Foto: Hopp

Mieter und Eigentümer machen ihrem Ärger Luft. Warum sind die Nebenkosten so rasant gestiegen?

Horb-Bildechingen - Der Haugenstein am Sonntagvormittag. Gut 50 Mieter und Eigentümer machen ihrem Unmut über die undurchsichtigen Zustände Luft. Mieter Peter Thielmann wird deutlich: "Hier muss eigentlich der Staatsanwalt ermitteln."

Was ist da los? Andreas Osbelt, Inhaber des Heizkraftwerks, hatte insgesamt zehn Häusern das Warmwasser und die Heizung abgedreht. Grund, so Osbelt: Sie würden sich weigern, die Nebenkosten zu zahlen.

Viele Dokumente und noch mehr Wut im Gepäck

Das wollen viele Mieter und Eigentümer auf dem Haugenstein nicht auf sich sitzen lassen. Sie luden den Schwarzwälder Boten gestern Vormittag zum Pressegespräch auf den Haugenstein. Mit dabei: viele Dokumente und noch mehr Wut im Gepäck.

Mieterin Elisbeth Hopp erzählt: "Wir haben mal die Nebenkostenabrechnungen verglichen. Da blickt keiner mehr durch. Die Heizkostenabrechnungen sind von Haus zu Haus unterschiedlich." Anastasia Obermann: "Ich habe vier Kinder. Seit Mai wurde uns das Wasser abgestellt. Weil die Eigentümerin offenbar 7000 Euro an Nebenkosten nachzahlen soll." Ihre Mutter Ludmilla: "Ich kann diese Summen nicht nachvollziehen. Ich wohne am Nordring und bin nicht gerade sparsam. Trotzdem bekomme ich in meiner Wohnung immer Geld zurück."

Wasserkocher für Warmwasser

Anastasia Obermann und alle anderen, denen das Warmwasser abgedreht wurde, helfen sich inzwischen mit Warmwasserkochern aus. Manche haben sich auch Wasserboiler eingebaut. Doch offenbar geht Osbelt auch dagegen vor. Dem Schwarzwälder Boten wird ein Brief an Alexander Gette, Hausverwalter einiger Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) gezeigt. Datum: 15. Juli. Unterschrieben von Osbelt. Auszug: "Wie wir erfahren haben, bedienen sich diverse Eigentümer und Mieter anderer Heizquellen oder planen sie zu nutzen. (…) Wir werden nach Überprüfung diejenigen, die andere Heizquellen nutzen, mit einer Schadensersatzklage überziehen."

Andreas Osbelt, Inhaber von Horb Energie, hatte gegenüber dem Schwarzwälder Boten erklärt, dass er denen das Warmwasser abgedreht habe, die die Nebenkosten nicht zahlen. Er bezieht sich auf einen "gültige Wärmeliefervertrag".

Der unbekannte Wärmeliefervertrag

Eigentümer Alexander Maier: "Ich habe hier eine Wohnung für 121 000 Euro gekauft. Im Kaufvertrag steht nur: Lieferung von Wärme gegen angemessenes Entgelt. Von einem Wärmeliefervertrag habe ich nie etwas gewusst und auch nichts mitbekommen. Ich habe erst vor Kurzem mitbekommen, dass es so etwas gibt."

Und zwar durch seinen Mieter. Der hatte in der Vergangenheit immer ein Guthaben, jetzt soll der auf einmal 2600 Euro nachzahlen. Maier: "Der Mieter hat die Miete um 30 Prozent gekürzt. Weil er kein Warmwasser hat. Wenn der jetzt noch auszieht, muss ich noch den Umzug zahlen! Ich habe das Gefühl, mit der Abrechnung kann etwas nicht stimmen."

Was hat es mit dem Wärmeliefervertrag auf sich? Dem Schwarzwälder Boten liegt er vor. Abgeschlossen zwischen Horb Energie GmbH und Co. KG (gehört Andreas Osbelt) und einer Wohnungseigentümergesellschaft. Vertreten durch die Hausverwaltung Engelmayr. Es geht um die Energielieferung von Fernwärme ab 1. Dezember 2012.

