Schulgemeinschaft des Hermann-Hesse-Gymnasiums (HHG) in einem offenen Brief deutlich aus.

Was fordert die Schulgemeinschaft?

Im Wesentlichen geht es um zwei Punkte: Einerseits müsse das Stadtgarten-Konzept weiter Parkplätze vorsehen oder es müssten Alternativen her – beispielsweise in der Verlängerung der Hermann-Haffner-Straße. Andererseits gelte es zu gewährleisten, dass das Gymnasium auch über die Schillerstraße zu allen Jahreszeiten öffentlich anfahrbar bleibt. „Durch die Entsiegelung befürchten wir einen Zugang, der nur eingeschränkt genutzt werden kann“, steht dazu im Schreiben.

Wie ist die Parkplatzsituation beim HHG?

Wie die Schulgemeinschaft ausführt, verfüge das HHG aktuell über sieben feste Parkplätze. Sechs weitere unterhalb des Haffnerbaus seien wegen des fehlenden Winterdienstes nur eingeschränkt nutzbar. Die 19 Stellflächen am Stadtgarten sind seit dem 1. April 2018 nicht mehr als „Lehrer-Parkplatz“ vermietet, sondern öffentlich. Dies war nicht zuletzt das Ergebnis einer Bürger-Infoveranstaltung Ende 2017, bei der dies von der Bevölkerung gewünscht worden war.

Was ist laut Schulgemeinschaft das Problem?

Knapp 80 Prozent der etwa 50 Mitarbeiter, so erklärt die Schulgemeinschaft, wohnen nicht in der Innenstadt. Ohne die Parkplätze am Stadtgarten müssten auswärtige Lehrer, die aus westlicher Richtung kommen, noch mehr auf Parkplätze in der vorderen Schillerstraße ausweichen, die jetzt schon „umkämpft“ seien. Hinzu komme, dass täglich teils umfangreiches Unterrichtsmaterial, oft mit zwei vollen Taschen, zur Schule transportiert werden müsse – auch, weil die meisten Lehrer keinen Arbeitsplatz mit ausreichend Platz hätten.

Fehlende Parkplätze seien insofern ein Nachteil gegenüber anderen Schulen – beispielsweise dem Maria-von-Linden-Gymnasium in Stammheim, das über einen großen Parkplatz verfügt – und würden das HHG unattraktiver machen. Bestehende Lehrer suchten deshalb nach alternativen Arbeitsplätzen, neue Kräfte lehnten Jobs am HHG ab. Das sei in den vergangenen Jahren mehrfach geschehen.

Darüber hinaus müssten auch Schüler mit Einschränkungen zur Schule gebracht und abgeholt werden – ebenso jene, deren Wohnorte nachmittags nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

Der Vorschlag des Bürgerforums gehe somit über die Bedürfnisse aller Anlieger (Anwohner, Mitarbeiter, Schüler) hinweg, ohne eine Lösung einzuplanen, womit auch eine massive Verschlechterung des Schulstandorts einhergehe.

Wie reagiert die Stadt auf den offenen Brief?

Calws Oberbürgermeister Florian Kling verteidigt auf Anfrage unserer Redaktion den Plan, die Parkplätze wegfallen zu lassen – und führt eine ganze Reihe Argumente ins Feld.

So gebe es einen Grund, warum die Stellflächen weichen sollen. Dort verlaufe eine der wichtigsten Kalt- und Frischluftschneisen für die Innenstadt. Die im Sommer aufgeheizten Autos und Asphaltflächen ließen den Kaltluftstrom aber abreißen. Bei der Maßnahme handle es sich also auch um eine Anpassung an den Klimawandel – und dass letzterer nicht ohne Anpassung des Mobilitätsverhaltens möglich sein werde, davon seien sicher auch viele Schüler, die sich beispielsweise bei Fridays for Future beteiligten, überzeugt. „Die Schule könnte dabei Vorbild und Vorreiter sein“, meint Kling.

Die Durchfahrt von der Schillerstraße zur Hermann-Haffner-Straße – die außer im Winter für den Winterdienst ohnehin durch eine Schranke gesperrt sei – werde sich indes nicht verschlechtern. Trotz Entsiegelung bleibe sie ganzjährig befahrbar. Zudem eigne sich die Schillerstraße auch gar nicht für Durchfahrtsverkehr in beide Richtungen. Dort würden dadurch regelmäßig Fahrzeuge blockiert und der Fußweg der Schüler gefährdet. Die Anfahrt zur Schule bleibe selbstverständlich weiter möglich – „eine chaotische und ungeregelte Kiss-and-Ride-Anfahrt für Elterntaxis“ könne wegen der Topografie dagegen nicht garantiert werden – das verstärke das Verkehrschaos und gefährde Fußgänger, zu denen auch viele Schüler gehörten.

Parkplätze gebe es indes mehr als 1000 – in den fünf Parkhäusern der Innenstadt, die kostenpflichtig genutzt werden können. „Es ist niemandem zu vermitteln, warum Lehrer sich keinen Stellplatz leisten können, während viele andere Arbeitnehmer in der Innenstadt dies ebenfalls tun müssen“, führt der Oberbürgermeister aus. Ein „Kampf“ um kostenlose Stellflächen sei Teil des Problems und keine Lösung. Im Rahmen einer aktuell laufenden Verkehrskonzeption werde daher auch über ein neues Parkraummanagement nachgedacht.

Die Anlieger seien vor rund einem Jahr zum Bürgerforum – bei dem es vor allem um den Stadtgarten ging – eingeladen und stark vertreten gewesen. Und die Entsiegelung von Stellflächen an der Schillerstraße sei von den Teilnehmern als am wichtigsten bewertet worden.

Nicht zuletzt erklärt Kling, dass die Attraktivität der Schule nicht nur durch kostenlose, bequem erreichbare Parkplätze erreicht werde. Auch eine innovative Ausrichtung, Digitalisierung, Innenstadtnähe, die Endstation der Hesse-Bahn oder Nahversorgung und Dienstleistungsbetriebe in der Nähe gehörten dazu.

Es sei zwar „richtig, dass kostenlose Parkplätze wichtig sind für die Arbeitgeberattraktivität. Die hat aber leider kein Arbeitgeber in der Innenstadt – wie auch in vielen anderen Innenstädten nicht. Daran ist nicht die Stadt schuld, sondern die Topographie im Nagoldtal“, so der Oberbürgermeister.