Voll war die Festhalle Meßstetten gestern beim Bürgerforum, wo spannende Diskussionen stattfanden. Foto: Eyrich

Zum Bürgerforum kommen zahlreiche Bürger und äußern ihre Wünsche. Lothar Mennig: "Die Konversion wird ein langer Weg".

Meßstetten - Nach zwei Stunden war das Bürgerforum "Zukunftskonzept nach Schließung der Zollernalbkaserne" vorbei – doch der Ideensammlungsprozess hat damit erst begonnen. Es war ein guter Anfang am Mittwoch in der Festhalle.

Als "die größte Fehlentscheidung der Bundeswehrreform" hat Bürgermeister Lothar Mennig am Mittwochabend beim Bürgerforum in der Festhalle die Schließung der Zollernalbkaserne bezeichnet – und gleich darauf die sieben Kriterien genannt, welche das Beratungsunternehmen Prognos bei seiner Wirkungsanalyse im Radius von 25 Kilometern um Meßstetten herum analysiert hat: Demografie, Arbeitgeber und Arbeitsmarkt, regionale Nachfrage und Beschaffung, Einzelhandel, Immobilienmarkt, Bildung und kommunale Finanzen. Nach der Vergabe des Großgefängnisses, um das sich Meßstetten beworben hatte, nach Tuningen ruhten die Hoffnungen auf dem Konversionsentwicklungskonzept, kurz KEK, für das im Dezember 2014 fünf bis sechs konkrete Projektideen feststehen sollten, so Menning.

Nachdem Christoph Dickmanns von "cdi-Projekte" – er kümmert sich um die wirtschaftliche Standortanalyse –, Rainer Waßmann von "Planwerkstatt", der die Kaserne unter die Lupe genommen hat, und Josef Bühler von "neuland+", dessen Schwerpunkt auf Tourismus, Freizeit, Sozialplanung und Demografie liegt, ihre Untersuchungsergebnisse vorgestellt hatten, sprudelten die Ideen: Die Bürger waren gefragt, Stichpunkte an Stellwände zu pinnen. Was wünschen sie sich?

Lebensqualität für Jung und Alt: mehr Farbe und Leben in der Innenstadt gehört dazu. Leerstände sollen "bespielt" werden, auch in den Stadtteilen, fasste Bühler zusammen. Außerdem solle Meßstetten noch familienfreundlicher und seniorengerechter werden. Für das Wohngebiet Bueloch gelte es, neue Wohnmodelle zu denken und es aufzuwerten, und ein Tourismuskonzept gelte es gemeinsam mit den Leistungsträgern voranzubringen.

Neue wirtschaftliche Impulse: Die Meßstetter wünschen sich einen Bau- und einen Drogeriemarkt, eine attraktivere Innenstadt und mehr preisgünstige Gewerbeflächen. Das Konversionskonzept gelte es regional aufzuziehen, um Konkurrenzen abzubauen und Synergieeffekte zu organisiere. Außerdem steht ein Tourismus-Marketingkonzept auf der Wunschliste, und manche können sich Meßstetten als Bioenergiegemeinde vorstellen.

Um- und Nachnutzung der Kaserne: Hier reichen die Ideen von einem Solarpark über ein Outlet-Center und einen Campingplatz bis zu einem Freizeitpark und der Nutzung durch die Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Einen Militär-Erlebnispark können sich einige vorstellen. Andere schlagen Unterkünfte für Großveranstaltungen im Landkreis vor, die Nutzung als Schulungseinrichtung oder interkommunales Gewerbegebiet. Nicht zuletzt steht Nutzung durch die Industrie auf dem Wunschzettel.

Alle dürfen sich beteiligen

Wie geht es nun weiter? "Wir werden diese Ergebnisse zusammenfassen und ins Internet stellen", sagte Bühler. Dort dürfen sich alle Bürger des Konversionsraums – er umfasst Meßstetten, Nusplingen, Obernheim, Schwenningen, Straßberg und Winterlingen – sowie weitere Ideengeber beteiligen, Stärken und Schwächen der Gemeinden kommentieren und sogar konkrete Projektvorschläge machen. Letztere würden zunächst nichtöffentlich in Facharbeitsgruppen diskutiert, versprach Bühler. Eine solche gebe es bereits: "Die AG Wirtschaft wird klären, auf welche Schwerpunkte wir setzen müssen", betonte er und forderte alle auf, sich für Facharbeitsgruppen einzutragen. Eine Unter-AG werde sich mit City-Marketing beschäftigen, eine weitere mit Standortentwicklung, Immobilien und Dorfentwicklung. Sollten noch mehr AGs hinzukommen, würden diese im Internet vorgestellt.

Lothar Mennig war am Ende zufrieden mit der ersten Runde: "Drei Dinge haben wir heute erreicht: Information, Aufbruchstimmung und eine Ideenbörse", sagte er und dankte allen fürs Mitmachen. Mennig fügte aber auch hinzu: "So eine Konversion ist ein langer Weg – und den Erfolg kann keiner garantieren."

Weitere Informationen: www.konversionsraum-messstetten.de

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