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Oberndorf a. N. Tempo 30 nur nachts vorgesehen

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Die Verkehrsbehörde lehnt eine ganztägige Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer ab. Foto: Fokussiert – stock.adobe.com

Oberndorf - Er sorgte schon in den Ortschaftsräten für Diskussionen und nun auch im Gemeinderat - der Lärmaktionsplan (LAP). Und auch wenn nun einige Maßnahmen umgesetzt werden, so blieb bei manchem Stadtrat wohl das Gefühl, kaum einen Schritt weiter gekommen zu sein.

Das Land hatte die Stadt Oberndorf dazu aufgefordert, einen Lärmaktionsplan in Auftrag zu geben. Für eine Verkehrszählung und Befragung sowie für die Verfahrensbegleitung fielen dabei Kosten von insgesamt rund 50.000 Euro an.

Als Hauptlärmquelle hatte sich die A  81 herausgestellt. Zudem waren Abschnitte der Ortsdurchfahrten der L  424 (ehemalige B  14) und der L  415 zu betrachten, die von mehr als 8200 Autos pro Tag frequentiert werden.

Tempobeschränkung abgelehnt

Als gesundheitskritisch werden Werte von mehr als 65 dB(A) am Tag - so wird der Schallpegel gemessen - oder mehr als 55 in der Nacht gesehen. Vordringlicher Handlungsbedarf besteht laut Gutachten bei mehr als 70 dB(A) am Tag und mehr als 60 nachts. Entsprechende Werte habe man in folgenden Bereichen gemessen: L  415 (Rosenfelder Straße, Eugen-Frueth-Straße, Wettestraße, Lindenstraße), Talstraße, punktuell in der Lindenstraße und der Fluorner Straße auf dem Lindenhof, ebenso an der Rottweiler Straße ( L 424), in der Schramberger Straße in Beffendorf und an der L  424 (Balinger Straße) in Bochingen.

Eine ganztägige Tempobeschränkung auf 30 Stundenkilometer in diesen Bereichen, wie es wohl viele erhofft hatten, wurde von der Verkehrsbehörde abgelehnt. Stattdessen stellte man lediglich eine Temporeduzierung in der Nacht in Aussicht, also zwischen 22 und 6 Uhr. Anderenfalls könne es zu Fahrtzeitverlängerungen im ÖPNV oder einer Verlagerung des Verkehrs und einer Verschlechterung des Verkehrsflusses kommen, so die Bedenken.

In Altoberndorf seien die Messwerte nicht hoch genug gewesen, um nächtliches Tempo 30 anzuordnen, erklärte Gutrun Bentele vom Planungs- und Beratungsbüro Kurz und Fischer. Durch eine Reduzierung in der Talstraße, der Eugen-Frueth-Straße, der Lindenstraße und der Rosenfelder Straße könne nachts eine Pegelminderung um 2,5 Dezibel erreicht werden. Damit würden etwa 180 stark Betroffene entlastet. Bei der Bochinger Ortsdurchfahrt seien es 160 Betroffene. Ein Tempo 30 tagsüber würde aber dazu führen, dass mehr Verkehr über Altoberndorf ausweicht, so die Gefahr laut Bentele.

Plan bildet Basis für Antrag

Mit den aus der Erhebung resultierenden Maßnahmen beziehungsweise mit den ausbleibenden war nicht jeder zufrieden. Bochingens Ortsvorsteher Martin Karsten (CDU) sprach sich dafür aus, dem Schutz der Bürger stärker Rechnung zu tragen. "Nachts bringt die Temporeduzierung effektiv nichts", meinte er.

Nachts Tempo 30 zu haben, sei schon ein großer Schritt, fand zumindest Bürgermeister Hermann Acker. Es gebe die Möglichkeit, etwa mit schalldämpfenden Fenstern zu arbeiten, für die man auch Anträge stellen könne, meinte Michael Lübke, Verwaltungsleiter Planen und Bauen. "Ab 70 Dezibel ist es eben schon krankheitsfördernd. Wenn fünf Häuser nicht dazu ausreichen, Tempo 30 ganztägig einzuführen, dann sollte zumindest beim Schallschutz geholfen werden", sagte Karsten.

Jens Glatthaar (FWV) meinte, Beffendorf sei auch stark betroffen. Nur weil die Häuser weiter weg von der Straße stehen als in Bochingen, sei die Belästigung nicht niedriger.

Dieter Rinker betrachtete den LAP als halbe Sache, aus Aktionismus entstanden. Nachts sei die Lautstärke kein so großes Problem. Mit Tempo 30 bestehe zudem an Steigungen die Gefahr, dass man in niedrigeren Gängen fahre und dadurch erst recht Lärm verursache. Wolfgang Schittenhelms (FWV) Bemerkung, dass man sich den LAP auch hätte schenken können, widersprach Acker. Nur mit diesem könne man überhaupt eine Temporeduzierungsmaßnahme beantragen. Ob diese aber dann auch umgesetzt werden, sei noch nicht klar.

Peter Gaberle (CDU) stellte den Antrag, alle Bereiche, in denen der Pegel über 70 dB(A) liegt, ganztägig zur Tempozone 30 zu machen. Dieser Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. "210 Bochinger liegen im gefährdeten Bereich, da muss man einschreiten", gab aber auch Thorsten Ade (CDU) zu bedenken und verglich die Lage mit dem Nichtraucherschutz.

Günter Danner (SPD) appellierte an die Ratskollegen, trotz des Drangs, für den eigenen Ort in die Bresche zu springen, die Gesamtstadt im Auge zu behalten. Verzögerungen im ÖPNV seien aus seiner Sicht nicht vertretbar. Ade meinte, er sei die gleiche Strecke einmal in Tempo 50 und einmal mit 30 abgefahren. Der Unterschied habe gerade einmal 32 Sekunden betragen.

Letztlich wurde der LAP bei einer Gegenstimme von Sven Pfanzelt (Linke) vom Gemeinderat abgesegnet.

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