Ortsvorsteher Heiko Peter Melle und Oberbürgermeister Klaus Konzelmann (von links) legten einen Kranz nieder im Beisein von Sophie von Bechtoldsheim (rechts).Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

20. Juli 1944: Gedenkstunde am Schloss

Albstadt-Lautlingen. Ausgerechnet zum 77. Jahrestag des Attentatsversuchs auf Adolf Hitler, nach dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg von den Nationalsozialisten ermordet worden war, musste die Gedenkstunde in der Kapelle beim Stauffenberg-Schloss Lautlingen nichtöffentlich stattfinden – das bedauerte Oberbürgermeister Klaus Konzelmann ausdrücklich, weil mit Sophie von Bechtoldsheim, Stauffenbergs Enkelin, eine profilierte Historikerin zur Gedenkfeier gekommen war.

"Wohl wissend, dass ein Scheitern ihren Tod bedeuten würde", hätten die Brüder Claus und Berthold von Stauffenberg versucht, die Gräuel des Zweiten Weltkriegs zu beenden, sagte Konzelmann über den Attentatsversuch in der "Wolfsschanze" am 20. Juli 1944 – in einer Rede, in der die Zuhörer auch zwischen den Zeilen viel heraushören konnten. Stauffenberg sei bereit gewesen, bis zum Äußersten zu gehen, "und nur wenige können für sich in Anspruch nehmen, die eigenen Ideale unter Aufopferung des eigenen Lebens zu vertreten", betonte der Albstädter Oberbürgermeister.

Lautlingen und auch die Stadt Albstadt blickten inzwischen auf eine lange Tradition der Erinnerungskultur zurück, fuhr er fort. Noch Anfang der 1950er-Jahre hätten sich Öffentlichkeit und Verwaltung schwer getan, an die Brüder – sie waren Aushängeschilder des militärischen Widerstandes gegen das Nazi-Regime – zu erinnern. Heute sei dieses Gedenken "zweifelsohne ein Teil der Orts- und Stadtgeschichte".

In einem Gebet blickte der katholische Diakon Michael Weimer nicht nur auf den Zweiten Weltkrieg, sondern durch das Weitwinkelobjektiv, erinnerte an die "unzähligen Opfer der Kriege", alle die durch Gewaltherrschaft ums Leben gekommen seien oder "wegen ihrer Überzeugungen getötet wurden". Außerdem betete Weimer für die Opfer von Katastrophen und für alle, die ihr Leben hingegeben hätten für Gerechtigkeit.

Zur feierlichen Kranzniederlegung schritten im Anschluss auch der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg, Vertreter der Bundeswehr sowie Konzelmann und Ortsvorsteher Heiko Peter Melle, selbst einer der fachkundigsten Stauffenberg-Kenner überhaupt. Seine Frau Gudrun indes verstärkte das Bläserensemble der Musikkapelle "Frohsinn" Lautlingen, das die Gedenkstunde würdig begleitete und zum Abschluss die Nationalhymne spielte.

Sophie von Bechtoldsheim hielt am Abend im Park des Stauffenberg-Schlosses einen Vortrag über ihren Großvater und die Ereignisse des 20. Juli 1944 (wir werden noch berichten).

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