Mehr als 100 Feuerwehrleute haben in der Nacht auf Donnerstag gegen einen drohenden Großbrand im Wald gekämpft – und gewonnen. Über allem schwebt jedoch die Frage: Wie kam es überhaupt zu dem Feuer im leerstehenden Gebäude der Charlottenhöhe?
Wann oder weswegen sich die ersten Flammen am Mittwochabend durch die marode Bausubstanz des leerstehenden Klinik-Gebäudes fressen, ist aktuell noch unklar. Fest steht: Gegen 22 Uhr alarmiert die integrierte Leitstelle in Calw die Feuerwehren Schömberg und Bad Wildbad zu einem Zimmerbrand im vierten Obergeschoss an der Charlottenhöhe in Schömberg.
Doch dabei bleibt es nicht: Binnen Kurzem schlagen die Flammen auch aus dem Dach. Ein Großbrand mitten im Wald droht.
Großaufgebot
Um das zu verhindern, rückt die Feuerwehr mit einem Großaufgebot an. 107 Kräfte und 22 Fahrzeuge werden am Ende im Einsatz gewesen sein, berichtet Udo Zink, beim Kreisfeuerwehrverband Calw zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch Rettungsdienst und DRK-Ortsverband Schömberg sind mit zwölf Kräften und fünf Fahrzeugen vor Ort und versorgen unter anderem alle Einsatzkräfte mit Speisen und Getränken. Hinzu kommen fünf Beamte und drei Einsatzfahrzeuge der Polizei.
Nicht zuletzt wird zudem der Abrollcontainer Atemschutz aus Calw an die Einsatzstelle beordert, um die Atemschutztrupps mit frischen Atemschutzgeräten zu besorgen. Um die gebrauchten Geräte und das Schlauchmaterial kümmert sich der Gerätewagen der Feuerwehrwerkstatt des Landkreises.
Einsatz unter Lebensgefahr
Zwei Drehleitern und acht weitere Löschrohre sind an diesem Abend im Einsatz. Zehn Trupps kämpfen gegen die Flammen, damit sich das Feuer nicht auf die anderen Gebäude oder den angrenzenden Wald ausbreiten kann.
Was den Einsatz besonders gefährlich macht: Das Betreten des Anwesens ist eigentlich seit vielen Jahren strikt verboten. Der Grund: akute Einsturzgefahr. Die Einsatzleitung entscheidet daher schließlich auch, die Trupps im Inneren des Gebäudes zurückzuziehen und nur noch von außen zu löschen. Denn der ohnehin labile statische Zustand des Bauwerks verschlechtert sich nicht zuletzt durch die großen Mengen an Löschwasser immer weiter.
Drohne hebt ab
Gegen 0.15 wird die Drohne des Gemeindeverwaltungsverband Althengstett zur Einsatzstelle alarmiert, um Brand- und Glutnester effektiver ausfindig machen zu können. Auch Tido Lüdtke, stellvertretender Kreisbrandmeister, ist zur Stelle und unterstützt die Einsatzleitung.
Gegen Mitternacht hat die Feuerwehr den Brand schließlich unter Kontrolle; gegen 0.45 Uhr sind die Flammen besiegt. Der Einsatz jedoch ist längst nicht vorbei. Brand- und Glutnester müssen noch gelöscht werden. Und die Aufräumarbeiten ziehen sich bis in den Morgen hinein. Für die Feuerwehr Schömberg endet der Einsatz erst gegen 10 Uhr. Schuld sind nicht zuletzt die engen Verhältnisse und der Wildwuchs an der Einsatzstelle. Das verlassene Gelände ist vielerorts überwuchert. Immerhin: Verletzt wurde niemand.
Mit der Motorsäge
Allein schon der Weg zum Brandort erweist sich als Problem. Schömbergs Feuerwehr-Kommandant Rainer Zillinger beschreibt es später so: „Der Einsatz hat unter widrigsten Bedingungen begonnen. Bei der Anfahrt zum Brandobjekt musste teilweise der Weg mit Motorsägen freigeschnitten werden. Weiter im Innenhof der Gebäude wurden die Einsatzkräfte behindert, indem erst Mengen von Unrat beseitigt werden musste, damit ein Aufstellen der Drehleiter überhaupt möglich war.“
Weiter appelliert Zillinger, dass ein Begehen der Gebäude aufgrund der massiv beeinträchtigten Statik unter keinen Umständen möglich sei.
Ursache und Ermittlungen
Wie es zu dem Brand in dem verlassenen Gebäude kam, steht bislang indes noch nicht fest. Konkrete Hinweise auf Brandstiftung, so erklärt das zuständige Polizeipräsidium Pforzheim, gebe es bislang noch nicht. Doch wie sonst kam es zu dem Feuer?
„Das ist momentan Gegenstand der Ermittlungen“, erklärt Polizeisprecher Christian Koch auf Nachfrage unserer Redaktion. Die dürften sich nicht ganz einfach gestalten. Denn gerade bei Bränden, so führt Koch aus, gebe es eine Vielzahl möglicher Spuren, die zunächst ausgewertet werden müssen. In jedem Holzbalken könnten sich beispielsweise Reste eines Brandbeschleunigers verbergen – oder auch durch die Flammen vernichtet worden sein. Was erschwerend hinzu kommt, ist erneut die Statik des Gebäudes. Auch Koch unterstreicht, durch den Brand habe sich die Einsturzgefahr „eklatant erhöht“. Keine guten Voraussetzungen für Ermittlungen vor Ort.
Zeugen gesucht
Diese wurden nun übrigens von der Kriminalpolizei übernommen; dort ist auch die Kriminaltechnik angesiedelt. Bei letzterer wiederum arbeiten Spezialisten, die besagte mögliche Spuren auswerten können. Wie lange das dauern wird, dazu lasse sich aufgrund der vielen Herausforderungen keine seriöse Schätzung abgeben.
Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Telefonnummer 07231/1 86 44 44 zu melden.