Ida sieht das Leben mit Smartphone differenziert. Foto: Rahmann

Die 16-jährige Ida ist vielseitig engagiert. Viele Mitschüler kennen sie aber eher aus Videos, die sie in Social-Media-Kanälen postet, sagt sie. Schon früh in die digitale Welt hineingeboren, erzählt sie darüber, wie sie mit Internet-Plattformen umgeht und wo sie Chancen und Gefahren von Social Media sieht.

Beim Deutschen Alpenverein (DAV) wird Ida bald Jugendleiterin, hilft schon jetzt beim Klettertraining der Kinder, hat Erfahrungen als Klassensprecherin an der Realschule gemacht und dort auch für die Schülerzeitung geschrieben. Außerdem ist sie bei der Kinderferienspielstadt Ratzgiwatz aktiv. Trotzdem kennen sie die meisten ihrer Mitschüler eher aus der digitalen Welt, wo sie vor allem Tanzvideos postet.

 

Umgang mit Internet in der dritten Klasse behandelt

Mit 14 Jahren habe sie ihr erstes Smartphone bekommen, sagt Ida. Da habe eine ältere Nachbarin ihr die Social-Media-Plattform Tiktok gezeigt. „Das erste, was ich dort gesehen habe, waren Tänze“, erinnert sie sich. „Probier es selber mal aus“, riet die Nachbarin und übte mit ihr Tänze. Durch die Tanzvideos sei sie selbstbewusster und offener geworden – zuvor sei sie eher schüchtern gewesen, sagt Ida. Mit ihren Videos will sie auch anderen Jugendlichen und Kindern vermitteln, dass sie keine Angst haben müssen, ihr Talent zu zeigen. Sie will außerdem „andere Leute inspirieren, dass sie nicht aufgeben sondern weitermachen“.

Auf einem ihrer Tiktok-Videos zeigt Ida unter freiem Himmel eine Tanz-Choreographie. Foto: Screenshot/Tiktok

Wie auf Tiktok üblich, dauern ihre Videos oft nur etwa 15 Sekunden. Die Niedrigschwelligkeit, etwas mitzuteilen, fasziniert Ida. „Wenn ich schreibe, mische ich gerne Deutsch und Englisch“, sagt die in Vietnam aufgewachsene Ida. Auf Tiktok, wo die meisten Benutzer in ihrem Alter seien, müsse sie dabei nicht so sehr auf die richtige Grammatik achten.

Nachrichten von Betrügern

Naiv geht sie an das Thema Social Media aber nicht heran. In ihrer früheren Schule in Vietnam, habe sie bereits in der dritten Klasse Unterricht über die Gefahren des Internets bekommen. Sie hat auch selbst schon unschöne Erfahrungen auf den Plattformen gemacht. Leute, die sie nicht kannte, schrieben ihr, sie solle sich von ihrem Freund trennen oder redeten schlecht über sie. Den Messaging-Dienst Snapchat „finde ich am schlimmsten“, sagt Ida. Hier habe sie Nachrichten von Jungs bekommen, die sie dazu aufforderten, ein Bild von der Hose und dem Shirt zu machen, das sie gerade trägt. Auch Nachrichten von Betrügern bekomme sie. Gegen so etwas „wird nicht genug gemacht“, meint sie. Wenn Mitschülern so etwas passiere, könnten sie sie ansprechen.

Via Computer auf Instagram aktiv war Ida schon bevor sie ein Handy hatte. Ihre Mutter habe aber ein Auge auf ihren Hauptkanal. Ida habe auch einen digitalen Ordner angelegt, indem sie Bilder speichert, die zu privat für eine Veröffentlichung sind. Zudem achtet sie darauf, dass sie keine Bilder aus der Nähe ihres Hauses postet.

Sie frage auch ihre Familie um ehrliches Feedback zu manchen Posts. Wenn Freunde da sind oder sie mit der Familie gemeinsam isst, ist das Handy zudem tabu.

Mit Lernvideos auf Tiktok die Noten verbessert

Eine Zeit lang haben sie in der Familie auch einen Tag eingeführt, an dem alle auf Laptops und Handys verzichten und stattdessen etwas zusammen machen, „was wir sonst mit Handy nicht machen würden“, sagt Ida – zum Beispiel Brettspiele spielen.

Mit Tiktok und anderen Plattformen könne man „viel Zeit verschwenden“, aber sie habe auch viel dort gelernt. Da sie erst vor vier Jahren nach Deutschland und vor drei Jahren nach Hechingen gezogen ist, habe sie beispielsweise über die Facebook-Gruppe „Stadtgeflüster Hechingen“ einiges über die Stadt herausgefunden.

Auf Tiktok habe sie auch Lernvideos für Mathematik und Deutsch angesehen und ihre Schulnoten aufgebessert. „Ich koche öfters für meine Familie“, sagt Ida, die auf einem ihrer Accounts das Rezept für ein Oreo-Keks-Mousse mit Mascarpone postet. Auf Instagram könne sie zudem aus aller Welt „richtig gute Rezepte finden“. Auch dieses Lernfeld will sie ausbauen: Nach ihrer Abschlussprüfung möchte Ida Ernährungsberaterin werden.