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Horb a. N. Neue Details im Prozess um Mord in Nordstetten

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Das Landgericht in Rottweil beschäftigt sich mit dem Fall von Michael Riecher. Foto: Archiv-Foto: Begemann

Rottweil/Horb-Nordstetten - Stück für Stück kommen immer neue Details im Riecher-Prozess ans Licht. Diesmal gibt es wieder ein neues Schlaglicht auf Iyad B. – sein Bekannter Hesham A. (Name geändert) hatte ihn als "blöd" bezeichnet. Ließ sich der staatenlose Palästinenser beim Überfall und Mord an Michael Riecher vom Mitangeklagten Mohammed O. über den Tisch ziehen?

Der Prozess um den Mord am Nordstetter Immobilienunternehmer Michael Riecher (57). Immer wieder werden die Zeugen intensiv von den Verteidigern befragt. Kärrnerarbeit, die teilweise zum Erfolg führt: So saß am Freitag ein neuer Gutachter im Schwurgerichtssaal: Ralf Kotzian. Der Chefarzt des Vinzenz-von-Paul-Hospitals aus Rottweil soll begutachten, ob der Friseur Hesham A. aussagefähig ist. Die Verteidiger hatten ursprünglich den Antrag gestellt, dass der entscheidende Zeuge sich einem neuropsychologischen Gutachten stellen soll. Der Friseur gilt als einer der entscheidenden Zeugen im Mordprozess. Die Hoffnung der Verteidigung: Mit einem entsprechenden Gutachten könnte dieser Zeuge und seine Aussagen aus dem Prozess rausgenommen werden.

Friseur zu Geldstrafe verurteilt

Hesham A. hatte dem syrischen Flüchtling Mohammed O. seinen Bekannten Iyad B. aus Ludwigsburg als Komplizen vermittelt. Weil O. jemanden suchte, der ein "starkes Herz" hat.

Der Friseur – er wurde am 7. Mai vom Amtsgericht Horb wegen "Nichtanzeigens einer Straftat" zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Urteil, das Hesham A. in Ordnung findet. Er sagt im Schwurgerichtssaal: "Ich fühle mich zu Recht verurteilt durch das Amtsgericht Horb. Das habe ich verdient."

Warum denkt der Mann so? Das erklärt er später in den Befragungen. Im Auto, als O. und Iyad die Pläne geschmiedet hatten, war von einem Überfall die Rede. Ein Plan: Das Opfer mit einer Tablette zu betäuben und zu berauben. Der Friseur im Schwurgericht: "Im Auto wurde nie darüber gesprochen, dass jemand vorsätzlich getötet werden soll." Als er dann am Sonntag vom Tod des Opfers erfahren habe, sagt er auf Nachfrage von Iyads Verteidiger Wido Fischer: "Ich bin total durchgedreht!" Bei der Polizei hatte der Friseur gesagt: "Ich weiß noch, dass ich die beiden anrufen wollte. Ich habe mit beiden ein getrenntes Telefonat geführt. Ich habe sie zusammengeschissen." Ergänzt im Gericht noch: "Wenn ihr das ward, werde ich es euch zeigen!"

Doch das Urteil des Amtsgerichts Horb, die Verwicklungen als Hauptzeuge, die Vernehmungen vor dem Schwurgericht Rottweil – sie haben dem staatenlosen Palästinenser, der 2015 mit Iyad und dessen Ehefrau Amira aus Palästina über Spanien nach Deutschland eingereist ist, nur Ärger gebracht. So jammert der Friseur im Landgericht Rottweil: "Ich bin durch das Verfahren massiv geschädigt worden. Ich habe überhaupt kein Geld mehr, um zurückzufahren. Mir wurde zweimal gekündigt."

Richter Karlheinz Münzer versprach ihm, das Geld für die Rückfahrkarte in die Mannheimer Gegend zu besorgen. Hier hatte Hesham A. als Friseur gearbeitet – für 500 Euro netto. Dafür hatte ihm sein Arbeitgeber die Wohnung bezahlt.

Als heftiger Kiffer bezeichnet

Warum er O. überhaupt Iyad vermittelt hatte, bleibt immer noch unklar. Denn: Im Polizeiverhör hatte er ihn als heftigen Kiffer bezeichnet. O.s Verteidiger Alexander Hamburg hielt dem Friseur folgende Aussage über Iyad vor: "Auf die Frage, ob Iyad gefährlich ist, haben sie gesagt: ›Er raucht viel Marihuana. Ich würde ihn deshalb als blöd bezeichnen. Ich weiß nicht, ob er eine Schusswaffe hat.‹"

Das bestätigt der Friseur. Er relativiert zwar den hohen Marihuana-Konsum des staatenlosen Palästinensers. Weil Hesham A. selbst Iyad einmal am Tag kiffen gesehen habe. Dessen Ex-Ehefrau Amira hatte ihm dagegen vom dauernden Haschrauchen erzählt.

Bis heute ist ungeklärt, ob es eine "große Beute" beim Überfall und Mord an Michael Riecher gegeben hat. Mohammed O. soll Iyad nach der bisherigen Beweisaufnahme mit der Aussicht auf "viel Geld und Gold" zum Überfall überredet haben. Laut Iyads Aussage bei der Polizei habe er von Riecher beim Überfall am 2. November knapp 3000 Euro Bargeld bekommen. Auf der Fahrt zum Bahnhof habe ihm O. das Geld aus der Tasche gezogen. Iyad sprach im Polizeiverhör von einem "Trick" von O.

Fakt ist: Am 4. Januar wurden Ausgrabungen neben dem ehemaligen Wohnhaus von O. beobachtet. Möglicherweise wurde hier die "große Beute" weggebracht. Stand heute weiß man, dass O. im Auftrag von Riecher Krügerrand im Wert von knapp 10 000 Euro bestellt hatte und diese am Tattag holen sollte. Die Goldmünzen wurden niemals bei der Kreissparkasse abgeholt.

Heute ab 11 Uhr ist die Zeugin geladen, die vier oder fünf verdächtigte Männer in Nordstetten beobachtet hatte. Die Ausgräber. Sie hatte mehrmals das Polizeirevier Horb gerufen. Niemand kam. Als dann endlich gegen 17.20 Uhr die Streife kam, wurden nur noch drei Männer erwischt. Ohne Tasche, die die Zeugin vorher gesehen hatte, ohne Beute. Erst fünf Tage danach fing die Polizei offenbar an, die drei richtig unter die Lupe zu nehmen und bei den drei Männern zu durchsuchen.

Mehr zum Mord in Nordstetten lesen Sie auf unserer Themenseite.

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