2023 wird ein neuer OB ins Rathaus Albstadt einziehen. Was es mitbringen sollte, steht schon mal auf dem Weihnachtswunschzettel. Foto: Frauke Riether

Weihnachten ist die Zeit des Wünschens. Was sich viele Albstädter für 2023 wünschen, ist ein Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin, der oder die die Stadt in eine gute Zukunft führt. Hier Ideen unserer Autorin, was auf dem OB-Wunschzettel stehen könnte.

Albstadt - Zwei Kandidaten – Roland Tralmer und Udo Hollauer – stehen schon fest für die Oberbürgermeisterwahl am 5. März 2023. Auf den Sieger warten große Herausforderungen, die er nur meistern kann, wenn er fachlich und menschlich gut gerüstet ist, etwa mit folgenden Eigenschaften:

 

Entscheidungsfreude

Von Workshops, Umfragen und Konzepten, die in der Schublade schlummern, haben die Albstädter die Nase voll. Nun müssen sie endlich umgesetzt werden – dabei muss der neue OB tatkräftig vorangehen und auch im Rathaus klare Ansagen machen.

Ideenlieferant

Klimakrise, Verkehrswende, gesellschaftlicher Wandel: Neue Zeiten erfordern neue Ideen. Ein guter OB liefert sie – oder ist zumindest in der Lage, sie sich dort abzuschauen, wo sie schon funktionieren. Klauen ist in diesem Fall ausdrücklich erlaubt!

Netzwerker

Die Herausforderungen in der neunteiligen Flächenstadt Albstadt warten auf allen Ebenen, quer durch alle Schichten und Gruppen. Wer sie meistern will, muss in der Lage sein, die Beteiligten zusammenzubringen und Synergieeffekte zu erzeugen, zudem Helfer und Verbündete mobilisieren, etwa auf Landes- und Bundesebene.

Durchsetzungsstark

Die Stadtverwaltung Albstadt mit inzwischen rund 900 Angestellten, unter denen auch eigenwillige Zeitgenossen sind, muss der neue OB in den Griff bekommen, damit die Ämter mit- und nicht gegeneinander arbeiten und das Ziel im Mittelpunkt steht, nicht der Ruhm dessen, der darauf hinarbeitet. Was in Albstadt ja schon vorgekommen sein soll. Im Ernstfall muss der Chef auch mal auf den Tisch hauen können.

Impulsgeber

Erfolg zeitigt nur, wer seine Mitarbeiter gemäß ihren Stärken einsetzt und sie aus ihren herauszukitzeln vermag, ihnen aber auch die Lorbeeren dafür gönnt, um sie zu motivieren. Ein Menschenkenner mit der Fähigkeit zum Gönnen können und dem richtigen Gespür für das aktuell Notwendige ist gefragt.

Geradlinigkeit

Heute hü, morgen hott: Dieses Motto gehört in die Reithalle, nicht in die Chefetage eines Rathauses. Geradlinig und authentisch zu sein, sind wichtige Eigenschaften eines Oberbürgermeisters.

Pragmatisch

Allen 46 000 Albstädtern Recht getan, ist eine Kunst, die kein OB kann. Er muss in der Lage sein, das Machbare vom Utopischen zu unterscheiden und die richtigen Prioritäten zu setzen, auch, damit keinen Stadtteil abgehängt wird

Sachkompetent

Bei der großen Anzahl der Sachgebiete in einer Stadtverwaltung Albstädter Ausmaßes kann ein Mitarbeiter seinen Chef schnurstracks hinter die Fichte führen, wenn der sich nicht auskennt. Der OB muss wissen, was geht und was nicht, was sinnvoll ist und was unsinnig, was erlaubt ist und was verboten – oder zumindest wissen, wo er nachschlägt.

Bürgernah

Apropos „dürfen“: Über ihre Rechte sind sich Chefs und Politiker meist schnell bewusst. Mit den Pflichten verhält es sich oft anders. Ein guter OB gibt seine Pflichten nicht ab, wenn er das Rathaus verlässt, fühlt sich zuständig und verantwortlich, ist für seine Albstädter greifbar und ansprechbar – ohne Ansehen der Person und stets auf Augenhöhe.

Repräsentativ

Nicht jede Stadt findet einen Boris Palmer, der in allen Talkshows für sie wirbt als sei sie der Vorhof des Paradieses. Ein repräsentatives Stadtoberhaupt, das reden kann, etwas zu sagen hat und es schafft, durch sein Auftreten einen guten Eindruck von Albstadt zu hinterlassen, sollte es schon sein. Mit einem Wort: Der OB sollte so gut sein wie Albstadt selbst.

Selbstkritisch

Niemand ist perfekt – auch ein Oberbürgermeister nicht. Fein ist’s freilich, wenn der erste Bürger der Stadt sich nicht selbst für unfehlbar hält, Kritik dankbar annehmen kann und zudem fähig ist, seine eigenen Fehler zu identifizieren. Selbstkritik ist wichtig und gerade ein Zeichen von Stärke.

Guter Zuhörer

Nur wer zuhören kann, kann dazulernen. Albstadt mit seiner breitgefächerten Bildungs-, Vereins- und Firmen-Palette hat viele Menschen, denen zuzuhören sich lohnt – schon um deren Ideenreichtum anzuzapfen. Also: Lauscher aufsperren und auf Empfang stellen!

Unkompliziert

Die Spezies der Bürokraten, die es schaffen, einen Sachverhalt so kompliziert zu formulieren, dass sie am Ende selbst nicht mehr verstehen, was eigentlich das Problem war, ist gerade in öffentlichen Verwaltungen weit verbreitet. Wer ein Problem lösen will, muss in der Lage sein, es deutlich zu definieren und den Lösungsweg klar aufzuzeigen, damit möglichst viele mitgehen. Dann ist oft alles viel einfacher.

Humorvoll

Was das Leben als Oberbürgermeister definitiv einfacher macht, ist eine Eigenschaft, die allen Albstädtern zugute kommen wird, wenn der Neue sie denn mitbringt: Humor – sowie die Größe, auch mal über sich selbst zu lachen und sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen.

Ehrlich

15 Wünsche stehen somit auf dem Wunschzettel an den künftigen Oberbürgermeister. Fehlt noch einer? Oh ja, und zwar ein wichtiger: Eine ehrliche Haut wünschen sich die Albstädter – und wir von der Zeitung. Und zwar eine Ehrlichkeit, die ausnahmsweise nicht derjenigen entspricht, von der der große amerikanische Schriftsteller und Journalist Mark Twain spricht: „Das Wichtigste im Leben ist die Ehrlichkeit – wenn man die überzeugend vortäuschen kann, hat man es geschafft!“

Ach, übrigens: Ganz klar, dass all diese Eigenschaften eines guten Oberbürgermeisters natürlich auch eine Oberbürgermeisterin mitbringen darf. Genau genommen stünden bei ihr die Chancen, dass sie es tut, noch viel besser, oder nicht?