Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Freudenstadt Heiße Kreistags-Debatte um Borkenkäfer

Von
Aufräumarbeiten: Die Forstverwaltung versichert, dass sie das Borkenkäfer-Problem im Griff hat. Foto: Rath

Kreis Freudenstadt - Beim Wald hört der Spaß offenbar auf: Der Borkenkäfer hat 2019 Alarm ausgelöst. Die Forstverwaltungen von Landkreis und Nationalpark versichern zwar, dass die Lage aktuell unter Kontrolle ist. Allerdings wollen das nicht alle Mitglieder des Kreistags glauben.

In der Sitzung des technischen Ausschusses am Montag entbrannte die lang ersehnte und erwartbar heiße Debatte. Der Ärger schwelt in Waldbesitzerkreisen wohl schon länger, vor allem mit Blick Richtung Nationalpark und seinen Kern- und Pufferzonen. Auf Antrag von AfD-Kreisrat und Ex-Förster Richard Koch gab es nun Lageberichte. Allerdings reklamierten auf die Freien Wähler für sich, das Thema schon früher die Agenda gebracht zu haben. Reinhard Geiser, Erster Landesbeamter, eröffnete den Tagesordnungspunkt gleich mit einem Ordnungsruf: Die Borkenkäfer-Plage sei ein nationales Problem, keines des Kreises, und falle auch nicht in die Aufgaben des Landratsamts. "Das nur mal zur Klarstellung", sagte Geiser.

"Nicht die erste Krise"

Aber auch Simon Stahl, Leiter des Kreisforstamts und designierter Chef der künftigen Verwaltung des Staatswalds, drängte es offenbar, sich zum Thema öffentlich äußern zu können. Er sagte, er sei "froh über diese Gelegenheit". Das Borkenkäfer-Problem in diesem Jahr sei "nicht die erste Krise" in jüngerer Vergangenheit, und das Forstamt mit einer "motivierten Mannschaft" könne damit "umgehen". Gemessen an den Krisen nach Stürmen wie "Lothar" oder der momentanen Lage in Norddeutschland, wo ganze Wälder tot sind, sei es im Nordschwarzwald vergleichsweise ruhig. "Ich rate zu Gelassenheit", so Stahl. Im Übrigen sei der schrittweise Umbau der Wälder, um den Forst fit für wärmeres Klima zu machen, "seit 30 Jahren unser Geschäft".

Probleme mit heißen Phasen und Dürre träten "regelmäßig" auf. Schon in den 1940er-Jahren habe es heiße und trockene Perioden gegeben. Sie häufen sich jedoch. 2018 sei ein "Extremjahr" gewesen, Mittlerweile habe die Forstverwaltung "sehr gute Daten", um sich darauf einstellen zu können. Entsprechend "gut funktioniert" habe die Vorbereitung. So gab es Urlaubssperren, um befallene Bäume fällen und aus dem Wald schaffen zu können. Außerdem seien zuvor die Holzlager geräumt und der normale Einschlag gestoppt worden. "Wir haben derzeit kein unverkauftes Holz im Wald liegen", so Stahl. Es sei gelungen, Unternehmen für Aufträge hier zu halten, obwohl sie "in Norddeutschland praktisch jeden Preis hätten verlangen können". Dennoch befinde sich der Preis etwa im Leitsortiment Fichten-Stammholz "im freien Fall". Wer momentan verkaufen müsse, sei "sehr zu bedauern". Dürre Bäume stünden vor allem in Privatwäldern.

Wie die Wälder entwickelt werden könnten, um sie für die Zukunft stabil zu machen, sei die zentrale Frage. "Ich sehe hier noch Forschungsbedarf", sagte Stahl. Alte Fichten seien zwar fast überall im "roten Bereich". Tanne und Buche seien aber auch nicht an jedem Standort geeignet. Bodenbeschaffenheit, Höhenlage, Wasser, Lage und andere Faktoren spielten eine Rolle. Stahl zeigte das Bild einer großen Fichte, der es in Italien offenbar blendend geht. "Das Thema ist sehr komplex."

Jörg Ziegler, im Nationalpark zuständig für Wald und Naturschutz, trat an mit dem Ziel, eine derzeit oft aufgestellte Behauptung zu entkräften: dass der Nationalpark Schwarzwald mit seiner Kernzone, in der sich der Borkenkäfer ohne Eingriffe des Menschen ausbreiten darf, und seinen angeblich zu kleinen "Pufferzonen" an den Grenzen zu Privatwäldern den ganzen Nordschwarzwald in Gefahr bringe.

Erfahrung der Kernzone

Aktuelle Erfahrungen aus der Kernzone zeigen seinen Ausführungen zufolge etwas anderes, wie auch Bilder belegten: Vor sechs Jahren hätte es nur "kleine Nester" mit befallenen Bäumen gegeben. Diese hätten sich in den vergangenen Jahren verdichtet, seien aber nicht größer geworden. "Im Vergleich zu anderen Landesteilen sind die Flächengrößen immer noch gering", so Ziegler. Das Wetter sei noch günstig gewesen. Die Wasserspeicher im Wald hätten sich rasch wieder gefüllt, es gebe hier "keinen Mangel". Eine Kälteperiode im Frühjahr hätte eine potenzielle dritte Käfergeneration in einem Jahr verhindert. Die "Lücken" durch Käferbefall in der Kernzone seien "fast optimal", um lichte Stellen für neue Bäume zu schaffen. Alles für ihn "kein Grund zum Stirnrunzeln". Seine Erkenntnis: Gefährdet seien Bestände an Rändern von Südzonen und Kanten, "wo kein Wasser ist".

In der Pufferzone sei die Lage "ganz ähnlich". Es gebe keine Käfer-Ausbreitung in die Fläche, Warnsystem und Management funktionierten "ganz ausgezeichnet". Im ersten Bereich finde nach einer Warnung nun aktive Käferbekämpfung statt. Die Käferholzmengen im Pufferstreifen seien nur wenig angestiegen. Die Daten und Prognosen für Entscheidungen würden alle paar Wochen von der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) bereitgestellt und seien Beleg dafür, "dass ich hier keinen Blödsinn erzähle". Zum Schutz der Privatwälder werde dort befallenes Holz auch geschlagen, "und zwar so lange, bis die FVA sagt, dass es gut ist".

"Waldkonferenz" scheitert

Im Verlauf der Diskussionsrunde sahen sich die beiden Förster mit Detailfragen, Vorwürfen und Behauptungen konfrontiert, die sie geduldig mit Verweis auf die Daten beantworteten, teils stoisch ertrugen oder mit einem Kopfschütteln quittierten. Ziel sei es, artenreichere Wälder zu schaffen, so Stahl auf die Frage von Ludwig Wäckers (Grüne), was die Forstverwaltung plane. Das Argument, dass andere Landstriche ohne Nationalpark wie Lörrach oder Waldshut-Tiengen wesentlich stärker als der Kreis Freudenstadt betroffen seien, stimmte die Kritiker zwar nicht milder. "Aber das bitte ich einfach mal zur Kenntnis zu nehmen", so Stahl. Der Antrag von Gerhard Gaiser (SPD), wie 1981 eine großangelegte und überparteiliche "Waldkonferenz" einzuberufen, um mit der Botschaft "Wir lassen uns im Schwarzwald das nicht gefallen" politischen Druck zu machen, fiel in der Abstimmung durch. CDU, FDP, FWV und AfD wollten sich dem nicht anschließen. AfD-Kreisrat Koch verließ danach zeitnah die Sitzung weit vor dem offiziellen Ende.

Artikel bewerten
15
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.