Hund ist nicht gleich Hund. Dennoch soll bald in Baden-Württemberg für alle Rassen ein Hundeführerschein verpflichtend sein.Foto: (Symbolfoto) Foto: dpa/Rumpenhorst

Grundsätzlich begrüßen der Verein der Hundefreunde und der Tierschutzverein die Pläne, einen Hundeführerschein einzuführen. In der praktischen Umsetzung sehen sie allerdings zahlreiche Probleme.

Nagold - Laut Koalitionsvertrag der neuen grün-schwarzen Landesregierung werden Hundehalter künftig einen Sachkundenachweis erbringen müssen. Vorbild ist hierbei Niedersachsen, das bereits 2013 den sogenannten Hundeführerschein eingeführt hat.

Noch ist das Vorhaben nicht Gesetz. Dementsprechend offen ist, wie die Regelung später einmal aussehen soll. Um diese Frage ist nun eine Debatte ausgebrochen, die mittlerweile auch Nagold erreicht hat.

So sieht Helmut Kruckau vom Verein der Hundefreunde Nagold (VdH) das Thema zwiespältig. Zum einen begrüßt er das Vorhaben der Koalitionäre, denn: "Nicht jeder, der sich einen Hund zulegt, informiert sich vorab." Zum anderen befürchtet er aber unnötige Nachteile für langjährige Hundebesitzer. "Was wird aus Personen, die seit 30 oder 40 Jahren einen Hund halten? Ich frage mich, was das kosten wird."

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Doch vor allem sorgt sich Kruckau, dass sein Verein durch die neue Regelung außen vor gelassen wird. Denn sollte künftig zum Beispiel das Ordnungsamt die Prüfung übernehmen, könnten die Hundefreunde Mitglieder einbüßen. Denn viele Hundehalter seien nur im Verein, um ihre Tiere zu trainieren.

"Die Leute wollen ihre Hunde ausgebildet haben. Viele bleiben nicht für den Hundesport. Wenn uns das Ordnungsamt das wegnimmt, dann werden die nicht mehr kommen." Daher fordert Kruckau, dass den Hundesportvereinen erlaubt wird, die Prüfung für den Sachkundenachweis selbst durchzuführen.

Profitieren könnte am Ende der Schwarzmarkt

Unterm Strich spricht sich Kruckau für den Hundeführerschein aus: "Es ist schon in Ordnung, so lange man die Vereine mit ins Boot holt und es nicht so teuer gestaltet."

Ebenfalls zwiespältig sieht Sandra Calmbach vom Tierschutzverein Oberes Nagoldtal den Hundeführerschein. Ähnlich wie Kruckau kritisiert sie, dass sich viele Leute einen Hund kaufen, ohne sich vorab zu informieren. Allerdings ist Calmbach skeptisch, ob der Hundeführerschein die richtige Lösung ist.

So glaubt sie nicht, dass dadurch der unbedachte Kauf von Hunden zurückgehen wird. Denn für den Sachkundenachweis müsse man ja schon mit dem Tier trainieren. "Dann ist der Hund ja schon da", meint Calmbach und gibt zu bedenken: "Wenn der Besitzer die Prüfung nicht besteht, was passiert dann mit dem Hund?" Daher hält es Calmbach für sinnvoll – anders als in Niedersachsen – zumindest die theoretische Prüfung schon vor dem Kauf abzunehmen.

Doch Calmbach sieht noch weitere Probleme. "Welches Ordnungsamt hat denn die Kapazität, das zu prüfen?" Ohne Kontrollen würden dann viele den Hundeführerschein umgehen, indem sie ihre Tier gar nicht erst anmelden. "Dadurch wächst dann auch der Schwarzmarkt."

Statt unverantwortliche Hundebesitzer könnte das Gesetz dann vielmehr Senioren treffen, die ihren Hund schon seit Jahren haben. "Von den schwarzen Schafen erwischt man dann kaum jemanden, dafür nimmt man der Omi den Fiffi weg." Eine Regelung wie in Niedersachsen, langjährige Hundebesitzer von der Hundeführerscheinpflicht auszunehmen, würde Calmbach daher begrüßen. "Den Ansatz finde ich nicht schlecht."

Streuner dann nur noch schwer zu vermitteln

Doch auch die Hunde selbst könnten zu Leidtragenden des geplanten Gesetzes werden. Denn ehemalige Straßenhunde oder traumatisierte Tiere zu trainieren, sei oftmals nicht so einfach. Dementsprechend schwerer sei es, mit einem solchen Tier einen Sachkundenachweis zu erhalten. "Für die Tierheime wird es dann schwieriger, die verhaltensauffälligen Hunde zu vermitteln."

Doch vor allem kann Calmbach den starken Fokus der Koalitionäre auf das Thema Hunde nicht verstehen. Denn in der Pandemie hätten sich besorgniserregend viele Leute nicht nur Hunde, sondern eben auch Katzen oder Kaninchen gekauft. Aber auch Exoten wie Schildkröten würden gekauft, ohne sich vorab ausreichend zu informieren. "Dieses Problem kann man mit einem Hundeführerschein nicht lösen."

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