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Freudenstadt "Fridays for Future": Presse bei Klimaprotest unerwünscht

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Am Freitag soll, wie schon vergangene Woche, auf dem Freudenstädter Marktplatz eine Klima-Kundgebung stattfinden. Foto: Müller

Kreis Freudenstadt - Die Klima-Diskussion scheint im Kreis Freudenstadt voll im Gange. Für Freitag, 20. September, rufen örtliche Initiativen der Bewegungen "Fridays for Future" und "Parents for Future" sowie Kirchengemeinden zu Kundgebungen und Gebeten auf. Auch Abgeordnete melden sich zu Wort – mit konträren Standpunkten.

Seit Monaten gibt es freitags Kundgebungen auf dem Freudenstädter Marktplatz. Die kommende steht jedoch unter besonderen Vorzeichen: Am selben Tag will das Klimakabinett in Berlin seine Konzepte vorstellen, tags darauf beginnt der UN-Klimagipfel in New York. Deutschlandweit soll es Hunderte von Veranstaltungen geben. Indessen gewinnt bei einigen Protagonisten der Kampf um die Deutungshoheit und die öffentliche Meinung an Schärfe.

In Freudenstadt treffen sich Akteure von "Fridays for Future" und "Parents for Future" wieder auf dem oberen Marktplatz. Die Aktion beginnt um 12.10 Uhr. Der Bewegung sei es wichtig, an die Kundgebung des vergangenen Freitags anzuknüpfen, schreibt Fabian Kramer, der sich als Versammlungsleiter bezeichnet. "Die Veranstaltung bewegte in Freudenstadt nicht so viele Menschen, doch im Land ist unsere Botschaft angekommen. Die Bilder vom sonnendurchfluteten Marktplatz und all die aktiv engagierten Teilnehmer haben Freudenstadt zu einem tollen Image verholfen", zitiert sich Kramer selbst – und fasst damit die Stimmung "treffend" zusammen, wie er findet.

Presse unerwünscht

Wie berichtet, hatten rund 60 bis 70 Teilnehmer an der Kundgebung teilgenommen. Was die Presse seiner Ansicht nach zu veröffentlichen hat, dazu hat der Abiturient ebenfalls klare Vorstellungen, wie in einer zweiten E-Mail an die Redaktion zum Ausdruck kommt: "Wir werden den Artikel zu unserer nächsten Veranstaltung selbst schreiben. Entweder Sie berücksichtigen ausschließlich unseren Artikel oder Sie brauchen über unsere Veranstaltung nicht berichten." Auf gut Deutsch: unabhängige Berichterstattung ist für ihn nicht erwünscht. Unklar ist, inwiefern diese Grenzüberschreitung intern abgestimmt ist. Er wolle die Berichterstattung auf keinen Fall einschränken, ließ Fabian Kramer die Redaktion später in einer E-Mail wissen und fügt hinzu: "Ich bekenne mich zur unabhängigen Berichterstattung."

Zur Teilnahme an den Kundgebungen und an Veranstaltungen im Rahmen der Klimawoche in den Kreisen Calw und Freudenstadt ruft auch die SPD-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Calw/Freudenstadt, Saskia Esken, auf. Esken, die zusammen mit Norbert Walter-Borjans für den Parteivorsitz kandidiert, erhofft sich "ein starkes Signal für die Zukunft unseres Planeten". Die Gesellschaft habe die Lasten ihres Lebensstils "viel zu lange" in die Zukunft verschoben.

SPD hofft auf starkes Signal

"Was hat die nächste Generation von einem ausgeglichenen Staatshaushalt, wenn die Schulden des Klimawandels nicht mehr zu tilgen sind?", so Esken am Ende der Haushaltswoche im Bundestag. Sie sei "tief beeindruckt" von dem, was "die jungen Leute von ›Fridays for Future‹ weltweit und auch bei uns vor Ort auf die Beine gestellt haben und von welchem breiten Bündnis sie getragen werden". Sie hätten es geschafft, dass die Klimakrise "endlich ganz weit oben auf der Agenda steht". Und diese Stimmung soll die Partei nutzen. "Die SPD hat eine klare Vorstellung davon, wie wir den Klimaschutz sozial und fair gestalten. Für die dringend notwendige Umkehr sind jetzt aber nicht nur massive Investitionen nötig." Dazu müssten die Lasten "gerecht verteilt" und "an vielen weiteren Stellschrauben" gedreht werden. Die SPD-Bundestagsfraktion werde in den weiteren Haushaltsverhandlungen mit der Union "darauf drängen", dass die beschlossenen Maßnahmen "zeitlich ineinandergreifen und uns am Ende das große Ganze gelingt, und das schnellstmöglich". Sie freue sich über jeden Teilnehmer einer Demonstration, lässt sich für Freitag in Calw allerdings entschuldigen. Sie sei dann schon wieder unterwegs zu einer der nächsten Regionalkonferenzen der SPD.

