Der Parkplatz an der Schillerstraße wird bald weichen. Foto: Klormann

Mit 1,5 Millionen Euro sollen die Grünanlagen und Teile des Waldes aufgewertet werden. 90 Prozent des Geldes sind Fördermittel; sobald diese fließen, fällt der Startschuss. Was sicher viele freut: Auch ein inniger Wunsch der Bürger wird erfüllt.

Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Diese Devise könnte für den Calwer Stadtgarten gelten. Denn die dort geplanten Maßnahmen, die in nächster Zeit anstehen, sollen im Idealfall beides verbinden.

 

Vorgeschichte Rund zwei Jahre ist es her, seit die Gruppe „Tourismus, Freizeit, Natur“ des Arbeitskreis Innenstadt erste Ideen für den Stadtgarten präsentiert hatte.

Und auch an die Finanzierung war bereits gedacht worden. 90 Prozent der rund 1,5 Millionen Euro, die die Arbeitsgruppe in Absprache mit der Stadtverwaltung einkalkuliert hatte, sollten von einem Förderprogramm des Bundes kommen – andernfalls wäre der Plan gescheitert. Calw allein könnte die Kosten nicht stemmen.

Wenige Wochen später, Anfang Juni 2021, flatterte der positive Bescheid ins Haus. 1,35 Millionen Euro würden zur „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“, so der Name des Programms, nach Calw fließen. Die Planungen konnten beginnen. Im Sommer 2022 stellte der Karlsruher Architekt Patrick Humpert sein Konzept vor. Nun fehlt nur noch die Rückmeldung durch die Bundesbau Baden-Württemberg, die das Vorhaben aktuell prüft.

Prioritäten In dieser Woche gab Humpert nun im Calwer Gemeinderat einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge. Und darüber, was letztlich umgesetzt werden kann. Denn trotz der hohen Fördersumme müssen Prioritäten gesetzt werden – falls irgendwann das Geld ausgehen sollte.

Zu diesen Prioritäten gehören Wege, Sitzmauern oder Treppen im Georgenäumsgarten, aber auch ein Erlebnissteg (ähnlich dem Lotharpfad im Nationalpark Schwarzwald) im Oberen Stadtgarten. Der Obere Stadtgarten umfasst einen Bereich oberhalb der Hermann-Haffner- sowie der Schillerstraße und ist um ein Vielfaches größer als der Georgenäumsgarten (vom Georgenäum bis zur Schillerstraße).

Apropos Schillerstraße: Die dortigen Stellflächen, im Volksmund auch als „Lehrerparkplatz“ bekannt, fallen ersatzlos weg, die Straße wird entsiegelt – also der Asphalt entfernt und ein durchlässiger Belag aufgebracht. Grund dafür sei die dort verlaufende Kaltschneise, durch die eigentlich kalte Luft in die Stadt strömen und diese kühlen sollte. Unter anderem die im Sommer aufgeheizten Autos hätten dies jedoch bislang verhindert, führte Humpert aus. Eine Durchfahrt werde aber möglich bleiben.

Nicht zuletzt sollen auch mehrere Rutschen gebaut werden, die als Abkürzungen beispielsweise den Schulweg beschleunigen könnten. Ein Vorhaben, das laut Humpert sogar gefördert wird – und das bei einem Treffen des Bürgerforums vor rund einem Jahr unter allen Teil-Ideen die meisten Stimmen erhalten hatte. Ein offenbar inniger Wunsch der Bürger, der nun erfüllt wird.

Ebenfalls als sicher gilt ein „Waldsaal“, eine Überdachung, wo Unterricht, Volkshochschulkurse oder Hochzeiten stattfinden könnten.

So weit, da zeigte sich Humpert auf Nachfrage von Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) zuversichtlich, müsste das Budget selbst dann reichen, wenn die Kosten für die Maßnahmen deutlich anstiegen. Sollte letzteres nicht passieren, stehen beispielsweise noch ein Freischnitt des Gimpelsteins, eine Brücke vom Georgenäumsgarten in die Hermann-Haffner-Straße sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Plan.

Klimaschutz So sehr all das nun nach Freizeitvergnügen klingt, so sehr sollen die Maßnahmen gemäß des Förderzwecks dem Klimaschutz dienen. Die Rutschen beispielsweise als Anreiz, Fahrzeuge stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen. Oder der Waldsaal als Ort für Seminare, die ein Bewusstsein für die Natur schaffen.

Es gib aber auch Vorhaben, die ganz direkt der Umwelt zugute kommen. Freigelegte Felsen für Eidechsen, eine Bienenweide, Gehölz für Vögel, Blumenfelder oder eine Stärkung des Waldes durch resistente Bäume zum Beispiel.

Zeitplan Bis wann all das umgesetzt sein wird, dazu wollte sich in der Sitzung übrigens niemand so ganz festlegen lassen. Fest steht auf jeden Fall: Fließt das Geld, soll es losgehen. Bereits im Mai könnte es so weit sein. Erste (Fäll-)Maßnahmen waren bereits im vergangenen Winter umgesetzt worden. Und: Bis Ende März 2025 muss alles fertig sein. Dann nämlich endet der Bewilligungszeitraum.