Was den Wald anbelangt, ist St. Georgen „wirklich noch auf einer Insel der Glückseligen“. So urteilt Andreas Sturm vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg über den städtischen Forst. Damit das auch so bleibt, müssen nun die Weichen gestellt werden.
Kies knirscht unter den Schuhsohlen, wenn man den St. Georgener Röhlinwald vom Großbauernweg aus betritt. Die Temperatur fällt merklich. Und links und rechts des Wegs erspäht man sattes Grün. Hier ist die Forstwelt noch in Ordnung – so scheint es zumindest. Doch auch der St. Georgener Wald leidet mehr und mehr unter den Folgen des Klimawandels – und dass er in einem so guten Zustand bleibt, ist alles andere als garantiert. Dafür sensibilisierten Revierförster Thomas Leser, Sven Jager, stellvertretender Leiter des Forstamts im Schwarzwald-Baar-Kreis, und Andreas Sturm, stellvertretender Leiter der Forstdirektion im Regierungspräsidium (RP) Freiburg, nun bei einer Waldbegehung des Gemeinderats.
So geht es dem Wald jetzt
Die Zahlen rund um den St. Georgener Stadtwald lesen sich beeindruckend: etwa 552 Hektar Holzfläche und rund 467 Vorratsfestmeter pro Hektar – vor allem mit einem großen Anteil alter Bäume. Gerade letzterer sei ein „richtig satter Wert“, erklärte Sturm, der zusammen mit Revierförster Leser die Forsteinrichtung für den St. Georgener Stadtwald erarbeitet hatte. In kommunalen Wäldern in Baden-Württemberg liege der Durchschnittswert bei 330 bis 350 Vorratsfestmetern pro Hektar. Zudem wächst jährlich Holz nach – wie viel, verdeutlichte Sturm: Demnach könnten jedes Jahr 227 Lastwagen – jeder beladen mit 25 Festmetern Holz – den St. Georgener Stadtwald verlassen. Am Ende des Jahres stünde dann – ohne Nachpflanzungen – wieder genau so viel Holz im Stadtwald wie am Anfang.
Alles in allem geht es dem St. Georgener Stadtwald noch gut – doch Probleme gibt es auch hier: Borkenkäfer und Stürme wüten – wie überall. Etwa 26 Prozent des Holzeinschlags im städtischen Forst sind daher sogenannte zufällige Nutzungen. Heißt im Klartext: „Jeden vierten Festmeter hätte man so nicht geschlagen“, verdeutlichte Sturm. Das sei „ein spürbares Rauschen“, im Vergleich zu anderen Kommunen im Schwarzwald-Baar-Kreis jedoch noch ein guter Wert.
So sieht die Prognose aus
Also alles bestens im Stadtwald? Nicht wirklich. Denn der Klimawandel, ist sich Sturm sicher, wird sich auch hier bemerkbar machen. Statt nasser und kühler Jahre müsse man sich in den kommenden Jahren auf immer mehr Trockenheit und Hitze gefasst machen. Schon in den vergangenen Jahren ist der Trend eindeutig. Die Folge: „Die Bäume schnaufen gar nicht mehr durch“ – stattdessen ist für den Wald Hitzestress angesagt. Das wiederum macht den Forst anfälliger für den Borkenkäfer und Sturmschäden. „Das macht uns zu schaffen“, betonte Sturm.
Was die kommenden Jahre genau bringen – dazu gibt es verschiedene Ansichten, auch wenn sich Sturm zufolge durchaus ein gemeinsamer Nenner finden lässt. Ziemlich klar ist: Die Fichte bekommt Probleme – und damit auch viele Wälder, in denen die Baumart sehr häufig vorkommt. St. Georgen ist da keine Ausnahme: Etwa 45 Prozent der Holzbodenfläche sind mit Fichtenbeständen bewachsen. 246 Hektar des St. Georgener Stadtwalds sind damit als klimalabil eingestuft. Auch die Prognose für die Tanne, die im Stadtwald am zweithäufigsten vorkommt, ist nicht gerade rosig: „Sie müssen davon ausgehen, dass Sie auf Flächen Tannen verlieren, wo Sie heute noch selbstverständlich sind“, warnte Sturm die Räte.
So greifen die Förster ein
Vielfalt scheint das Zauberwort der Forsteinrichtung zu sein. Weil man nicht ganz genau weiß, welche Bäume wie mit dem Klimawandel klarkommen, wolle man das Risiko möglichst streuen, erklärte Sturm. Bestände, die aktuell von zwei Baumarten bestimmt werden, sollen deshalb nach und nach umgebaut werden. Unter anderem soll im St. Georgener Stadtwald mehr Laubholz wachsen: Der aktuelle Laubholzanteil von sechs Prozent soll deutlich gesteigert werden. Die Zukunftsvision: fünf Baumarten, jede mit einem Anteil von mindestens zehn Prozent. Bis dahin ist es aber noch ein weiter und arbeitsreicher Weg.
Der Holzpreis
Erntepläne
Im laufenden Jahr soll im St. Georgener Stadtwald – von durch Käfer oder Sturm notwendig gewordenen Eingriffen einmal abgesehen – kein Holz mehr geerntet werden. Grund ist der Holzpreis. Der sei aktuell „eigentlich lächerlich“, sagte Revierförster Thomas Leser. Immerhin wolle man das Holz nicht verschenken.