Auf den ersten Blick scheint es, als würde er mit seinem Flugzeug abstürzen. Doch was Thomas Bader von der Sportfliegergruppe Schwenningen regelmäßig in der Luft praktiziert, ist Kunstflug der Extraklasse. Wie ist er zu dieser ungewöhnlichen Leidenschaft gekommen?
VS-Schwenningen - Beim Benefizfest zugunsten des Hagelabwehr-Vereins am Flugplatz Schwenningen am 7. Mai staunten die rund 1000 Besucher nicht schlecht: Nachdem der Hagelflieger und kurz darauf das Fürstenberg-Fallschirmteam sicher gelandet waren, schnellten die Köpfe wieder in den Nacken mit Blick in den Himmel: Dort raste Thomas Bader mit seinem einsitzigen Kunstflug-Tiefdecker unter den Wolken, stieg senkrecht in die Höhe und – "stürzt er ab?" reagierten die Zuschauer erschrocken. Nein, das gehörte zu seinem Kunstflugprogramm, denn für Bader war es ein "Übungsflug", darauf konnte man nicht kommen. Aber sichtbar erleichtert waren die Zuschauer, als er sicher landete und zum Hangar rollte. Großer Applaus war ihm sicher.
Keine Angst, aber Respekt
Hier wollte die Mitarbeiterin des Schwarzwälder Boten doch etwas genauer wissen, wie der Pilot einen Flieger so beherrschen kann, und ob er vielleicht etwas Angst hat? "Nein, Angst nicht, aber Respekt", erklärt Bader bei einem Treffen am Flugplatz. Er öffnet das Schiebetor am Hangar, und da steht der große Bruder (oder etwa die große Schwester?) des Einsitzers: ein Zweisitzer, genauso elegant und dynamisch, der Pilot sitzt hinter dem Mitflieger, wer immer sich das zutraut: Schuhlöffel nicht vergessen! Bader erklärt das Innere und Äußere des Fliegers, zum Glück hat er alles schriftlich mitgebracht, so schnell kann man sich das nicht merken.
Was hat es mit den Aresti-Figuren auf sich?
Lycoming Motor, 320 PS, 6 Zylinder, 3-Blatt-Propeller, "nur ein Propeller". Klar, ist ja eine einmotorige Maschine. Kohlefaser, extrem hart und sehr leicht, der Flieger. Das Cockpit sieht übersichtlich aus, hat aber genau das, was der Pilot benötigt: manuell verstellbare Ruderpedale mit präzise dosierbaren Fußbremsen, Höhenmesser, elektronischer Beschleunigungsmesser, Magnetkompass, Halterung für Aresti-Figuren, Treibstoffanzeigen und einiges mehr. Auf die Frage was "Aresti-Figuren" sind, antwortet er, dass der Spanier Aresti die Figuren, die geflogen werden, grafisch niedergeschrieben hat.
Nachdem das Schiebetor geschlossen ist, der Flieger guckt ganz harmlos, erklärt Bader, dass ihn Kunstflug immer interessiert habe. Mit Kunstflug beginnt man zwar nicht, aber sein Vater habe ihn schon ganz früh für das Fliegen begeistert. Ab dem zehnten Lebensjahr habe er Modellflieger gebaut, mit 14 Jahren begann Bader mit der Ausbildung zum Segelfliegen, mit 17 Jahren hielt er die PPL-C Lizenz in den Händen.
Know-How aus den USA
Mit 21 Jahren war er Deutschlands jüngster Segelfluglehrer und Besitzer der Kunstfluglizenz. Neben nationalen und internationalen Wettbewerben im Streckensegelflug folgte der Kunstflug. Aber das war noch nicht der Extrem-Kunstflug der Spitzenklasse, den er heute mittlerweile beherrscht. Der normale Kunstflugschein genügte ihm nicht, also ging es ab in die USA zum weltberühmten Airshow-Piloten Sean D. Tucker. Da wurde er extrem gezwiebelt, fünfmal je eine Woche, Trudelvarianten waren eine neue Erkenntnis, ebenso, wie man da unbeschadet rauskommt. Das war extrem, so wie er es wollte.
Übrigens: Seine ersten Loopings und Rollen machte Thomas Bader mit dem Segelflieger – ohne Erlaubnis, den Schein konnte man ihm nicht abnehmen, da er ihn noch nicht hatte. Die Rückenlage sei interessant, man hänge in den Gurten, schildert er sein erstes Erlebnis.
Meisterschaften, Flugtage und Airshows
Heute fliegt er regelmäßig auf Meisterschaften, Flugtagen und Airshows, natürlich Extrem-Kunstflug. Da ist er Deutscher Vize-Meister. Dass er die Meisterschaft anpeilt, dürfte inzwischen klar sein. Bader zeigt auf eine Zeichnung und erläutert, das sei kein Strickmuster, sondern so habe er bei einem Wettbewerb zu fliegen, und dann auch noch in einer imaginären Box von je 1000 Meter Kantenlänge.
Tödlicher Flugunfall des Vaters
Und wenn man die überschreitet? Das gebe Punkteabzug in der Bewertung, so Bader. Deshalb klemmt er sich das "Strickmuster" in das Cockpit – hat also bei diesem Tempo und Programm auch noch Augen dafür. Hatte er schon einen Unfall? Noch nie, aber zweimal habe er einen Motorausfall gehabt, da sei er ohne Motor gelandet. "Jedes Flugzeug kann ohne Motor fliegen", erklärt der Kunstflieger. Ein bitteres Thema ist der Flugunfall seines Vaters, der dabei sein Leben verlor. "Mein Vater und ich hatten ausgemacht, dass, wenn einer verunglückt, der andere weitermacht", beantwortet er die noch nicht gestellte Frage.
Präzision, Können, Mut und Leidenschaft
Kunstflug verlangt Präzision, und die hat Bader verinnerlicht. Studiert hat er Maschinenbau, seine Trossinger Firma "Haas Schleifmaschinen" steht für präzise Schleifmaschinen, die Kunden zum Herstellen von Produkten in der Medizintechnik, Werkzeug-, Luft- und Raumfahrtindustrie einsetzen. Die Schleifmaschine schleift auf 0,001 Millimeter, also 1 µ, genau. Das zeichnet Bader auf und schickt es noch per E-Mail. Schön, aber erfassen kann man das nicht. Also: Präzision, Können, Mut und Leidenschaft machen Thomas Bader nicht nur beim Kunstfliegen aus.