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Nagold Firma Häfele stellt Integrations-Weichen

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Häfele-Chefin Sibylle Thierer im Gespräch mit einem ihrer zwölf neuen Auszubildenden, die im Rahmen des Integrationsprojektes eine Ausbildung zum Fachlageristen absolvieren. Foto: Häfele

Nagold - Multikulturell. Das ist für den Beschlagtechnik-Spezialisten Häfele mehr als nur eine Phrase. Zwölf Flüchtlinge, die sich in den vergangenen Monate in einem Auswahlverfahren qualifiziert haben, bekommen Ausbildungsplätze.

Das Familienunternehmen aus Nagold (Kreis Calw) ist auf der ganzen Welt zuhause und unterhält 37 Tochterunternehmen in aller Herren Länder. Das verpflichtet, sagt Firmenchefin Sibylle Thierer, einen besonderen Beitrag zur Integration jener Menschen, zu leisten, die aus der ganzen Welt nach Deutschland geflüchtet sind.

Nach dem Motto "Wenn schon, denn schon" initiierte Häfele ein bundesweit beispielhaftes Leuchtturmprojekt. Während viele Unternehmen sich immer noch schwer tun, Flüchtlingen mit oft mangelhaften deutschen Sprachkenntnissen eine Chance zu geben, machte die 56-jährige Häfele-Chefin Nägel mit Köpfen. Sie konsultierte Mitte vergangenen Jahres, als die große Flüchtlingswelle ins Land schwappte, Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann. Ihre Botschaft: Wenn Nagolds umsatzstärkstes Unternehmen (1,3 Mrd. Euro) einen Beitrag zur Integration leiste, dann sollte es ein richtig großes Projekt werden.

Bürokratie: "Es war ein steiniger Weg"

Dabei taten sich indes manche bürokratischen Hürden auf: "Es war ein steiniger Weg", erklärte Thierer. Gestern nun vermeldete sie im Beisein von Spitzenvertretern der Bundesagentur für Arbeit Vollzug: Zwölf junge Flüchtlinge im Alter von 17 bis 35 Jahren, die sich im Laufe der vergangenen Monate in einem Auswahlverfahren qualifiziert hatten, bekommen bei Häfele – zusätzlich zu 21 weiteren Bewerbern – einen Ausbildungsplatz.

Darunter ein Iraker, der ein Fachabitur vorweisen kann, ein Automechaniker aus Eritrea oder ein Fernmeldetechniker aus Nigeria. Sie alle werden in den kommenden zwei Jahren einen neuen Beruf erlernen, den Häfele bislang nicht anbot: den eines Fachlageristen, eine duale Ausbildung mit zweijähriger Dauer. Im Gegensatz zur Fachkraft für Lagerlogistik, die Häfele bislang in seinen Ausbildungsgängen präferierte, müssen die zwölf künftigen Fachlageristen in der Schule etwas weniger Theorie büffeln und erhalten stattdessen sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur – also vor allem Deutschunterricht.

Für Detlef Scheele, Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit, entscheidet sich draußen in den Betrieben, ob die Integration der Flüchtlinge gelingt oder nicht: "Das ist der Kristallisationspunkt". Und er macht keinen Hehl daraus, dass er sich mehr solcher Leuchtturmprojekte wünscht: "Das ist eine tolle Leistung für den Zusammenhalt im Land."

Ob das Projekt erfolgreich sein wird, vermag selbst Sibylle Thierer nicht vorauszusagen. Aber die Weichen sind gestellt: Weil alle Behörden – von der Stadt übers Landratsamt, der Arbeitsagentur bis hin zu den Schulen – an einem Strang zogen, hat das Projekt auch die letzten Hürden genommen. In der Kaufmännischen Schule wurde eigens eine Fachklasse für die neuen Häfele-Azubis eingerichtet – verstärkt mit vier weiteren Auszubildenden aus anderen Betrieben. Zudem ermöglichte das Calwer Landratsamt den weiter entfernt wohnenden Flüchtlingen den Umzug in den Raum Nagold.

Und auch die Häfele-Belegschaft hat den Slogan "Weltoffener Family-Spirit", Prämisse im Wertekodex des Unternehmens, in die Tat umgesetzt: Azubis übernahmen Patenschaften für die zwölf neuen Kollegen aus aller Welt. Vielfach sind daraus Freundschaften geworden.

Und wie sehr sich die jungen Migranten schon mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, zeigt die Begebenheit, die Martina Lehmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, auf einem Marktplatz erlebte hat. Ein junger Mann stellte sich ihr stolz mit den Worten vor: "Mohammed, Azubi bei Häfele."

Die Häfele GmbH & Co KG ist ein international aufgestelltes Familienunternehmen mit Hauptsitz in Nagold. Gegründet 1923, bedient die Firma heute in über 150 Ländern weltweit die Möbelindustrie, Architekten, Planer, Handwerker und den Handel mit Möbel- und Baubeschlägen sowie elektronischen Schließsystemen. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte die Häfele Gruppe bei einem Exportanteil von 79 Prozent mit über 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro. Geführt wird das Familienunternehmen seit 2003 von Sibylle Thierer (56) in dritter Generation.

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