Intensive landwirtschaftliche Nutzung, zum Beispiel Maisanbau, kann die Nitratkonzentration im Wasser erhöhen. Foto: Rehden

Ausnahme von "paradiesischer" Regel: Wasserschutzgebiet auf Gemarkung Betzweiler und Peterzell betroffen.
 

Kreis Freudenstadt - Bei der Nitratkonzentration in Wasserschutzgebieten ist die Situation im größten Teil des Landkreises Freudenstadt laut Hermann Teufel vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt "paradiesisch". Mit zwei Ausnahmen.

Eine von diesen kam neu hinzu: Seit Januar ist das Wasserschutzgebiet Brandeckerquelle und Schrägbrunnen Lambertsteg des Zweckverbands Heimbach-Wasserversorgungsgruppe als Nitrat-Problemgebiet ausgewiesen. Das Wasserschutzgebiet erstreckt sich auf die Gemarkungen Dornhan und Busenweiler im Landkreis Rottweil sowie Betzweiler und Peterzell im Kreis Freudenstadt. Die durchschnittliche Nitratkonzentration im Wasser liegt dort nach Auskunft des Umweltschutzamts des Landkreises Rottweil bei 26 Milligramm pro Liter.

Als Nitrat-Problemgebiet wird ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen, wenn die Konzentration 25 Milligramm oder mehr Nitrat pro Liter beträgt und pro Jahr durchschnittlich um mehr als 0,5 Milligramm ansteigt. Für Trinkwasser gilt ein Höchstwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter.

Für die Verbraucher habe die Einstufung eines Bereichs als Nitrat-Problemgebiet keine Folgen, versichert Hermann Teufel. Aber für die Landwirte, die bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen Auflagen beachten müssen, beispielsweise in der Fruchtfolge.

So muss im Herbst auf abgeernteten Feldern, wenn sie nicht mit Winterraps oder Wintergetreide angesät werden, eine Begrünung erfolgen. Diese, zum Bespiel mit Senf, bindet überschüssige Nitratreste im Boden und verhindert so die Auswaschung ins Grundwasser. Konnte die Fläche nicht begrünt werden, darf in Nitrat-Problem- oder -Sanierungsgebieten nach der Ernte in der Regel weder mineralisch noch organisch gedüngt werden. Ansonsten ist die Düngung grundsätzlich erlaubt, wie Walter Kalmbach vom Landwirtschaftsamt in Horb auf Anfrage unserer Zeitung sagte. Die Landwirte müssten allerdings die komplexen Bestimmungen der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung einhalten. Grundsätzlich gelte für die Bewirtschaftung in Nitrat-Problemgebieten, dass der Boden so wenig wie möglich bearbeitet werde sollte.

Der natürliche Nitratgehalt des Grundwassers liegt nach Darstellung der Europäischen Umweltagentur im Allgemeinen unter zehn Milligramm pro Liter. Erhöhte Nitratwerte seien auf menschliche Einflüsse wie Landwirtschaft, Industrie, häusliche Abwässer und Emissionen von Verbrennungsmotoren zurückzuführen. In der Umwelt können verschiedene Formen des Stickstoffs in Nitrat umgewandelt werden.

"Traumhaft", das heißt unter fünf Milligramm pro Liter, sind laut Hermann Teufel die Nitratwerte vor allem in den Wasserschutzgebieten im westlichen Teil des Landkreises, also im Bereich Seewald, Baiersbronn, Freudenstadt, Alpirsbach und Bad Rippoldsau-Schapbach. Denn dort liegen die Quellen überwiegend im Wald, fernab landwirtschaftlicher Nutzung. Bei intensiver Nutzung landwirtschaftlicher Flächen steigen die Nitratwerte, wie Teufel betont, etwa beim Anbau von Kartoffeln und Mais

Aufgehoben wird die Einstufung als Nitrat-Problemgebiet erst, wenn die Voraussetzungen in drei aufeinander folgenden Jahren nicht mehr vorliegen. Das ist bei zwei bisherigen Problemgebieten im Kreis Freudendstadt der Fall: Die Wasserschutzgebiete Steinerner Brunnen und Doxbrunnen in Horb sind seit Januar wieder Nitrat-Normal-gebiete. Das Sulzer Wasserschutzgebiet Engerstalquellen I und II, das sich im Bereich Dürrenmettstetten, Dießen sowie Unter- und Oberiflingen auch auf den Landkreis Freudenstadt erstreckt, wurde vom Nitrat-Sanierungs- zum Nitrat-Problemgebiet heruntergestuft.

Der Bereich Brandeckerquelle und Schrägbrunnen Lambertsteg ist nun mindestens bis 2016 Nitrat-Problemgebiet. Vom Zweckverband Heimbachwasserversorgung beziehen auch die Alpirsbacher Stadtteile Peterzell, Römlinsdorf und Teile von Reutin ihr Trinkwasser. Zur Verminderung der relativ hohen Härte des Wassers von dem Zweckverband wurde im Wasserwerk Brandeck vor Kurzem eine aufwendige Nanofiltrationsanlage eingebaut.

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