Laut Preisblatt sind 18,22 Euro Jahresgrundpreis pro Quadratmeter fällig. Der Arbeitspreis für die abgenommene Wärme liegt bei 5,68 Cent (beides inklusive Mehrwertsteuer.) Laut Osbelts Pressemitteilung ist dieser Wärmeliefervertrag mit allen anderen WEGs identisch. Auch die Preise gelten noch.

Warum ist der Grundpreis so hoch?

Auffällig, darüber schimpft auch beispielsweise Mieterin Elisabeth Hopp: "Damit ist der Grundpreis pro Quadratmeter höher als der Verbrauch. Das kommt einem schon komisch vor." Viele der Mieter und Eigentümer regen sich über den "hohen Grundpreis" auf. Die Hausverwaltung Engelmayr allerdings, so belegt eine Heiz- und Betriebskostenabrechnung, ermittelt wohl für die einzelne Wohnung allerdings 70 Prozent Verbrauchskosten und 30 Prozent Grundkosten.

Seltsam auch: Der neue Wärmeliefervertrag gilt am dem 1. Dezember 2012. Dem Schwarzwälder Boten liegt eine Nebenkostenabrechnung für dasselbe Objekt vor. Für den Zeitraum vom 1. Juli 2013 bis 30. Juni 2014 werden an Heizung/Kalt und Warmwasser für das Gesamtobjekt Kosten in Höhe von 10 644 Euro berechnet. Ein Jahr später stellt die Hausverwaltung Engelmayr 17 494 Euro in Rechnung.

Rätseln über die Kostenexplosion

Wie sich die Steigerung in einem Jahr um knapp 7500 Euro erklärt? Wohnungseigentümer Maier und Mieterin Hopp beispielsweise sagen: "Uns werden über die tatsächlich entstandenen Heizkosten keinerlei Belege gegeben. Früher hat Techem das Ganze noch abgelesen und gemacht. Inzwischen sieht es so aus, als ob Osbelt allein diese Abrechnung macht."

Fakt ist: Dem Schwarzwälder Boten liegt eine Techem-Abrechnung (Techem war zu der Zeit tätig, als der Haugenstein noch im Besitz des Bundes war) vom 1. Juli 2010 bis 30. Juli 2011 vor. Hier ist fein säuberlich aufgelistet, was das Heizkraftwerk kostet.

Diese Transparenz, so Eigentümer und Mieter, fehle inzwischen. Maier: "Ich habe zwei Wohnungen verglichen. Eine oben, eine unten. Der Verbrauch ist immer ungefähr gleich geblieben. Im Jahr 2011 oben 150 Euro, unten 560 Euro Erstattung. 2012: Oben 400, unten 600 Erstattung. 2013: 1200 Euro Nachzahlung, unten Guthaben. 2014 Oben 2150 Euro Nachzahlung, unten Guthaben. Das kann doch nicht sein!"

Nikolaj Seibert klagt deshalb vor Gericht gegen die verlangte Nachzahlung. Er sagt: „Die schicken uns jetzt Gutachter raus, die sich das Ganze anschauen.“

Gerade die Differenzen der Heizkosten von unteren und oberen Geschossen ist erstaunlich. "Es gibt Wohnungen im Untergeschoss, da geht man im Winter rein, und man muss vor lauter Wärme im T-Shirt sitzen, obwohl gar nicht geheizt wird. Bei der BImA hat es einen Ausgleich gegeben", so eine Mieterin.

Zeitler-Besuch kommt nicht zustande

Der Haugenstein ist in Aufruhr. Yvonne Imhof hatte sich ein Herz gefasst und hatte die anderen Bewohner der Wohnsiedlung für das gestrige Pressegespräch mit unserer Zeitung zusammengetrommelt. Auch hatte sie auf die schnelle in den gelben und den blauen Häusern Unterschriften gesammelt. In kürzester Zeit hatte sie 55 Mitunterzeichner.

Yvonne Imhof ging damit am Donnerstag ins Rathaus. "Ich hatte die Gelegenheit, mit Bürgermeister Jan Zeitler kurz zu sprechen. Ich habe ihn gebeten, dass die Stadt uns hilft. Wir sind doch auch Horber Bürger. Er hatte gesagt, dass er zum heutigen Gespräch vielleicht vorbeischaut. Leider ist er nicht gekommen."

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