Ganz anders sieht das die AfD im Nordschwarzwald. Deren Landtagsabgeordneter Klaus Dürr aus dem Kreis Calw, der den Landkreis Freudenstadt jetzt mitbetreut, meldet sich ebenfalls zu Wort: "Die sogenannten ›Fridays-for-Future‹-Demonstrationen haben wohl bereits den herbeigeredeten Charakter einer Jugendbewegung verloren und wurden offenbar durch andere Interessensgemeinschaften gekapert."

AfD: gekaperte Bewegung

Er kritisiert, dass Parteien "die Kinder und Jugendlichen für eigene politische Werbung missbrauchen" und zum Verstoß gegen die Schulpflicht aufrufen. Aber auch "für einige Eltern" der Bewegung "Parents for Future" genieße "die Teilnahme ihrer Kinder am Unterricht offensichtlich nicht die höchste Priorität". Außerdem findet Dürr "das mediale Interesse " an den Demonstrationen als "unverhältnismäßig hoch" im Verhältnis zu den Teilnehmerzahlen. Es sei ein "Mythos", dass es sich um eine "riesige Bewegung" handle. Der tatsächliche Anteil an Schülern dürfte "eher marginal" sein. Mehr Lehrer, klare Schulkonzepte und bessere Ausstattung sowie eine Digitalisierungsoffensive nutze den Schülern "deutlich mehr" als wöchentliche Demonstrationen. "Es steht außer Frage, dass wir uns als Gesellschaft – und zwar gemeinsam – für sinnvollen Umwelt- und Naturschutz stark machen müssen", so Dürr. Ebenso gelte es, "die Ressourcen zu schützen und Nachhaltigkeit in unserer Lebensweise zu verfestigen". Allerdings würde es "der jungen Generation wesentlich mehr helfen", wenn sie "als hochqualifizierte Fachkräfte" später durch innovative Entwicklungen im Bereich der Antriebs-, Heizungs- oder auch Stromerzeugungstechniken revolutionieren würden, anstatt den eigenen Lernerfolg noch "aktiv zu bestreiken". Teilnehmer "dieser Streiks" lade die Fraktion nach Stuttgart zum Gespräch ein, nach Terminabsprache.

Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Baiersbronn hat "mit vielen Kirchen in Baden-Württemberg beschlossen, ebenfalls ein Zeichen zu setzen". Für Freitag, 11.55 Uhr, hat sie eine Andacht mit Gebet auf dem Rosenplatz in Baiersbronn angesetzt. Die Andacht beginne mit einem fünfminütigen Glockenläuten. Die Glocken sollen mahnend in Erinnerung rufen: "Es ist fünf vor zwölf für Gottes gute Schöpfung." Dazu seien auch Kinder und Jugendliche an den Baiersbronner Schulen eingeladen.

Die Glocken läuten

In Dornstetten plant die evangelische Kirchengemeinde am Freitag um 11.55 Uhr ebenfalls eine Andacht. Sie findet in der Martinskirche statt. "Wir als Kirchengemeinde unterstützen mit dem ›Grünen Gockel‹ das Anliegen", heißt es in der Ankündigung. Der Kirchengemeinderat habe beschlossen, "ebenfalls ein Zeichen zu setzen". Die Andacht beginne mit einem zehnminütigen Glockenläuten um "fünf vor zwölf". Sofern es technisch möglich sei, würden die Turmuhren der Martinskirche dann für 24 Stunden stehen bleiben – als Mahnung, rasch zu handeln.

Nach halbjähriger Pause gibt es am Freitag in Horb wieder eine Kundgebung.

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