Die Verkehrsbelastung belegt in der Thementabelle des Ortschecks des Schwarzwälder Boten einen Platz im Mittelfeld, den achten von 14, um genau zu sein. Reizlos? Keineswegs: Verkehr ist ein Reizthema in Albstadt und wird es wohl noch lange bleiben.
5,77 Punkte und Platz acht in Albstadt, 5,90 Punkte und Platz neun im Zollernalbkreis – die größte Stadt des Kreises scheint einigermaßen repräsentativ für seine Gesamtheit zu sein: Es gibt Dinge, die mehr Freude bereiten, aber auch größere Ärgernisse, das ist offenbar der Tenor. Nichts, was einen um den Schlaf bringen müsste.
Der Schein trügt. Wenn man sich ansieht, welche Themen – von Corona einmal abgesehen – in den vergangenen Jahren besonders hitzig und kontrovers diskutiert wurden, dann war der Verkehr stets mit von der Partie. Momentan erregt die Aussicht auf eine 16-monatige Sperrung der Bundesstraße 463 die Gemüter.
Beim Thema Verkehr wird’s immer hitzig
Die in Albstadt und Umgebung wegen der Aussicht auf periodische Umleitungen über Margrethausen, Pfeffingen, Zillhausen und Stockenhausen, sprich: durch den halben Zollernalbkreis –, die in den genannten Orten, vor allem aber in Laufen, wegen der Aussicht auf Blechkarawanen, Dauerstau, Dauerlärm und Straßensperrungen. 16 Monate mögen keine Ewigkeit sein, aber denen, die es betrifft, werden sie wie eine vorkommen.
„Luxusproblem“, hatten die Laufener zuletzt von boshaften Bürgern des benachbarten Lautlingen zu hören bekommen. Dort wälzt sich seit Menschengedenken der Durchgangsverkehr mitten durch den Ort, und der Tag, an dem der Bau der Umgehung beginnt, ist ebenso wenig abzusehen wie das Ende der heftigen Diskussion darüber, wie sie aussehen und verlaufen sollte. Die Stadt Albstadt hat vor fünf Jahren eine nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer verhängt; eine Ausweitung auf den ganzen Tag ist seit Längerem im Gespräch – und wird wohl mit der Fortschreibung des städtischen Lärmaktionsplans kommen.
Für Tempo 30 gibt es mehrere Kandidatinnen
Und womöglich nicht nur in Lautlingen. Die Ebinger Schillerstraße, wo ebenfalls Radarsäulen über die Einhaltung des nächtlichen Tempolimits wachen, ist eine weitere Kandidatin, desgleichen die Ebinger Langwatte und die Ortsdurchfahrten des Talgangs.
Das wird gewiss nicht nach jedermanns Geschmack sein; die Albstädter sind Flächenstädter und hängen am Privatwagen – wer mag es ihnen angesichts ihrer Topographie verdenken? Man muss kein Poser sein – und auch von denen gibt es einige in Albstadt –, um die zügige freie Fahrt für freie Bürger als unveräußerliches Bürgerrecht anzusehen. Samt Besucherparkplatz im Ebinger Hufeisen.
Das hat nicht zuletzt die Debatte über die Reaktivierung der Talgangbahn gezeigt, die gelegentlich Züge eines Glaubenskrieges annahm. Die Entscheidung des Gemeinderats zugunsten der Bahn ist nach wie vor umstritten in Albstadt; davon legen auch diverse Orts-Check-Kommentare Zeugnis ab: „Talgangbahn verhindern!“ heißt es darin und: „Statt alte Bahnstrecke aktivieren einen durchgehenden Radweg!“
Für eine Fahrradstadt viel zu lückenhaft
Apropos: Kritik am lückenhaften Albstädter Radwegenetz wird in den Zusatzvoten zum Orts-Check kaum weniger oft geäußert als die am Straßenzustand. „Entspricht nicht ansatzweise dem Anspruch einer ‘Fahrradstadt‘“: Wer den Albstädtern unterstellte, ihre Liebe zum Radfahren beschränke sich auf die Statistenrolle beim Bike-Marathon, täte ihnen gewiss Unrecht. Indes mag man sich nicht ausmalen, was wäre, wenn die Stadt Albstadt nach Tübinger oder Kopenhagener Vorbild ganze Fahrstreifen von Hauptverkehrsstraßen fürs Velo reservierte.
Aber auch ohne solche Gewaltstreiche wird sich möglicherweise einiges ändern. Albstadts ÖPNV – dessen Taktung, Spät- und Wochenendangebote von den Orts-Check-Teilnehmern durchaus kritisch kommentiert werden – lebt derzeit vom Bus, doch mit der Talgangbahn, so stellen es sich die Planer vor, könnte eine ungeahnte neue Verkehrsmitteldiversität in Albstadt Einkehr halten, mit Zugankünften im Halbstundentakt, Sammeltaxis, E-Bike-Stationen und was der Dinge mehr sind. Spätestens dann wäre eine neue Orts-Check-Fragerunde fällig.